28-10-2008, 18:12
Hallo Sangus,
Meines Erachtens trifft man immer eine Wahl. Selten kenne ich ein "Gedrängtsein" nur in eine Richtung, sondern immer gleichzeitig in mindestens zwei, zwischen denen entschieden werden muss. Und selten reagiere ich spontan auf einen Beitrag, sondern überschlafe das, probiere Antworten im off, lösche, überarbeite etc. Alles rationale Vorgänge. Einer davon lautet so: Soll ich meiner Trägheit nachgeben oder bin ich es mir oder anderen schuldig, mich wieder einmal der Unbill anderer auszusetzen?
Dennoch denke ich, dass das, was am Ende das Zünglein an der Waage anzeigt und mich zum Handeln bringt, im allerstrengsten Sinne kein Akt der Freiheit ist.
Aber "Freiheit" ist ein schwieriges und sehr vieldimensionales Wort. Es bedeutet auf verschiedenen Definitionsebenen Verschiedenes. Darum kann man nicht einfach fragen: "Gibt es den freien Willen?", sondern man muss die Defintionsebene angeben, auf der man fragt.
Macht man sich einmal die Mühe und geht auch nur eine einzige Aktion, die man getätigt hat, rückwärts - also fragt sich, was sie ausgelöst hat -, dann kann man feststellen, dass es eine Kettenreaktion war. Wüsste man über alle Kettenglieder Bescheid, würde man vielleicht nicht mehr von Freiheit und Wahlmöglichkeit sprechen. Das ist aber rein psychologisch oder philosophisch.
Moralisch aber muss ich den Menschen und seinen Willen für frei erklären, weil ich sonst kein funktionsfähiges Gemeinschaftsleben akzeptieren könnte. Auf dieser Ebene macht es Sinn, zwischen Trieb und Willensakt zu unterscheiden, denn subjektiv wird dieser Unterschied auch empfunden. In der Regel weiß der Mensch, wann er rein triebhaft tut, was er gar nicht will.
Bezogen auf Dein Beispiel: ich kenne den Unterschied zwischen einer triebhaften Antwort - wie der Pawlowsche Hund, der sabbert, wenn irgendein Klingelzeichen ertönt - und der überlegten Antwort, die oft Tage dauert.
Ob dann im tiefsten psychologischen und philosophischen Sinn der Mensch die Wahl hat, rein triebhaft oder überlegt zu handeln - das eben ist eine Ebene, die sich von der genannten unterscheidet.
(26-10-2008, 17:32)Sangus schrieb: Das Thema "Willensfreiheit" beschäftigt ja bekanntermaßen immer wieder die Gemüter.
[...]
Mich interessiert jetzt, ob und inwieweit Ihr Euch bei der Teilnahme an Diskussionen hier und anderswo wirklich "frei" (und damit natürlich auch "verantwortlich") fühlt - oder ob ihr im Grunde nur "Getriebene" seid, die von einem Gemenge aus Unbill, Gerechtigkeitssinn und Sendungsbewußtsein letztlich "gedrängt" werden, sich hier zu äußern.
Meines Erachtens trifft man immer eine Wahl. Selten kenne ich ein "Gedrängtsein" nur in eine Richtung, sondern immer gleichzeitig in mindestens zwei, zwischen denen entschieden werden muss. Und selten reagiere ich spontan auf einen Beitrag, sondern überschlafe das, probiere Antworten im off, lösche, überarbeite etc. Alles rationale Vorgänge. Einer davon lautet so: Soll ich meiner Trägheit nachgeben oder bin ich es mir oder anderen schuldig, mich wieder einmal der Unbill anderer auszusetzen?
Dennoch denke ich, dass das, was am Ende das Zünglein an der Waage anzeigt und mich zum Handeln bringt, im allerstrengsten Sinne kein Akt der Freiheit ist.
Aber "Freiheit" ist ein schwieriges und sehr vieldimensionales Wort. Es bedeutet auf verschiedenen Definitionsebenen Verschiedenes. Darum kann man nicht einfach fragen: "Gibt es den freien Willen?", sondern man muss die Defintionsebene angeben, auf der man fragt.
Macht man sich einmal die Mühe und geht auch nur eine einzige Aktion, die man getätigt hat, rückwärts - also fragt sich, was sie ausgelöst hat -, dann kann man feststellen, dass es eine Kettenreaktion war. Wüsste man über alle Kettenglieder Bescheid, würde man vielleicht nicht mehr von Freiheit und Wahlmöglichkeit sprechen. Das ist aber rein psychologisch oder philosophisch.
Moralisch aber muss ich den Menschen und seinen Willen für frei erklären, weil ich sonst kein funktionsfähiges Gemeinschaftsleben akzeptieren könnte. Auf dieser Ebene macht es Sinn, zwischen Trieb und Willensakt zu unterscheiden, denn subjektiv wird dieser Unterschied auch empfunden. In der Regel weiß der Mensch, wann er rein triebhaft tut, was er gar nicht will.
Bezogen auf Dein Beispiel: ich kenne den Unterschied zwischen einer triebhaften Antwort - wie der Pawlowsche Hund, der sabbert, wenn irgendein Klingelzeichen ertönt - und der überlegten Antwort, die oft Tage dauert.
Ob dann im tiefsten psychologischen und philosophischen Sinn der Mensch die Wahl hat, rein triebhaft oder überlegt zu handeln - das eben ist eine Ebene, die sich von der genannten unterscheidet.
