15-12-2008, 02:11
Die 7 Todsünden sind, pointiert gesagt, nichts anderes als eine Spielerei mittelalterlicher Theologen. Korrekterweise gibt es nämlich nur schwere und lässliche Sünde, d.h. jene von denen man sagt, sie sind so schwer ,dass sie die Gemeinschaft mit Gott und der Kirche trennen bzw. nicht trennen.
Die alte Kirche kannte derer (schwere) nur drei: Mord, Ehebruch, Apostasie.
Wer eine dieser 3 Sünden beging, der war in den ersten Jahrhunderten aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen. Nach schweren theologischen Auseinandersetzungen (ob die Heiligkeit des Christenstandes einen Verlust der Gnade zu lassen und wenn ja, ob er erneut gewährt werden kann), die zu mehreren kleineren Schismen führte, gelangte man zu der Auffassung, dass jene die diese Sünden begangen haben, die Rekonziliation mit der Kirche gewährt werden könne und die Reuigen wieder am Gnadenleben der Kirche teilnehmen dürfen. Die sogeannte Rekonzilitaionsbeichte fand öffentlich vor dem Bischof statt, darauf folgte der Ausschluß aus der eucharistischen Gemeinschaft und eine Bußzeit von 1-5 oder mehr Jahren. Nach dieser wurde der Sünder mit der Gemeinschaft und Gott wiederversöhnt. Sie wurde nur 1 mal gewährt.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Beichte und auch das Verständnis von Sünde weiter. Duch die Seeleführung der irischen Mönche (sie missionierten Germanien), die täglich stattfand, gelangte man immer mehr zur Ohrenbeichte und zu einer regelmäßigen Buß- und Beichtpraxis. Dabei wurde auch das Verständnis schwerer Sünde neu gesehen. Man glaubte, dass nicht nur die 3 obengenannten Taten die Gemeinschaft mit Gott belasten, sondern letztlich jeder Gedanke, jedes Wort oder jede Tat, die aus freien Willen bewusst zur Übertretung eines göttlichen oder kirchlichen Gebotes begangen wurde. Sünden die nicht frei, oder bewusst waren, zählte man zu den lässligen, nicht-notwendigerweise beichtwürdigen.
Die Theologen des Mittelalter arbeiteten gerade bei der Bußpraxis viel mit Symbolen. Dies unteranderem, weil es so einfacher pädagogisch zu vermitteln war - man bedenke die meisten waren ungebildet. Also verfasste man Bußbücher (poenitentiale) und andere Lasterverzeichnisse und eine angemessene Bußform.
Man versuchte die Zahl der Laster auf eine prägnannte Zahl zu bringen und fand sie in der der Theologie beliebten 7:
superbia: Hochmut
avaritia: Habgier
luxuria: Genusssucht o. Wollust
ira: Zorn
gula: Völlerei
invidia: Neid
acedia: Trägheit
Wieso 7? Ganz einfach man setze sie den 7 Gaben des Heiligen Geistes entgegen.
Schon Augustinus beschreibt in de doctrina christiana wie man zu wissenschaftlicher Erkenntnis gelangt. Als sehr neoplatonisch geprägter Theologe vollzieht sich bei ihm Bildung und Sittlichkeit (beide hängen im Platonismus zusammen) in aufsteigender Form. Die septem artes liberales (7 Freien Künste), die die Grundlage antiker Bildung und Wissenschaftlichkeit waren, setzte er den 7 Gaben des Heiligen Geistes gleich. So christianisierte er heidnische Bildung und Sittlichkeit und bildete das Rückgrad für die mittelalterliche Philosophie und Theologie.
sapientia: Weisheit
intellectus: Verstand/Einsicht
ratio: Rat
fortitudo: Stärke
scientia: Erkenntnis/(heilige) Wissenschaft
pietas: Frömmigkeit
timor domini: Gottesfurcht
Getreu dem Schriftwort (Ps 110/11): Timor domini est initium sapientiae (Die Furcht Gottes ist der Anfang der Weisheit)!
Soweit ich weis, ist Heinrich Kaufringers Gedicht 'Von den sieben Todsünden und den sieben Gaben des Heiligen Geistes' eine der bekanntesten Gegenüberstellungen.
Soweit eine kurze Darstellung.
Die alte Kirche kannte derer (schwere) nur drei: Mord, Ehebruch, Apostasie.
Wer eine dieser 3 Sünden beging, der war in den ersten Jahrhunderten aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen. Nach schweren theologischen Auseinandersetzungen (ob die Heiligkeit des Christenstandes einen Verlust der Gnade zu lassen und wenn ja, ob er erneut gewährt werden kann), die zu mehreren kleineren Schismen führte, gelangte man zu der Auffassung, dass jene die diese Sünden begangen haben, die Rekonziliation mit der Kirche gewährt werden könne und die Reuigen wieder am Gnadenleben der Kirche teilnehmen dürfen. Die sogeannte Rekonzilitaionsbeichte fand öffentlich vor dem Bischof statt, darauf folgte der Ausschluß aus der eucharistischen Gemeinschaft und eine Bußzeit von 1-5 oder mehr Jahren. Nach dieser wurde der Sünder mit der Gemeinschaft und Gott wiederversöhnt. Sie wurde nur 1 mal gewährt.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Beichte und auch das Verständnis von Sünde weiter. Duch die Seeleführung der irischen Mönche (sie missionierten Germanien), die täglich stattfand, gelangte man immer mehr zur Ohrenbeichte und zu einer regelmäßigen Buß- und Beichtpraxis. Dabei wurde auch das Verständnis schwerer Sünde neu gesehen. Man glaubte, dass nicht nur die 3 obengenannten Taten die Gemeinschaft mit Gott belasten, sondern letztlich jeder Gedanke, jedes Wort oder jede Tat, die aus freien Willen bewusst zur Übertretung eines göttlichen oder kirchlichen Gebotes begangen wurde. Sünden die nicht frei, oder bewusst waren, zählte man zu den lässligen, nicht-notwendigerweise beichtwürdigen.
Die Theologen des Mittelalter arbeiteten gerade bei der Bußpraxis viel mit Symbolen. Dies unteranderem, weil es so einfacher pädagogisch zu vermitteln war - man bedenke die meisten waren ungebildet. Also verfasste man Bußbücher (poenitentiale) und andere Lasterverzeichnisse und eine angemessene Bußform.
Man versuchte die Zahl der Laster auf eine prägnannte Zahl zu bringen und fand sie in der der Theologie beliebten 7:
superbia: Hochmut
avaritia: Habgier
luxuria: Genusssucht o. Wollust
ira: Zorn
gula: Völlerei
invidia: Neid
acedia: Trägheit
Wieso 7? Ganz einfach man setze sie den 7 Gaben des Heiligen Geistes entgegen.
Schon Augustinus beschreibt in de doctrina christiana wie man zu wissenschaftlicher Erkenntnis gelangt. Als sehr neoplatonisch geprägter Theologe vollzieht sich bei ihm Bildung und Sittlichkeit (beide hängen im Platonismus zusammen) in aufsteigender Form. Die septem artes liberales (7 Freien Künste), die die Grundlage antiker Bildung und Wissenschaftlichkeit waren, setzte er den 7 Gaben des Heiligen Geistes gleich. So christianisierte er heidnische Bildung und Sittlichkeit und bildete das Rückgrad für die mittelalterliche Philosophie und Theologie.
sapientia: Weisheit
intellectus: Verstand/Einsicht
ratio: Rat
fortitudo: Stärke
scientia: Erkenntnis/(heilige) Wissenschaft
pietas: Frömmigkeit
timor domini: Gottesfurcht
Getreu dem Schriftwort (Ps 110/11): Timor domini est initium sapientiae (Die Furcht Gottes ist der Anfang der Weisheit)!
Soweit ich weis, ist Heinrich Kaufringers Gedicht 'Von den sieben Todsünden und den sieben Gaben des Heiligen Geistes' eine der bekanntesten Gegenüberstellungen.
Soweit eine kurze Darstellung.
Omnis mundi creatura quasi liber et pictura nobis est et speculum.
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Jedes Geschöpf der Welt ist sozusagen ein Buch und Bild und ein Spiegel für uns.
(Alanus ab Insulis, Theologe, Philosoph und Dichter)
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Jedes Geschöpf der Welt ist sozusagen ein Buch und Bild und ein Spiegel für uns.
(Alanus ab Insulis, Theologe, Philosoph und Dichter)

