15-08-2003, 13:04
Georg. schrieb:Zwar können die Theologen nur jene Aspekte von Gottes Wesen ergründen, die sich a) aus Seinem Wirken (Schöpfung und andere) und b) aus Seiner Offenbarung erkennen lassen. Solange sich aber die Theologen dieser fundamentalen Einschränkung ihres Arbeitsfeldes bewusst bleiben, ist da nichts Widersprüchliches dabei. Ein Wissensgebiet nicht zu bearbeiten, weil a priori feststeht, dass man es nicht lückenlos erforschen kann (gibt es überhaupt irgendein solches Gebiet? Mathematik? - Primzahlen...) ist doch auch keine sinnvolle Strategie!In der Wissenschaft liegen die Grenzen meist darin, dass unsere Technik noch beschränkt ist. Niemand kann aber mit Gewissheit ausschließen, dass wir mal alles lückenlos erforschen können. Theologen bleiben aber immer begrenzt.
Wie offenbahrt sich Gott denn?
Georg. schrieb:Der Papst hat sich für menschliche Fehler entschuldigt, nicht für theologische Irrtümer.Und das noch nicht mal in zufriedenstellender Art. Allerdings haben die Päpste auch stets behauptet, sie handelten in Gottes Auftrag. Immerhin sind sie ja dessen Stellvertreter auf Erden.
Georg. schrieb:Wer behauptet, dass Gott jedem etwas anderes sagt? Ich behaupte, Gott sagt allen das gleiche, aber die Menschen verstehen es nicht gleich gut.Nuschelt Gott? Ein allmächtiges Wesen, dass sich nicht verständlich mitteilen kann?
Georg. schrieb:Nein, das ist Vermuten. Glauben (in der Bedeutung, die der Begriff im Zusammenhang mit religiösen Themen hat) ist weder vermuten noch verstehen, sondern erkennen und das Erkannte akzeptieren.Glauben ist nicht erkennen. Glauben ist etwas einfach so hinnehmen, ohne es zu überprüfen.
Georg. schrieb:Wenn es unendlich viele Universen gäbe, muss es unendlich viele Universen wie das unsere geben (es sei denn, das unsere wäre unendlich).Ich wollte ja nur sagen, dass unser Universum gezwungenermaßen existieren muss. Unser Universum ist aber nachweislich nicht unendlich.
Georg. schrieb:Dann stellt sich mir die Frage, wieso sich die unendlich vielen Universen unterscheiden, und wenn die Antwort darauf "chaotische Variation" ist, dann frage ich mich, warum es in einem System, das auf Chaos aufbaut, in einem Subsystem wie unserem Universum ordnende Naturgesetze entstehen können.Die anderen würden sich darin unterscheiden, dass darin eine vollkommen andere Physik herrscht. Bei unendlich vielen Universen gäbe es alle möglichen Kombinationen. Das hat nichts mit Chaos zu tun, das ist einfach statistische Wahrscheinlichkeit.
Was spiele mit dem Chaos angeht: Programmier mal ein paar kleine Raupen darauf so lange wild durch die Gegend zu fahren, bis sie 3 Teelichter vor ihrem Schieber haben. Danach sollen sie zurücksetzen und in irgendeine zufällige Richtung weiterfahren. Du wirst sehen, am Ende sind alle Teelichter auf einem Haufen.
Worauf ich hinaus will: Chaos und Ordnung schließen sich nicht aus.
Georg. schrieb:Nun, als Denkspielerei finde ich das alles recht spaßig. Auf die existenziellen Fragen, die der Mensch hat - und warum stellt sich der Mensch diese Fragen bloss? Welcher ungeschaffene und ungewollte Mechanismus bringt den Menschen dazu, sich zu fragen, warum es ihn gibt? - gibt das Multiversum keine Antwort, es hebt die Frage bloss eine Ebene höher und tut so, als hätte es die Frage damit obsolet gemacht. Das nenne ich Verdrängung.Religion ist auch nur eine Lösung, die die Menschen geschaffen haben, weil sie ihnen das darüber Nachdenken abnimmt. Wahr wird ein Gott deshalb noch lange nicht. Warum sollte ein Schöpfer einen Mechanismus entwickeln, der sein Geschöpf dazu bringt darüber nachzudenken?
Grüße,
Georg
Der Mensch ist ein Ursachentier, während die meisten anderen Tiere Wirkungstiere sind. Stell dir einen Raum vor, in dem ein Mensch und eine Katze auf einem Sofa sitzen. Auf einmal rollt ein Ball zur Türe herein. Was passiert? Die Katze wird dem Ball nachlaufen. Der Mensch wird durch die Türe schauen, wer den Ball hereingerollt hat. Das ist der Unterschied. Es war für den Menschen in seiner Evolution ein - wenn nicht sogar der entsceidende Vorteil, als er gelernt hat, den Dingen auf den Grund zu gehen. Dies kann schon ganz banale Ursachen gehabt haben. Viele Tiere benutzen Köder, um andere Tiere zu erlegen, oder sie versuchen diese zu täuschen. Wenn nun ein Wesen lernt, sich nicht ködern oder täuschen zu lassen, so ist dies doch ein sehr entscheidender Vorteil. Findest du nicht?
Weil aber nun der Mensch den Dingen auf den Grund geht, fragt er sich auch woher er kommt und weshalb er lebt. Nicht alles muss aber einen Grund haben. Das können selbst Theologen nicht abstreiten. Wenn sie fragen, weshalb der Mensch denn existiere, müssen sie sich auch fragen, weshalb denn Gott existiere. Wenn sie dann sagen, Gott existiert seiner selbst Willen, warum darf dies dann nicht auch für das Universum gelten?
lg, Spock
