13-06-2009, 01:27
TEIL 2
Die Debatte ist nicht durch einen Zirkel eingeführt worden. Aber ich denke, dass wir das noch klären können.
Was F. unter „unendlich“ versteht, ist wirklich erst zu klären.
Im übrigen: Es gibt niemals „eindeutige Erkenntnisse der Experimentatoren“. Schon gar nicht, wenn die Psyche der Menschen untersucht wird.
Auf jeden Fall spricht F. nie vom Weltall. Das ist nicht sein Thema, darüber macht er keine Aussagen.
Er bezieht „unendlich“ – ein wirklich schwieriger Begriff bei F., den man auf Grund seiner Vorgaben deuten muss – auf die Gattung.
Das wird aber noch sehr viel deutlicher erklärt im nächsten Kapitel (glaube ich).
Ich stelle als Fragestellung auf:
Was versteht F. unter „unendlich?
Daran hab ich mir als Student des zweiten Semesters (vor „etwas längerer Zeit …“) – ich hatte damals über „Das Wesen des Christentums“ eine Seminararbeit“ geschrieben - mir auch den Kopf heißgeknobelt.
Zunächst einmal steckt hinter diesem Text – der tatsächlich zentral lst für die Gesamtarugmentation F.’s – der Gedanke, dass das Wort „beschränkt“ oder „endlich“ nur dann einen Sinn macht, wenn das Gegenteil davon vorhanden ist.
Begriffe brauchen immer ihren Gegenpart, sonst sind sie sinnlos. Wenn es nur „weiß“ gibt und nicht „nicht-weiß“, ist alles ununterschieden in der Farbe. Es macht keinen Sinn, das Wort „weiß“ zu prägen, wenn es nichts gibt, das nicht „weiß“ ist.
Darum kann ich nur dann etwas als „beschränkt“ auffassen, wenn ich es abhebe von „nicht-beschränkt“. Ich muss mir also auch von letzterem eine Vorstellung machen, wenn ich ersteres sinnvoll einsetzen will.
Das ist aber natürlich noch nicht die ganze Erklärung.
Ein Postulat allerdings sehe ich – bislang – noch nicht. Oder doch?
Jedenfalls noch nicht bezüglich des Begriffes „unendlich“.
Bezogen auf die scheinbare Beschränkung aber liegt da schon ein Fortschirttsgedanke drin.
Das hebt wohl schwer ab gegen den klassischen deutschen Idalismus: die Grenzen der Menschen sind die Grenzen der Menschheit, da kann man nichts gegen tun.
Feuerbach zeigt als erster - nach ihm Marx, nach Marx Georg Lukacz, auch Adorno etc, bis hin zur modernen Anthopologie – dass das, was der Menschen als seine persönlichen Grenzen wahrnimmt, eingeredet ist.
Das gilt sogar nicht nur für das Indivdiuum, sondern auch für das Menschsein an sich. Gerade das Christentum redet dem Menschen ja ohne Ende ein, dass er begrnzt und unfähig ist.
Das ist aber eher etwas, was aus Feuerbach folgt, er selber vielleicht nicht hauptsächlich thematisiert hat.
Ekkards Beispiele, wie man seine „Schranken“ immer weiter nach vorne versetzt – neuen Raum gewinnt – sind da ja in gleichen Sinn.
Schwerer wird noch zu klären sein, wie genau das Individuum als Gattung – also der Einzelmensch als Mensch überhaupt – nach F. nicht beschränkt ist.
Vielleicht hilft der Gedanke der Liebe – den f. irgendwo auch ausführlich erläutert.
In einem gewissen Sinne wird durch den geliebten Menschen – auch durch das geliebte Tier übrignes – die Ichschranke aufgeweicht.
Liebe kann durchaus als „Vollkommenheit“ empfunden werden – wenn vielleicht auch nur in wenigen Sekunden. Sogar die körperliche Liebe kann einen auf solche Ideen bringen.
Es gibt also laut F.das Doppelte:
Beschänkt ist der Mensch, wenn es sich nur als Individuum wahrnimmt, also nicht als Teil der Gesamtgattung.
Nimmt der Mensch sich in seinem ganzen Wesen wahr – also eben als Teil der Gesamtgattung – kann er nicht anders als die Vollkommenheit wahrnehmen.
Über dieser ganze Wesen aber kommt er nicht hinaus.
Die Einleitung besteht aus zwei Kapiteln:
Das Wesen des Menschen im allgemeinen
Das Wesen der Religion im allgemeinen
Bisher habe ich nur Zitate aus dem ersten Kapitel gezogen.
Das Gleiche für das zweite Kapitel mache ich demnächst.
Ekkard schrieb:Da aber „Wesen des Menschen“ nur durch einen Zirkel in die Debatte eingefügt wurde, wird jetzt der Begriff „Bewusstsein“ in diesen Zirkel eingebunden.
Die Debatte ist nicht durch einen Zirkel eingeführt worden. Aber ich denke, dass wir das noch klären können.
Ekkard schrieb:[*] Das Unendliche und das Bewusstsein des Unendlichen:
Ludwig Feuerbach schrieb:Das Wesen des Menschen im Unterschied vom Tiere ist nicht nur der Grund, sondern auch der Gegenstand der Religion. Aber die Religion ist das Bewußtsein des Unendlichen; sie ist also und kann nichts andres sein als das Bewußtsein des Menschen von seinem, und zwar nicht endlichen, beschränkten, sondern unendlichen Wesen. Ein wirklich endliches Wesen hat nicht die entfernteste Ahnung, geschweige ein Bewußtsein von einem unendlichen Wesen, denn die Schranke des Wesens ist auch die Schranke des Bewußtseins.Nach F. ist das Wesen des Menschen unendlich. Wir Menschen sind aber „wirklich endliche Wesen“. Wir sind so beschränkt auf die so genannte Mittelwelt, dass wir uns alles, was darüber hinaus reicht in den Mikro- wie in den Makrokosmos nicht wirklich vorstellen können. Dazu gibt es eindeutige Erkenntnisse der Experimentatoren.
Was F. unter „unendlich“ versteht, ist wirklich erst zu klären.
Im übrigen: Es gibt niemals „eindeutige Erkenntnisse der Experimentatoren“. Schon gar nicht, wenn die Psyche der Menschen untersucht wird.
Auf jeden Fall spricht F. nie vom Weltall. Das ist nicht sein Thema, darüber macht er keine Aussagen.
Er bezieht „unendlich“ – ein wirklich schwieriger Begriff bei F., den man auf Grund seiner Vorgaben deuten muss – auf die Gattung.
Das wird aber noch sehr viel deutlicher erklärt im nächsten Kapitel (glaube ich).
Ich stelle als Fragestellung auf:
Was versteht F. unter „unendlich?
Ekkard schrieb:Ludwig Feuerbach schrieb:Es ist aber unmöglich, daß wir uns des Willens, des Gefühls, der Vernunft als endlicher Kräfte bewußt werden, weil jede Vollkommenheit, jede Kraft und Wesenheit die unmittelbare Bewahrheitung und Bekräftigung ihrer selbst ist.Könnte mir das jemand erläutern?
Daran hab ich mir als Student des zweiten Semesters (vor „etwas längerer Zeit …“) – ich hatte damals über „Das Wesen des Christentums“ eine Seminararbeit“ geschrieben - mir auch den Kopf heißgeknobelt.
Ekkard schrieb:Ludwig Feuerbach schrieb:Jede Beschränkung der Vernunft oder überhaupt des Wesens des Men-schen beruht auf einer Täuschung, einem Irrtum. … (Das Individuum) kann sich seiner Schranken, seiner Endlichkeit nur bewußt werden, weil ihm die Vollkommenheit, die Unendlichkeit der Gattung Gegenstand ist, sei es nun als Gegenstand des Gefühls oder des Gewissens oder des denkenden Bewußtseins. Macht es gleichwohl seine Schranken zu Schranken der Gattung, so beruht dies auf der Täuschung, daß es sich für eins mit der Gattung hält – eine Täuschung, die mit der Bequemlichkeitsliebe, Trägheit, Eitelkeit und Selbstsucht des Individuums aufs innigste zusammenhängt. Eine Schranke nämlich, die ich bloß als meine Schranke weiß, demütigt, beschämt und beunruhigt mich. Um mich daher von diesem Schamgefühl, von dieser Unruhe zu befreien, mache ich die Schranken meiner Individualität zu Schranken des menschlichen Wesens selbst. …Steckt hinter diesem schwer verständlichen Text ein Postulat, nämlich offensichtliche Beschränktheiten unserer Vorstellung (was experimentell erwiesen ist) durch vernunftgemäße Abbildungen (siehe oben) zu überwinden? (was ja auch tatsächlich geschieht).
Zunächst einmal steckt hinter diesem Text – der tatsächlich zentral lst für die Gesamtarugmentation F.’s – der Gedanke, dass das Wort „beschränkt“ oder „endlich“ nur dann einen Sinn macht, wenn das Gegenteil davon vorhanden ist.
Begriffe brauchen immer ihren Gegenpart, sonst sind sie sinnlos. Wenn es nur „weiß“ gibt und nicht „nicht-weiß“, ist alles ununterschieden in der Farbe. Es macht keinen Sinn, das Wort „weiß“ zu prägen, wenn es nichts gibt, das nicht „weiß“ ist.
Darum kann ich nur dann etwas als „beschränkt“ auffassen, wenn ich es abhebe von „nicht-beschränkt“. Ich muss mir also auch von letzterem eine Vorstellung machen, wenn ich ersteres sinnvoll einsetzen will.
Das ist aber natürlich noch nicht die ganze Erklärung.
Ein Postulat allerdings sehe ich – bislang – noch nicht. Oder doch?
Jedenfalls noch nicht bezüglich des Begriffes „unendlich“.
Bezogen auf die scheinbare Beschränkung aber liegt da schon ein Fortschirttsgedanke drin.
Das hebt wohl schwer ab gegen den klassischen deutschen Idalismus: die Grenzen der Menschen sind die Grenzen der Menschheit, da kann man nichts gegen tun.
Feuerbach zeigt als erster - nach ihm Marx, nach Marx Georg Lukacz, auch Adorno etc, bis hin zur modernen Anthopologie – dass das, was der Menschen als seine persönlichen Grenzen wahrnimmt, eingeredet ist.
Das gilt sogar nicht nur für das Indivdiuum, sondern auch für das Menschsein an sich. Gerade das Christentum redet dem Menschen ja ohne Ende ein, dass er begrnzt und unfähig ist.
Das ist aber eher etwas, was aus Feuerbach folgt, er selber vielleicht nicht hauptsächlich thematisiert hat.
Ekkards Beispiele, wie man seine „Schranken“ immer weiter nach vorne versetzt – neuen Raum gewinnt – sind da ja in gleichen Sinn.
Schwerer wird noch zu klären sein, wie genau das Individuum als Gattung – also der Einzelmensch als Mensch überhaupt – nach F. nicht beschränkt ist.
Vielleicht hilft der Gedanke der Liebe – den f. irgendwo auch ausführlich erläutert.
In einem gewissen Sinne wird durch den geliebten Menschen – auch durch das geliebte Tier übrignes – die Ichschranke aufgeweicht.
Liebe kann durchaus als „Vollkommenheit“ empfunden werden – wenn vielleicht auch nur in wenigen Sekunden. Sogar die körperliche Liebe kann einen auf solche Ideen bringen.
Es gibt also laut F.das Doppelte:
Beschänkt ist der Mensch, wenn es sich nur als Individuum wahrnimmt, also nicht als Teil der Gesamtgattung.
Nimmt der Mensch sich in seinem ganzen Wesen wahr – also eben als Teil der Gesamtgattung – kann er nicht anders als die Vollkommenheit wahrnehmen.
Über dieser ganze Wesen aber kommt er nicht hinaus.
*Ekkard’ schrieb:Liefert die Einleitung etwas Tragfähiges über Religion?
Die Einleitung besteht aus zwei Kapiteln:
Das Wesen des Menschen im allgemeinen
Das Wesen der Religion im allgemeinen
Bisher habe ich nur Zitate aus dem ersten Kapitel gezogen.
Das Gleiche für das zweite Kapitel mache ich demnächst.
