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Theologie
#7
humanist schrieb:Ist eine Wissenschaft von der Lehre über Gott überhaupt eine Wissenschaft? Wie ich in einem Thread in diesem Bereich bereits schrieb, ist sie das nicht.

Würdest du uns, wo du doch diesen Thread eigens für die Diskussion über die Theologie eröffnet hast, auch hier deine Argumentation aufzeigen. Die Aussage, ich habe irgendwann einmal irgendwo geschrieben Theologie sei keine Wissenschaft ist nicht nur nicht nachvollziehbar, sondern auch ein unbewiesenes Postulat. Mehr nicht!

humanist schrieb:Warum gibt es dann keine Wissenschaft über Fabelwesen wie Kobolde, Einhörner und Werwölfe?
Das wäre nur fair.

Sehr witzig. Ich jedenfalls kene keine wissenschaftlichen Abhandlungen über diese Fabelwesen als reele Wesen. Über das Christentum, die Kirche über Gott und das Göttliche aber sehr wohl. Du selbst zitierst Nicolaus Cusanus. Seine mathematischen, als auch theologischen Prinzipien und Überlegungen sind jedenfalls mehr als Hirngespinste über Fabelwesen, sondern methodische exakte Reflexionen nach wissenschaftlichen Standarts (seiner Zeit). Nicht anders heute. Wenn du über den Gegenstand und die Methode der Theologie in Unkenntnis bist, so empfehle ich dir folgende Einführung in die Theologie:

Raffelt, Albert:"Theologie studieren. Einführung ins wissenschaftliche Arbeiten.", 7. Aufl., Freiburg 2008

humanist schrieb:Besteht ihr Wesen und ihre Aufgabe nicht in Wahrheit darin (wie bereits ergründet in der Praxis), über die Bibel zu sinieren,...

Die biblische Disziplinen bilden nur einen, wenn auch wichtigen Teil der Theologie. Andere Disziplinen sind Fudamentaltheologie, Moraltheologie, Dogmatik, Ethik, christliche Antrophologie, Religionspädagogik, Kirchengeschichte, Liturgiewissenschaft, Pastoraltheologie und Kirchenrecht. Auch die Philosophie hat einen zentralen Stellenwert innerhalb des theologischen Studiums. Theologie ist als schon etwas mehr als nur über die Bibel zu sinieren!


humanist schrieb:...Pfaffen auszubilden, Arbeitsplätze für Theologen zu schaffen etc.


Mal nicht so despektierlich. Immerhin wird die Theologie länger an den Universitäten gelehrt als jede andere Disziplin. Sie gehört mit der Medizin, der Jurisprudenz und der Artes-Fakultät zu den ältesten universitären Disziplinen. Ohne die kirchliche Institution der Universität hätte sich nie eine hochschulfähige Wissenschaftlichkeit entwickelt. Die Kathedralschulen sind hierfür die geistesgeschichtliche Voraussetzung als Orte der Wissensvermittlung und des Studiums.

humanist schrieb:Warum Theologie nicht von der Kirche finanziert wird, obwohl es ganz klar ihr Interessensgebiet ist, ist mir unklar.

Weil der Staat im Zuge der Säkularisation den Kirchen die Hoheit über die meisten Universitäten entzogen hat. Paris, Bologna, Heidelberg, Oxford, Padua und Montpellier sind alles kirchliche Gründungen. Da die Staaten diese und andere übernommen haben, haben sie gleichzeitig auch die Disziplin der Theologie mitübernommen, die seit jeher dort gelehrt werden. Die Theologie wird jedoch nicht überall und in jedem Land vom Staate finanziert. Die meisten theologischen Hochschulen, Akademien und Athenen sind weltweit in kirchlichen Besitz und werden durch die örtlichen Diözesen und Spenden finanziert. So sind z.B. die sieben päpstlichen Universitäten und das eine päpstliche Atheneum in Rom alle samt durch den Heiligen Stuhl oder durch kirchliche Orden getragen.
In Deutschland hat der Staat in den Konkordaten anerkannt, dass er, da er nun die Hoheit über die Universitäten hat, eine Lehrgarantie für die Theologie übernimmt. Dies ist eines der Recht das man der Kirche als Zugeständnis der Enteignungen der Säkularisation zu gesteht.

humanist schrieb:Ersteinmal es gibt keine "christliche Gesellschaft" mehr. Gott sei Dank schreitet die Säkularisierung (Dank des Engagements sekulärer Vereine)
immer weiter voran. Religiosität lässt auch stark nach, wie sich anhand von Studien belegen lässt.

Wo hast du das denn her? Das Christentum ist eine wachsende Religion. Sie ist mit über 2 Milliarden Gläubigen die größte Religion und hat einen Anteil von mehr als 30% an der Weltbevölkerung. Die lateinamerikanischen Staaten, aber auch Nordamerika, einige afrikanische Staaten und auch in Europa immer noch die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zum christlichen Glauben. Deine These des Glaubensschwundes lässt sich allenfalls für die westeuropäischen und einge ehemalige Ostblockstaaten konstatieren. Polen, Russland, Griechenland, Rumänien, Litauen usw. können bisher in diese Rechnung nicht wirklich aufgenommen werden. Zwar sind auch diese Staaten durchaus säkular der Verfassung nach, aber es sind alles christlichen Gesellschaften. Es gibt mehr christliche Gesellschaften als du glaubst auf dieser Welt.

humanist schrieb:Einen Atheisten interessiert die religiöse Vergangenheit Deutschlands herzlich wenig.

Eine derartige Kultur- und Geschichtsignoranz hab ich schon lange nicht mehr gehört!


humanist schrieb:
(10-10-2009, 15:38)Alanus ab Insulis schrieb:
(10-10-2009, 14:48)humanist schrieb: 2. Warum muss man die Bibel deuten? Sind die Texte nicht eindeutig zu verstehen?

Texte müssen grundsätzlich gedeutet werden. So muss z.B. auch das Grundgesetz vom BVerfG gedeutet werden und in strittigen Fällen entscheiden was verfassungskonform und was verfassungswidrig ist. Selbst offenkundig klare Texte, werden also im Zusammenhang von neuen Umständen uneindeutig und bedürfen dann nicht nur einer Deutung, sondern einer ausgiebigen Interpretation.
Nicht anders ist es mit der Bibel. Sie enthält eindeutigere Texte und weniger eindeutige Texte. Alle bedürfen sie der Auslegung und Bewertung. Wie sieht diese aus, diese Auslegung und Bewertung. Dazu gehört das wissen um die Texte. In welcher Sprache wurden sie verfasst, liegen sie in mehereren Varianten vor oder mehreren Sprachen? Welche Redaktionsschichten lassen sich erkennen? Existieren unterschiedliche theologische Muster und wie sind sie miteinander verbunden? In welchen historischen Umständen sind die Texte enstanden, in welcher Kultur? Welche Stil- und Sprachelemente verwendet der Text, sind Metaphern, Bilder oder Allegorien heute unverständlich? Wie haben sich die Texte auf die Geschichte und die Kultur ausgeprägt, usw. Das sind nur einige Fragen, die man zu berücksichtigen hat, will man sich mit biblischen Texten auseinandersetzen. Gleiches gilt aber auch allgemein auch für die profane Literatur. Die Ilias Homers oder der bellum gallicum Caesars müssen nicht weniger interpretiert werden, als die biblischen Bücher.

Wenn Texte eindeutig sind, müssen sie nicht gedeutet werden. Warum hat sich Gott da nicht mehr Mühe gegeben (gut wir wissen ja, dass nicht Gott der Verfasser war)?
Gesetzestexte werden lediglich allgemein gehalten, um möglichst viele Sonderfälle abzudecken.

Warum gehst du auf meinen Beitrag und meine Argumentationsführung nicht ein. Man kann es sich natürlich einfach machen und uneindeutige Texte, vor allem religöser Provenienz, als unverstehbar abstemmpeln und jede Interpretation als Willkür diffamieren. Auch auf meine Hinweise, das Gesetze und andere Schriften, ich nannte Ilias und de bello gallico, meine aber eigentlich jegliche Form von Literatur, auch interpretiert werden müssen gehst du nicht ein. Dein Hinweis zur Allgemeinheit von Gesetzestexten tut zur Debatte um die Notwendigkeit der Interpretations nichts hinzu. Gesetze bedürfen der Auslegung. Hüter und letztverbindliche Institution der Interpretation und des Gesetzesinnes sind die Gerichte. Die Anwendung ein und desselben Gesetzes auf verschiedene Fälle bildet ein Beispiel par excellence für die Notwendigkeit der Interpretation.
Falls dir jedoch das Wissen um die Notwendigkeit von Textverständnis und Interpretation und die Disziplin der Hermeneutik fehlt, gebe ich dir hier einen Buchtipp:

Grondin, Jean: "Der Sinn für Hermeneutik.", Darmstadt 1994
Grodin, Jean: "Einführung in die philosophische Hermeneutik.", Darmstadt 2001


humanist schrieb:
(10-10-2009, 15:38)Alanus ab Insulis schrieb:
(10-10-2009, 14:48)humanist schrieb: 3. Muss man die Text nicht so lesen, wie sie niedergeschrieben sind? Verfälscht Deutung nicht zwangsläufig den Inhalt?

Lesen selbst ist schon Deutung. Texte sind letztlich nichts anderes als Zeichenkombinationen aus Buchstaben. Wer die Zeichen (Buchstaben) nicht kennt, kann auch die Zeichen nicht deuten und sie nicht lesen. Wörter und Sätze will man sie lesen, müssen auch gedeutet werden. Was ist die Bedeutung des Wortes oder hat es gar mehrere? Wenn ja, welche ist hier gemeint? Was ist der Sinn des Satzes oder hat er gar mehrfache Sinnansätze? Ist der Satz vlt. alleinstehend unverständlich und wird erst im Kontext von mehreren Sätzen oder Abschnitten deutlich? Diese Fragen scheinen für uns selbstverständlich zum Lesen dazuzugehören, zeigen aber, das Lesen immer auch deuten und interpretieren ist. Verfälschungen oder Fehler gibt es dann dort, wo die Deutung keine oder eine falsche Bewertung des Textes ist.

Da liegt doch das Problem. Jeder deutet dieses Wirrwar anders. So wie es ihm beliebt. Gerade weil es alles andere als eindeutig ist.


Wieder gibst du keine ernsthafte Antwort auf meine Hinweise zur Problematik des Lesens und Verstehens von Texten. Buchtipps habe ich dir ja schon oben gegeben. Bevor du Interpretation und Texthermeneutik als Wirrwar und Beliebigkeit abtust, solltest du dich vlt. erstmal mit der Thematik auseinandersetzen.
Omnis mundi creatura quasi liber et pictura nobis est et speculum.
-
Jedes Geschöpf der Welt ist sozusagen ein Buch und Bild und ein Spiegel für uns.
(Alanus ab Insulis, Theologe, Philosoph und Dichter)


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