11-10-2009, 20:46
(11-10-2009, 17:58)Lhiannon schrieb: Aber auch Theologie beschreibt Verhaltensweisen und Produkte des Denkens und Verhaltens. Theologie beschäftigt sich doch nicht nur mit dem Übernatürlichen, sondern auch mit historischen und modernen Schriften zum Übernatürlichen, mit der Geschichte der Menschheit, die ohne die Betrachtung des Glaubens unvollständig wäre und mit Psychologie, Soziologie.
Soziologische, psychologische, kulturelle oder historische Untersuchungen über Herkunft, Beschaffenheit und Auswirkungen religiöser Vorstellungen hat ja auch niemand als unwissenschaftlich kritisiert. Das ist aber etwas völlig anderes als Theologie.
(11-10-2009, 17:58)Lhiannon schrieb: Sie beschreibt Phänomene, wie z.B. extrem selbstloses Handeln, extrem umfassende Zuneigung und großes Mitleid, welche im atheistischen Kontext nicht erklärt werden können. Allein die verlustreiche Entwicklung des Menschen, die Eroberung der Welt, wäre anders verlaufen ohne eine Vorstellung vom Leben nach dem Tod.
Das sind so bekannte wie gängige Kolportagen, die allerdings einer genaueren Betrachtung nicht standhalten:
Sofern menschliches Handeln "bewusst" stattfindet, muss es motivert werden. Eine Motivation für menschliches Handeln ist aber ausschließlich unter Rückgriff auf das Wohl und Wehe des jeweiligen Egos möglich, weshalb wirklich "selbstloses" Handeln, wenn überhaupt, dann nur als unbewusstes Reflexhandeln denkbar ist. Das hat mit dem weltanschaulichen erst mal gar nichts zu tun.
Und was das Mitleid angeht, so setzt dieses, sofern es bewusster Reflexion enstpringt, ein Menschenbild vorauss, welches viel eher das Ergebnis einer nüchternen, naturalistischen Betrachtung der Welt sein kann als die Folge religiöser Glaubenssätze. Am ehesten vermag dies vielleicht noch der Buddhismus - auf keinen Fall aber die drei "großen" semitischen Religionen (Judentum, Christentum/Islam).
Und die Aussage, dass Zuneigung "nicht im atheistischen Kontext erklärt werden" könne, kannst du unmöglich ernst meinen...
(11-10-2009, 17:58)Lhiannon schrieb: Beispiel: Menschen handeln nun mal anders und oft selbstloser und risikofreudiger wenn sie an ein Leben nach dem Tod glauben.
Erkennst du den inhaltlichen Widerspruch in dieser Aussage nicht selbst? Wenn ich an ein Leben nach dem Tod glaube oder gar noch, dort "belohnt" zu werden, was soll das dann mit wirklicher "Risikofreudigkeit" oder gar "Selbstlosigkeit" zu tun haben?
Und das dergleichen Motivationen grundsätzlich etwas so Tolles wären, kann angesichts von Kreuzügen und Selbstmordterror niemand ernsthaft behaupten!
(11-10-2009, 17:58)Lhiannon schrieb: Wenn Theologie wirklich Gott beschreiben könnte, dann wäre das ein Knüller!
Mir ist keine Theologie bekannt, die nicht haargenau das unternimmt...

