22-07-2010, 10:11
Lieber Melmoth.
Also, es ist NICHT so, dass ich 24 Stunden am Tag an mein Ableben denke. Aber das Thema ist präsenter als vor meiner Krankheit. Bei mir gab es ja eine akute Bedrohung von ca. 4 Stunden, in denen wirklich nicht klar war, ob ich den nächsten Atemzug noch schaffen werde, oder ob es der letzte sein würde, und ich war mir dessen voll bewusst. Danach kamen 3-5 Wochen, in denen nicht klar war, ob die Ärzte und ich es schaffen, dass ich überlebe. Die Situation war lebensbedrohlich, aber nur mehr akut lebensbedrohlich wie in den 4 Stunden. Das alles hat enorme Ängste und Sorgen ausgelöst, und es hat mich sehr geprägt. Aber ich muss auch sagen, dass noch in der akuten Phase ein Gefühl des Sch**ssegal aufkam. Da dachte ich nur "Na, wenn's jetzt zuende geht, soll's sein, ich habe für diese Angst keine Kraft mehr". Kann sein, dass das "Gelassenheit" war oder "Resignation" oder einfach totale Erschöpfung. Ich weiss es nicht mehr. Aber es ist jetzt auch egal. Auf jedenfalls liess dann auch die latente Angst etwas nach.
Aber um auf Deine Frage zu antworten: Ja, das Thema war dann einfach da. Nach den 3-5 Wochen und 4 Stunden brauchte ich da nichts bewusst zum Thema machen, es "war da".
Lieben Gruss!
DE
(21-07-2010, 21:15)Melmoth schrieb: Aber wenn ich dich richtig verstanden habe, ist ja auch dieses Ignorierenkönnen im Alltag bei dir nicht gegeben. Ob es das für einen besser oder schlechter macht, sich dem bewusst stellen zu müssen als es irgendwo als ständiges, aber dafür meist dumpfes Bedrohtheitsgefühl im "Hintergrund" laufen zu haben, mag ich nicht einschätzen, aber aussuchen kann man sich das ja wahrscheinlich eh nicht... oder? Hat sich das bei dir von selbst so ergeben, dass der Tod nach deiner Krankheit für dich zum bewussten Thema wurde oder hast du dir das Thema doch irgendwie gepackt, weil du dich dem stellen wolltest statt einfach zu warten bis es dich wieder einholt?
Also, es ist NICHT so, dass ich 24 Stunden am Tag an mein Ableben denke. Aber das Thema ist präsenter als vor meiner Krankheit. Bei mir gab es ja eine akute Bedrohung von ca. 4 Stunden, in denen wirklich nicht klar war, ob ich den nächsten Atemzug noch schaffen werde, oder ob es der letzte sein würde, und ich war mir dessen voll bewusst. Danach kamen 3-5 Wochen, in denen nicht klar war, ob die Ärzte und ich es schaffen, dass ich überlebe. Die Situation war lebensbedrohlich, aber nur mehr akut lebensbedrohlich wie in den 4 Stunden. Das alles hat enorme Ängste und Sorgen ausgelöst, und es hat mich sehr geprägt. Aber ich muss auch sagen, dass noch in der akuten Phase ein Gefühl des Sch**ssegal aufkam. Da dachte ich nur "Na, wenn's jetzt zuende geht, soll's sein, ich habe für diese Angst keine Kraft mehr". Kann sein, dass das "Gelassenheit" war oder "Resignation" oder einfach totale Erschöpfung. Ich weiss es nicht mehr. Aber es ist jetzt auch egal. Auf jedenfalls liess dann auch die latente Angst etwas nach.
Aber um auf Deine Frage zu antworten: Ja, das Thema war dann einfach da. Nach den 3-5 Wochen und 4 Stunden brauchte ich da nichts bewusst zum Thema machen, es "war da".
Lieben Gruss!
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