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hiob
#10
(14-08-2010, 15:57)Der-Einsiedler schrieb: Liebe Karla,

ich frage mich nur: Interessieren den "normalen Gläubigen" diese Hintergründe überhaupt?

Das weiß ich nicht. Aber ich habe den Text für die reingestellt, die eben gerade keine Gläubigen sind. Oder zumindest kritische Gläubige.


Der-Einsiedler schrieb:Diese Texte sind ja nicht verfasst und gesammelt und in den biblischen Kanon aufgenommen, um der Bibelwissenschaft zu dienen, sie sind Texte der Belehrung oder der Erbauung oder der Erziehung.

Weshalb sie verfasst wurden, geht ais der Textgeschichte zumindest im Ansatz hervor. Und ein Theologe muss das wissen, bevor er auf die Kanzel steigt. Und er weiß es in der Regel auch, falls sein Studium nicht gar zu lange zurückliegt.
Und die Textgeschichte besagt klar, dass ihr Ziel nicht war, irgendwo in einer Bibel zu landen.

Dass dieser Text dann in den Kanon genommen wurde zur Belehrung, das ist eine gewisse Crux. Das eben sehen viele Theologen auch so. Aber sie können es nicht rückgängig machen. Sie können höchstens versuchen, die Sache zu mildern.
Und eine Milderung sehe ich schon allein darin, zu wissen, dass die Rahmenhandlung - Gespräch Gott mit Satan - und die Hiobslegende ursprünglich unabhängig voneinander waren.

Weiter ist das Problem, dass - wie Epicharm ja auch betont - das Buch Hiob oft so gelesen wird, als hätte es Hiob wirklich gegeben. Aber es ist nichts weiter als eine story.
Genauso wie Goethes Faust eine "story" ist. Da wird ja das gleiche Thema (in abgewandelter Form) abgehandelt. Da ist die Wette mit Gott und Mephistopheles, Mephisto wird Faust (der dann dem Hiob entspricht) an die Seite gestellt, damit Gott nachweisen kann, dass Faust in seinem Kern edel ist.
Keiner aber klagt Goethe an, dass er Menschen in Glaubenszweifel treibt. Warum nicht? Weil man sofort erkennt, dass hier nur ein konstruiertes Beispiel in dichterischer Form vorliegt.

Wäre der Faust aber in die Bibel aufgenommen, würde man den Text anders lesen. Das ist wohl der Punkt, den Du meinst, Einsiedler, denke ich. Dann würde man glauben: Was in der Bibel steht, ist Gottes Wort. Auch wenn der Autor bekannt ist und nie in der Bibel stehen wollte.
Nicht-Gläubige aber sind daran nicht gebunden. Sie können nach wie vor das Buch Hiob als literarisches Erzeugnis mit einer komplizierten Textgeschichte lesen. Sie brauchen es nicht als Gottes Wort zu lesen, denn so war es ja auch nie gemeint.


Der-Einsiedler schrieb:DAS hinterfrage ich an der Bibel mehr als die Aussagen von Bibelwissenschaftlern. Die Geschichte Hiob will ja etwas transportieren,

Sie will es eben nicht von sich aus. Die Hiobslegende stammt ja aus Volkesmund. Nicht anders als die Faustsage, die ja auch mündlich entstanden ist und immer weiter erzählt wurde. Nur dass die Hiobslegende einige tausend Jahre älter ist.

Der - auch für mich - kriminelle Punkt entsteht erst später. Dann nämlich, wenn von Theologen gelehrt wird, dies sei kein Stück Literatur, das dies und dies erklären will, sondern es sei Gott persönlich, der so handele. Und dann diese Literatur einem 'heiligen Rahmen' eingepasst wird, in dem solche literarischen Werke nicht mehr hinterfragt werden dürfen.

Wenn ich das Judentum richtig verstanden habe, dann wurden solche Werke durchaus in alle Richtungen studiert und ausgedeutet. Da musste man nicht einfach dran glauben. Erst das Christentum hat diese unselige Methode erfunden, dass hier Gott persönlich geredet habe und nicht, dass die Bibel Ansichten von Menschen über Gott gesammelt hat - in keinster Weise verpflichtend.
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hiob - von petronius - 14-08-2010, 09:36
RE: hiob - von Karla - 14-08-2010, 11:31
RE: hiob - von Karla - 14-08-2010, 11:44
RE: hiob - von petronius - 14-08-2010, 14:49
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RE: hiob - von Der-Einsiedler - 14-08-2010, 15:57
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RE: hiob - von petronius - 15-08-2010, 15:14
RE: hiob - von Der-Einsiedler - 14-08-2010, 16:52
RE: hiob - von Der-Einsiedler - 14-08-2010, 19:08
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RE: hiob - von Theodora - 15-08-2010, 20:50
RE: hiob - von petronius - 15-08-2010, 22:01
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