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Pantheismus als Religion
#1
Die Grundlehre des Pantheismus ist ja, dass alles Gott ist bzw. in allem ist Gott bzw. die Natur wird im Pantheismus vergöttlicht.
Könnte es nicht sein, dass eines Tages aus dem Pantheismus eine Religion entsteht, wenn sich viele Pantheisten treffen und Pantheismus zu ihrer Religion erklären? Wie seht ihr das? Kann Pantheismus zu einer Religion werden?
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#2
Der Pantheismus ist eine Weltanschauung und wird zu keiner Religion werden können denn er hat keinen Religionsstifter da er keine Propheten kennt.
Viele Grüße
Rudi
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#3
(11-02-2018, 23:18)Rudi schrieb: Der Pantheismus ist eine Weltanschauung und wird zu keiner Religion werden können denn er hat keinen Religionsstifter da er keine Propheten kennt.

Ja, aber braucht es für eine Religion überhaupt irgendwelche Propheten und Religionsstifter?
Theoretisch könnte man im Pantheismus Giordano-Bruno und Baruch Spinoza auch als Vordenker bzw. Heilige des Pantheismus verehren und das würde einem Prophetentum ja doch schon ziemlich nahe kommen. :)
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#4
Es ist ja nicht unvernünftig, gegen einen personalen Gott aufzutreten. Entsprechende Bemühungen lassen sich  seit der Antike beobachten, wenngleich der Begriff "Pantheismus" erst mit Toland auftritt. Toland hat sich übrigens (im Pantheistikon, 1720) am Entwurf einer pantheistischen Liturgie versucht.

Der (philosophische) Gedanke einer unpersönlichen, in allem Sein präsenten Gottheit taugt mE nicht als Basis für eine religiöse Bewegung. Ich habe Zweifel, dass es mehr als eine esoterische Übung wäre, versuchte man eine Gemeinschaft unter dieser Grundannahme mit verbindlichen Glaubenssätzen auszustatten.
MfG B.
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#5
(12-02-2018, 17:03)Bion schrieb: Es ist ja nicht unvernünftig, gegen einen personalen Gott aufzutreten. Entsprechende Bemühungen lassen sich  seit der Antike beobachten, wenngleich der Begriff "Pantheismus" erst mit Toland auftritt. Toland hat sich übrigens (im Pantheistikon, 1720) am Entwurf einer pantheistischen Liturgie versucht.

Der (philosophische) Gedanke einer unpersönlichen, in allem Sein präsenten Gottheit taugt mE nicht als Basis für eine religiöse Bewegung. Ich habe Zweifel, dass es mehr als eine esoterische Übung wäre, versuchte man eine Gemeinschaft unter dieser Grundannahme mit verbindlichen Glaubenssätzen auszustatten.

Danke für den Tipp mit dem Toland!

Wieso soll Gott nicht auch im Pantheismus persönlich sein können und zu den Menschen sprechen in Form des Gewissens?

Ich glaube, es wäre ein spannender Versuch.
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#6
Zu einer Religion gehört ein überzeugender Mythos, der die Welt erklärt, nicht Gott. Mein persönlicher Mythos ist, dass Bewusstsein, wie wir es empfinden, ein universaler Ausfluss von hinreichend komplexen Regelmechanismen ist. Danach ist die Welt, wie sie sich in unserem Kopf (ab)bildet ein Wahrnehmungsgeschehen (auch Selbstbeobachtung, Selbstwahrnehmung), das jederzeit, überall und auf allen Größenskalen (und Zeit-Ebenen) auftreten kann - und ich glaube: immer auftritt. Wir sind weder allein noch isoliert. Was wir in unserem kurzen (und in jeder Hinsicht begrenten) Menschenleben nicht wahrnehmen, sind Einflüsse über Jahre, Jahrhunderte oder Jahrtausende. (Die ganze Umweltproblematik hat damit zu tun).
Eine Vergöttlichung ist m. E. entbehrlich.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#7
(13-02-2018, 01:33)Ekkard schrieb: Zu einer Religion gehört ein überzeugender Mythos, der die Welt erklärt, nicht Gott. Mein persönlicher Mythos ist, dass Bewusstsein, wie wir es empfinden, ein universaler Ausfluss von hinreichend komplexen Regelmechanismen ist. Danach ist die Welt, wie sie sich in unserem Kopf (ab)bildet ein Wahrnehmungsgeschehen (auch Selbstbeobachtung, Selbstwahrnehmung), das jederzeit, überall und auf allen Größenskalen (und Zeit-Ebenen) auftreten kann - und ich glaube: immer auftritt. Wir sind weder allein noch isoliert. Was wir in unserem kurzen (und in jeder Hinsicht begrenten) Menschenleben nicht wahrnehmen, sind Einflüsse über Jahre, Jahrhunderte oder Jahrtausende. (Die ganze Umweltproblematik hat damit zu tun).
Eine Vergöttlichung ist m. E. entbehrlich.

Das ist ein echt guter Tipp. Jetzt ist die Frage, welcher Mythos zum Pantheismus (als Religion) passen würde. Ist es nicht schon ein wenig ein Mythos, wenn man behauptet, dass alles Göttlich wäre oder ist nur rein ein Dogma oder philsophischer Gedanke?
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#8
Für einen reinen Pantheismus braucht man nicht viel konstruieren. Viele Naturvölker mythischer Zeit haben eine Religion gelebt in der die Natur als göttlich erfahren wurde, beziehungsweise Götter und/oder ihre Inkarnationen als der Natur imanent vorgestellt wurden. Von der darauf folgenden monotheistischen Schöpfergottvorstellung und der durch diese meist tabuisiert und verfolgten Naturreligionen war dann der Weg nicht weit zum Neuplatonismus in dem "G#tt" allerdings nicht imanent in den Dingen sondern die Dinge als in "G#tt" vorgestellt werden.
Wir und unser Erleben sind demnach Teil von G#ttes Emanation, und "G#ttes Anteil" allerhöchstens ein "kleines Bürglein"*) in uns dessen wir uns bewußt sein können oder nicht.

*) frei nach Meister Eckhart
Das ist meine ganz persönliche Ansicht. 
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#9
(11-02-2018, 22:16)euklidius schrieb: Die Grundlehre des Pantheismus ist ja, dass alles Gott ist bzw. in allem ist Gott bzw. die Natur wird im Pantheismus vergöttlicht.
Könnte es nicht sein, dass eines Tages aus dem Pantheismus eine Religion entsteht, wenn sich viele Pantheisten treffen und Pantheismus zu ihrer Religion erklären? Wie seht ihr das? Kann Pantheismus zu einer Religion werden?

Du postulierst, dass der Pantheismus keine Religion sei.
Wieso nimmst Du das an?
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#10
(13-02-2018, 20:40)dharma schrieb:
(11-02-2018, 22:16)euklidius schrieb: Die Grundlehre des Pantheismus ist ja, dass alles Gott ist bzw. in allem ist Gott bzw. die Natur wird im Pantheismus vergöttlicht.
Könnte es nicht sein, dass eines Tages aus dem Pantheismus eine Religion entsteht, wenn sich viele Pantheisten treffen und Pantheismus zu ihrer Religion erklären? Wie seht ihr das? Kann Pantheismus zu einer Religion werden?

Du postulierst, dass der Pantheismus keine Religion sei.
Wieso nimmst Du das an?

Ich meinte damit, dass man den Pantheismus zu einer echten Religion machen könnte. Also so mit festen Regeln, staatlich anerkannt, Priesterschaft, Religionsgemeinschaft, heiligen "Grundschriften" (eine Art "Handbuch" des Pantheismus), usw.
So etwas existiert in unseren Breitengraden (noch) gar nicht. Daher wäre es spannend, ob so etwas möglich wäre.

Bis jetzt gibt es ja nur jede Menge Lesestoff (Giordano Bruno, Spinoza, usw.) zum Thema Pantheismus, einzelne Leute, die sich als Pantheist_Innen verstehen, aber noch keine Religionsgemeinschaft im Sinne der Weltreligionen mit Religionslehre, einer "wissenden" Priesterschaft, Missionierung der "Unwissenden", Glaubensformeln, aktuelle Liturgie, heilige Orte, Pilgerfahrten, usw.
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#11
Ich könnte mir vorstellen das der Pantheismus zu einer Metareligion wird, eine Religion der Religionen unter deren globalen Dach sich verschiedene Religionen treffen und verständigen können.
Die Mystiker aller Zeiten und Religionen haben, denen des Pantheismus, sehr ähnliche Vorstellungen des AllEinen und es spricht auch nichts dagegen das Wissenschaftliche Weltbild zu integrieren.
Von mir aus gesehen hat der Panthismus das Zeug zur modernen, aufgeklärten Religion des 21ten Jahrhunderts zu werden, unter deren Dach jede Religion ihre reformierte Eigenständigkeit behalten könnte, als verschiedene Zugangswege zur Erkenntnis des AllEinen.
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#12
In gewissem Sinne ist das ja bereits bei vielen modernen Menschen als Vorstellung irgendwo im Hintergrund praesent. Das zu einer "richtigen" Religion zu machen, erscheint mir schwierig. Als Bruecke fuer gegenseitige Toleranz hat es aber sicherlich ein Potential. Auch die Anerkennung der Vorstellung eines hoeheren Wesens dient heutzutage ja schon einem solchen Zweck in interreligioesen Organisationen.
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#13
Pantheismus
"Das Göttliche wird im Aufbau und in der Struktur des Universums gesehen, es existiert in allen Dingen und beseelt alle Dinge der Welt . . ." Pantheismus - Wikipedia

Ich habe in meiner Schulzeit gerne Karl May gelesen. Dieser Schriftsteller hat die Länder über die er schrieb, nie besucht. Dennoch sind seine kultursoziologischen Beschreibungen erstaunlich gut. Offenbar hat er hochwertige Reiseberichte von Forschungsreisenden verwendet. Hat diese Berichte in seine Romane eingebaut, ohne die Quellen zu nennen.

So weit ich mich erinnern kann, hatten die Apachen (und wohl die meisten Indianerstämmer dieser Großregion) die Vorstellung, daß jeder Hirsch, jeder Wolf, jeder Bär, jeder Puma von einem großen Geist bewohnt wird, der ihn schützt.
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#14
Der Phanteismus beinhaltet für mich viel mehr als Naturgeister, er beschreibt das alles was existiert Gott ist und was in im wirkt der Geist Gottes oder der heilige Geist, das heilige Prinzip, die heilige Matrix ist.

Das Leben auf der Erde und überall im Universum ist für mich die lebendige Inkarnation des Heiligen Geistes und die Bewusstwerdung, wie beim Menschen, ist die Selbstreflexion Gottes, seine Selbsterfahrung in seinen Kindern.

Die Wörter „Gott“ und „Heilig“ benutzte ich nur der Einfachheit halber, sie sind meiner Meinung stark vorbelastet.
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#15
(25-11-2018, 15:11)Benedikt schrieb: Der Phanteismus beinhaltet für mich viel mehr als Naturgeister,...

Das wäre Animismus.

Der Begriff  Pantheismus ist verbunden mit der philosophischen Vorstellung einer göttlich verstandenen Einheit aller belebten und unbelebten Dinge, wobei ein personaler Gott da keinen Platz hat.

Nicht von ungefähr hat Schopenhauer den Pantheismus als "höflichen Atheismus" bezeichnet.
MfG B.
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