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Zehen aus Eisen und Ton
#76
(23-03-2019, 00:08)Sinai schrieb: Etrusker


Ich kann Euren Ausführungen nicht ganz folgen.
Die Etrusker waren kein legendäres Volk, sondern ein reales
Es mag schon stimmen, daß das Gründungsdatum von Rom (753), die exakte Zahl der Etruskerkönige und der Zeitpunkt der Vertreibung des letzten Etruskerkönigs (509) keiner "kritischen Überprüfung" standhält.

Die Gründersage Roms ist Quatsch. Das weis man schon seit 200 Jahren.
Warum bei euch in Deutschland an den Schulen immer noch diese Legende vom Jahr 753 v.CH. als Gründerdatum Roms unterrichtet wird, weis der Geier.

Städte entstehen immer als Kontenpunkte  des Kulturellen Austausches .. Legenden und Sagen entstehen meist erst viel später.

Es gibt und gab auch nie genetisch artenreine Etrusker. Die Etrusker verstanden sich auch selbst nie als Etrusker.
Etrurien reichte damals über die ganze stiefelartige italiniesche Halbinsel.. ausgehend vom Mittelmeer bis weit in die Alpen.. die einzigen Grenzen die es damals gab war die Sprache und die vielen geologischen Barrieren.  Die Küsten Italiens werden schon seit der frühen Bronzezeit von allen Anreinern des Mittelmehrraumes belagert und abwechselnd erobert. Aber die geologisch schwer zugängliche Beschaffenheit des Binnenland der Halbinsel ist für diese Eroberer eine natürliche Barriere und für die "Einheimischen" leicht zu verteidigen.. Andersherum profitierten diese Einheimischen über viele Jahunderte hinweg vom technischen und kuturellen Knoff hoff all dieser Zugewanderten..die meist in Küstennähe oder entlang befahrbarer Flüsse lebten.

Prüfet alles und das Beste behaltet... Es ist also ganz sicher davon auszugehen.. dass Rom nicht von Etrusker gegründet wurde und es ist ebenso ganz sicher davon auszugehen, dass es Rom schon viele Jahrhundert vor 753 v.CH. gab und damals nur anders hieß.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#77
(23-03-2019, 01:39)Ulan schrieb: Man muss immer kritisch hinterfragen. Bei Texten, die offensichtlichen Sagencharakter haben, ist der historische Gehalt meist sehr gering.

Zudem vergisst Du eins: Texte wie das Buch Daniel behaupten doch gar nicht, historische Werke zu sein. Die biblischen Buecher aus der hellenistischen Zeit, wie Daniel oder Esther, sind das Aequivalent von Hollywood-Historienschinken.
- - -

Bestritten, dass Offenbarung 17 den in Daniel 2,40-43 vorhergesagten Verlauf der Geschichte  des Römischen Reichs fortschreibt,  wird im Grunde nur von jenen, die aus unterschiedlichen Motiven echte Vorhersagen nicht akzeptieren. Bei der offenkundigen Zurückhaltung spielt übrigens Scham eine wesentliche Rolle. Wenn heute ein namhafter Theologe für den Offenbarungscharakter der Schrift einsteht, wird er von seinen Kollegen im mildesten Fall mitleidig belächelt. Der Naturalismus hat in der Tat seinen Siegeszug vollendet.

Das wäre vielleicht auch gleichgültig, wenn die Vorhersagen tatsächlich unecht wären. Doch die aktuellen Entwicklungen sprechen für die Richtigkeit der Vorhersagen. Zu keiner Zeit wurde die Vollintegration Kontinental-Europas für notwendiger erachtet als derzeit. Nicht zuletzt aus Gründen der Sicherheit.

Ich hatte an anderer Stelle die nur von wenigen erkannte Bedeutung des so genannten Brexit erwähnt.  Nur so viel: Ich glaube nicht, dass Großbritannien einer der zehn Zehen ist.
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#78
@konform: Deine Fantasien aendern nichts daran, dass das Buch Daniel von Geschichte gerade da schon keine Ahnung hat, wo es sich nicht in Orakeln ergeht. Das ist es letztlich, was zu dem Urteil fuehrt, dass wir es hier zumindest beim babylonischen Teil mit einer Fantasiegeschichte zu tun haben. Um 165 v.Chr. hat das dann jemand herausgekramt, um einen Kommentar zur damals herrschenden politischen Situation abzugeben. Seitdem haben ueber Jahrtausende Leute wie Du ihrer Fantasie freien Lauf gelassen, und wie man an Dir sieht, ist da ein Ende nicht abzusehen.

Und nun die ueberraschende Offenbarung, dass Grossbritannien keiner der Zehen sei. Sag nur Icon_cheesygrin. Ein beliebter Wahrsagertrick, immer nur so viel sehen zu lassen, dass das Herumstochern im Dunkeln nicht allzu offensichtlich wird.
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#79
(23-03-2019, 12:10)Ulan schrieb: @konform: Deine Fantasien aendern nichts daran, dass das Buch Daniel von Geschichte gerade da schon keine Ahnung hat, wo es sich nicht in Orakeln ergeht. Das ist es letztlich, was zu dem Urteil fuehrt, dass wir es hier zumindest beim babylonischen Teil mit einer Fantasiegeschichte zu tun haben. Um 165 v.Chr. hat das dann jemand herausgekramt, um einen Kommentar zur damals herrschenden politischen Situation abzugeben. Seitdem haben ueber Jahrtausende Leute wie Du ihrer Fantasie freien Lauf gelassen, und wie man an Dir sieht, ist da ein Ende nicht abzusehen.

Jedenfalls ist die Abfolge der vier Reiche übereinstimmend mit der bekannten Geschichte beschrieben. Flavius Josephus und die so genannten Kirchenväter hatten die Zuverlässigkeit der Beschreibung nicht bezweifelt. Und diese alle waren den Vorgängen zeitlich weit näher als heutige Historiker.

(23-03-2019, 12:10)Ulan schrieb: Und nun die ueberraschende Offenbarung, dass Grossbritannien keiner der Zehen sei. Sag nur Icon_cheesygrin. Ein beliebter Wahrsagertrick, immer nur so viel sehen zu lassen, dass das Herumstochern im Dunkeln nicht allzu offensichtlich wird.

Etwas komplizierter sind hier die Zusammenhänge schon. Dazu muss man das 48. Kapitel des Buches Genesis und einige Stellen in den Schriften des Neuen Bundes berücksichtigen. Sich damit ernsthaft befassen, setzt die Überzeugung voraus, dass die genannten Schriften göttlichen Ursprungs sind. Es sind meist recht unbekannte Gruppierungen, die sich mit der Erforschung der Vorhersagen befassen.
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#80
(23-03-2019, 00:08)Sinai schrieb: @ Ulan Beitrag # 71
@ Bion Beitrag # 72
@ Geobacter Beitrag # 73

Ich kann Euren Ausführungen nicht ganz folgen.

Volker Reinhardt ist ein renommierter Historiker und exzellenter Kenner  der Geschichte Roms. Der zitierte Satz ist verständlich formuliert. Wer ihm nicht folgen kann, lässt es eben. 

Das erste geschichtliche Werk, das in nennenswertem Umfang erhalten blieb, ist das des Livius. Alles, was zuvor entstanden war, von Fabius Pictor angefangen, ist nur in wenigen Fragmenten greifbar, inhaltlich aber zum guten Teil bei Livius wiederzufinden.

Schon Livius fühlte sich nicht wohl, als er die Dinge zur ältesten Geschichte Roms niederschrieb:

"Ich glaube, dass die Überlieferung verdorben ist durch die Lobreden bei den Bestattungsfeiern und durch falsche Inschriften der Ahnenbilder, da jede Sippe mit lügenhafter Täuschung den Ruhm großer Taten und hoher Ehrenämter an sich riss. Das ist sicher der Grund, dass die Taten der einzelnen und Aufzeichnungen über die öffentlichen Ereignisse so verwirrt sind" (8,40).

Seit Niebuhr ist das Wissen um den sagenhaften Charakter der römischen Frühgeschichte in der einschlägigen Forschung allgemeines Wissensgut. Dass manche Laien Sagen und Legenden immer noch als Tatsachenberichte entgegennehmen, ist unerfreulich, aber eben nicht zu verhindern.

Goethe bemerkte Eckermann gegenüber: 

"Bisher glaubte die Welt an den Heldensinn einer Lukretia, eines Mutius Scaevola und lies sich dadurch erwärmen und begeistern. Jetzt aber kommt die historische Kritik und sagt, dass jene Personen nie gelebt haben, sondern als Fiktionen und Fabeln anzusehen sind, die der große Sinn der Römer erdichtete. Was sollen wir aber mit einer so ärmlichen Wahrheit!" (an Eckermann, 15.10.1825).

Schließlich noch ein paar Anmerkungen des Althistorikers W. Dahlheim:

"Die römische Überlieferung über die Anfänge der Stadt, über die dort regierenden Könige, über ihren Sturz und schließlich über die aufblühende junge Republik ist das Produkt frommer Fabulierkünste, die die römischen Historiker seit Beginn des zweiten Jahrhunderts immer extensiver betrieben."
[…]
"Die Geschichte Roms, von der Gründung der Stadt bis hinein in das vierte Jahrhundert, liegt unter einem Dickicht von Fälschungen verborgen, das zu durchdringen die historische Kritik bisher lediglich in Einzelfallen in der Lage war; … "

Und über das Ende der Königsherrschaft sagt er:

"Es sind Heldengeschichten, die wir lesen. Sie verkündeten Tugenden und Ideale, die zeitlos sind und sein wollten, und sie versprachen Ruhm den Geschlechtern, die sich dort verewigen konnten. Mit dem tatsächlichen Gang der Dinge haben sie nichts zu tun." 

Werner Dahlheim. Die  griechisch-römische Antike. 2 Bde, Bd 2. Seiten 18, 23
MfG B.
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#81
(23-03-2019, 11:56)konform schrieb: Bestritten, dass Offenbarung 17 den in Daniel 2,40-43 vorhergesagten Verlauf der Geschichte  des Römischen Reichs fortschreibt,  wird im Grunde nur von jenen, die aus unterschiedlichen Motiven echte Vorhersagen nicht akzeptieren. Bei der offenkundigen Zurückhaltung spielt übrigens Scham eine wesentliche Rolle.

https://www.bibleserver.com/text/LUT/Daniel2%2C40-43

Also ich würde da jetzt zuerstmal auf Russland und die ehemalige USSR tippen.
China würde auch in Frage kommen. Wegen der Zehen die da beim Chinesischen Drachen immer so besonders weit vorne abgebildet sind. *https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/511IOxmPa2L.jpg

Ton und Eisen würde auch sehr gut "hinkommen".
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#82
(23-03-2019, 10:53)Geobacter schrieb: Die Gründersage Roms ist Quatsch. Das weis man schon seit 200 Jahren.


"Quatsch" ?
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#83
(23-03-2019, 14:02)Bion schrieb: Schon Livius fühlte sich nicht wohl, als er die Dinge zur ältesten Geschichte Roms niederschrieb:

"Ich glaube, dass die Überlieferung verdorben ist durch die Lobreden bei den Bestattungsfeiern und durch falsche Inschriften der Ahnenbilder, da jede Sippe mit lügenhafter Täuschung den Ruhm großer Taten und hoher Ehrenämter an sich riss. Das ist sicher der Grund, dass die Taten der einzelnen und Aufzeichnungen über die öffentlichen Ereignisse so verwirrt sind" (8,40).


Goethe bemerkte Eckermann gegenüber:

"Bisher glaubte die Welt an den Heldensinn einer Lukretia, eines Mutius Scaevola und lies sich dadurch erwärmen und begeistern. Jetzt aber kommt die historische Kritik und sagt, dass jene Personen nie gelebt haben, sondern als Fiktionen und Fabeln anzusehen sind, die der große Sinn der Römer erdichtete. Was sollen wir aber mit einer so ärmlichen Wahrheit!" (an Eckermann, 15.10.1825).


Wenn Du zu einer emotionslosen Diskussion bereit bist, dann erinnere ich daran, daß ich sehr wohl darauf hinwies, daß die Etruskerzeit historisch schwach belegt ist:

Beitrag # 74
(23-03-2019, 00:08)Sinai schrieb: Es mag schon stimmen, daß das Gründungsdatum von Rom (753), die exakte Zahl der Etruskerkönige und der Zeitpunkt der Vertreibung des letzten Etruskerkönigs (509) keiner "kritischen Überprüfung" standhält.

Doch setzt man hier die Latte nicht ein wenig hoch ?

Denn auch die Liste der Pharaonen enthält zahllose blinde Flecken, ist stellenweise unsicher und hält eigentlich ebenfalls genausowenig einer kritischen Überprüfung stand
Vgl. Liste der Pharaonen - Wikipedia
( . . . )

Ob es tatsächlich sieben etruskische Könige gab oder vielleicht nur sechs oder gar acht oder neun, ist mir eigentlich egal. Aber nur deshalb, weil die exakte Zahl fraglich ist, lasse ich mir nicht die römische Frühgeschichte bis 509 v. Chr. als Legende schlechtreden. Mir ist es schlichtweg egal, wie der letzte Etruskerkönig genau hieß (wahrscheinlich hieß er gar nicht 'Tarquinius Superbus', da das latinisch bzw. lateinisch ist - sondern hatte einen etruskischen Namen) - aber daß es etruskische Könige in Rom gab, ist unbestritten

Leider ist die Quellenlage sehr dürftig - da die etruskische Sprache nicht übersetzt werden kann. Laut Wikipedia kennt man lediglich die Bedeutung von 150 Wörtern.

Das Etruskische war eine sogenannte "isolierte Sprache" - sie gehörte weder der indoeuropäischen noch der semitischen Sprachfamilie an.


Ja, und Livius wird schon Großteils Recht gehabt haben, wenn er schrieb, daß durch Lobreden bei Bestattungsfeiern etc. allerlei verfälscht wurde. Aber kann ausgeschlossen werden, daß Livius einer latinischen Sippe angehörte, und deshalb die Geschichte der alten etruskischen Sippen herabsetzen wollte?

Und wenn ich mir das Goethe Zitat aufmeksam anschaue, dann lese ich hier eine Kritik an der damals neu entstandenen "historischen Kritik" heraus, die er als ärmliche Wahrheit bezeichnet
Goethe bedauert, daß der Heldensinn der Lukretia nichts mehr gilt und daß alles herabgewürdigt wird
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#84
(23-03-2019, 15:20)Sinai schrieb: Und wenn ich mir das Goethe Zitat aufmeksam anschaue, dann lese ich hier eine Kritik an der damals neu entstandenen "historischen Kritik" heraus, die er als ärmliche Wahrheit bezeichnet
Goethe bedauert, daß der Heldensinn der Lukretia nichts mehr gilt und daß alles herabgewürdigt wird

Ich denke nicht, dass er die historische Kritk selbst kritisiert hat. Er mag das Ergebnis nur nicht besonders. Dabei ist die Loesung doch ganz einfach: Menschen haben immer schon  zu allen Zeiten grossartige Erzaehlungen gesponnen, die ihre Zuhoerer und nachfolgende Generationen zu begeistern vermochten. In diese Erzaehlungen werden zwar historische Erfahrungen verarbeitet, sie sind aber trotzdem zum groessten Teil erfunden, und oft genug gilt das auch fuer die darin vorkommenden Helden. Goethes "Faust" oder "Werther" haben unzaehlige Leute inspiriert, auch wenn sie erfundene Figuren sind. Oder denke an den Schweizer Nationalhelden "Wilhelm Tell".

Es liegt halt in der Natur des Menschen, dass gut gelogen schon immer besser kam als schlicht die Wahrheit erzaehlt. Darum luegen ja auch alle Leute. Oft genug tun sie das naemlich nicht zum eigenen Vorteil, sondern um den Frieden zu erhalten, andere zu grossen Taten anzuspornen oder Leute zu Sittlichkeit zu inspirieren. Deshalb sind die gelogenen Geschichten halt viel schoener als die schnoede Wirklichkeit, und es sind die Luegengeschichten, die von den meisten Leuten geliebt werden (das gilt uebrigens auch fuer mich). Das mag auch der Sinn hinter Religion sein; sie laesst die Leute der oft harten Wirklichkeit entkommen.
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#85
Es gibt unter den Autoren und ihren Anhängern eine Gruppe von "Totalverweigerern", die alle großen Personen der Vergangenheit leugnen:
Moses, Daniel, Jesus, . . . Karl den Großen

Das ist halt eine Mode, die derzeit exisitiert, man kann sie nicht abschaffen - braucht ihr aber auch nicht zu folgen

Ich kann mich noch gut erinnern, als vor einigen Jahren die "Sensation" verkündet wurde, daß die Geschichte des Mittelalters gefälscht sei - und daß Karl der Große eine nachträglich erfundene Figur sei

Viele Leute glaubten diesem Gerücht. Es sind ja wirklich viele Ungereimtheiten in der Geschichte des Mittelalters. Aber es ist eine falsche Methode, aufgrund von kleinen Widersprüchen die Eckpfeiler in Frage zu stellen. Nach einiger Aufregung setzte sich dann wieder die Wahrheit durch und es wurde still um dieses Gerücht
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#86
Nun ja, Moses oder Daniel haben halt keine Spur in der Geschichte hinterlassen, und ihre Geschichten sind historisch nicht haltbar. Jesus wird von dem meisten Theologen als historisch eingestuft - auch wenn die Evidenzen sehr duenn sind. Die Sache mit Karl dem Grossen hast Du jetzt mehrfach gebracht, aber davon habe ich noch nie etwas gehoert. Hast Du da eine Quelle? Das kann ich mir naemlich gar nicht vorstellen, da Karl auch durch Gebaeude und Muenzen vielfach belegt und die Quellenlage da allgemein sehr gut ist.
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#87
(23-03-2019, 15:07)Sinai schrieb:
(23-03-2019, 10:53)Geobacter schrieb: Die Gründersage Roms ist Quatsch. Das weis man schon seit 200 Jahren.


"Quatsch" ?

https://www.planet-wissen.de/geschichte/...index.html
"Die Etrusker" sind also auch eine "Promenadenmischung" gewesen.. weswegen es über die Etrusker auch kein wirkliche eigene Geschichtsschreibung gibt. Aber woher kamen die Römer dann plötzlich?

Warum ist es so schwer einfach mal in realistischen Zusammenhänge zu denken? Die Menschen suchen seit ehedem nach sicherem und fruchtbaren Lebensraum. Ab einer bestimmten Vereinnahmung des Territorums muss sich die Nachkommenschaft einen neuen Lebensraum suchen. Zukünftig werden das andere Planeten sein.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#88
(23-03-2019, 17:07)Ulan schrieb: Die Sache mit Karl dem Grossen hast Du jetzt mehrfach gebracht, aber davon habe ich noch nie etwas gehoert. Hast Du da eine Quelle? Das kann ich mir naemlich gar nicht vorstellen, da Karl auch durch Gebaeude und Muenzen vielfach belegt und die Quellenlage da allgemein sehr gut ist.

Den Unsinn, dass die Jahre von 614 bis 911 nicht stattgefunden hätten, also samt den historischen Personen, die in dieser Zeit gelebt haben, erfunden worden seien, hat ein Journalist mit Namen Heribert Illig in die Welt gesetzt. Da sich "Sensationen" gut verkaufen lassen, gewannen seine Bücher unter historisch mäßig gebildeten Zeitgenossen ihre unkritische Leserschaft.
MfG B.
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#89
Ah, danke fuer den Hinweis, jetzt faellt mir das wieder ein. Ich glaube, wir hatten darueber irgendwann schon mal in Bezug auf Aegypten gesprochen, und dass auch Karl der Grosse betroffen sein soll, ist mir jetzt nicht mehr praesent gewesen. Das ist doch schon seit sehr langer Zeit ausfuehrlich widerlegt worden.
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#90
(23-03-2019, 20:33)Geobacter schrieb: "Die Etrusker" sind also auch eine "Promenadenmischung" gewesen..

Eine sehr unqualifizierte Bemerkung
Die Etrusker - die sich selbst "Rasenna" nannten, bewohnten das Gebiet der heutigen Toskana, Umbrien und Latium
"Die Etrusker (lateinisch Etrusci, Tusci „Tusker“; altgriechisch Τυρσηνοί Tyrsenoi „Tyrsener“, Τυρρηνοί Tyrrhenoi „Tyrrhener“), veraltet auch Etrurier, waren ein antikes Volk in Etrurien, das im nördlichen Mittelitalien im Raum der heutigen Regionen Toskana, Umbrien und Latium lebte und laut Dionysios von Halikarnassos sich selbst Rasenna nannte.
Die etruskische Kultur ist in diesem Gebiet zwischen 800 v. Chr. und der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. nachweisbar."
Etrusker - Wikipedia

Leider ist die schriftliche etruskische Quellenlage sehr dürftig - nicht weil keine etruskische Schriften vorhanden wären, sondern aus dem Grund, daß die etruskische Sprache nicht übersetzt werden kann. Laut Wikipedia kennt man lediglich die Bedeutung von 150 Wörtern.
Das Etruskische war eine sogenannte "isolierte Sprache" - sie gehörte weder der indoeuropäischen noch der semitischen Sprachfamilie an.

Die Etrusker waren berühmt für ihre zahlreiche Bildhauerei, ihre Vermessungstechnik und ihre Wahrsagerei (Vogelschau, Eingeweideschau, Leberschau)

Sie sind bekannt aus den Beschreibungen durch andere Völker - und durch nichtschriftliche Funde (Tonfiguren, Bauwerke, Grabsteine, Waffen, Rüstungen und Helme, Schilder, Schmuck)
Insbesondere die berühmte Kloake (lat. cloaca) ist ihr Werk. Die "Cloaca Maxima"  
Ruma oder Roma (deutsch Rom) war nämlich durch das enge Zusammenleben von Menschen gesundheitsgefährlich geworden: das Abwasser (Urin und Kot) wurde nämlich in den Tiber geleitet aus dem viele Menschen tranken, oder versickerte im Erdboden, das Grundwasser und damit die Brunnen vergiftend.

"Die Cloaca Maxima (von lat. cluere ‚reinigen‘, Cloaca Maxima wörtlich größter Abwasserkanal, daraus abgeleitet auch der deutsche Begriff Kloake) ist Teil eines antiken Kanalsystems in Rom.
Der fünfte König von Rom, Tarquinius Priscus, soll ein umfangreiches Kanalsystem zur Entwässerung der Senke zwischen Palatin und Kapitol, dem späteren Forum Romanum, geschaffen haben.
Der wichtigste dieser Kanäle war die Cloaca Maxima, die damit als Prototyp für antike Kanalisation gilt. Die Trasse dieser Anlage folgt einem ursprünglich natürlichen, später kanalisierten und begradigten Gewässerverlauf namens Velabrum, der am Pons Aemilius in den Tiber mündet."
Cloaca Maxima - Wikipedia
Nun floß das gesundheitsgefährdete Abwasser unterhalb Roms in den Tiber, die Seuchengefahr war gebannt.
Als ich Rom besuchte, habe ich mir das angesehen. Monumental! Dort gibt es auch ein großes dreidimensionales animiertes (beleuchtetes) Modell, das die zahlreichen Stränge in mehreren Ebenen zeigt
Ich will jetzt bitte keine kleinliche Diskussion, ob es der fünfte König von Rom war, oder vielleicht erst der sechste

Interessant ist, daß die Etrusker wußten, daß bei Großsiedlungen Abwasser (Urin und Kot) eine große Gefahr ist. Es war die Bibel, die die ersten Vorschriften zur Verhinderungen von Seuchen aufzählte (Thora)
Derartige Reinlichkeitsvorschriften wurden in der Antike belächelt, aber seit etwa 1860 wissen wir, daß das sinnvoll ist. Ob die Etrusker diese Ideen zur Seuchenbekämpfung selbst entwickelten oder von fremden Kulturen lernten (Griechen, Phöniziern, Israeliten) ist unbekannt

Ich hätte zuerst auf die nächsten Nachbarn getippt: die Griechen
Aber Athen hatte zu dieser Zeit keine derartige Kloake

Es sieht so aus, daß die Etrusker die Lehre von der Seuchenbekämpfung (Erfordernis der Sauberkeit) "importierten" (von fremden Meistern lernten), aber dann selbst die Idee hatten, ein derartiges Monsterbauprojekt zu beginnen


(23-03-2019, 20:33)Geobacter schrieb: . . . woher kamen die Römer dann plötzlich?

Die etruskische Sippe namens "Ruma" gründete 753 v. Chr. eine Siedlung auf den sieben Hügeln (tut mir leid, es waren nicht sechs und nicht acht) neben dem Tiber

Der Ort war gut gewählt - zwei Gehstunden von der Mündung des Tibers ins Mittelmeer entfernt. Damit war die Siedlung vor Piratenangriffen geschützt, war aber nahe genug am Meer, um gut mit Fisch, Muscheln und Salz versorgt werden zu können.

Diese Siedlung war ein Marktplatz - und so zog sie die indogermanischen Latiner an, die als Rinderzüchter rund um die Siedlung lebten. In der Tat ist das lateinische Wort für Rind "pecus" - denn damals waren Rinder das Zahlungsmittel. Wertvoll und gehfähig . . .
Die Latiner boten Rinder an, Rindfleisch, Milch, Butter und andere Milchprodukte (Topfen, Joghurt, Käse) sowie ihre Arbeitskraft. Latiner arbeiteten als Maurer und Handwerker und Gärtner und Möbelpacker in der Siedlung der Etrusker, die Latinerinnen arbeiteten hier als Putzfrauen und Kindermädchen

Bald bekamen viele brave Latiner eine Dienstbotenwohnung in den Häusern der Siedlung, waren aber natürlich rechtlose Plebejer

Die Plebejer vermehrten sich sehr stark und wurden bald die Mehrheit in der Stadt
509 v. Chr.vertrieben sie den Etruskerkönig Tarquinius Superbus
"Lucius Tarquinius Superbus[1] († um 495 v. Chr.) stammte der Sage nach aus der Familie der Tarquinier und war der siebte und letzte König von Rom. Er regierte seit 534 v. Chr. und wurde der Überlieferung nach im Jahr 509 v. Chr. aus Rom verbannt.
Tarquinius gehört zu den drei etruskischen Königen in Rom, deren Geschichtlichkeit von manchen Althistorikern angezweifelt, von der Etruskologie aber zumindest im Kern überwiegend akzeptiert wird."
Lucius Tarquinius Superbus - Wikipedia

Nun waren die Latiner die Herren der Stadt. Sie vertrieben aber nicht die Sippen der Etrusker, sondern regierten gemeinsam mit ihnen die Stadt
Die Latiner waren ein kriegerisches Volk - sie entwickelten das System "Legion"

Das Wort kommt von lat. legio, von legere "lesen" im Sinne von: "auslesen", "auswählen"

Diese Legionen werden dann jahrhundertelang die Anrainerstaaten des Mittelmeers beherrschen
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