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Soziale Frage heute in Deutschland
#1
Hallo,
ich würde gern mal wissen wollen,
wie ihr die Rolle der Soziale Frage im heutigen Deutschland seht.
Die Schere zwischen arm und reich tut sich ja immer weiter auf und ein Ende ist vorerst auch nicht in Sicht...
aber gibt es auch Beispiele, die die soziale Frage zurückdrängen?
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#2
Die soziale Frage bezieht sich auf die Massenarmut am Beginn der Industrialisierung als insbesondere das Handwerk durch industrielle Fertigung verdrängt wurde.
Auf heute bezogen, müsste man nach "Strukturwandel" und "Verdrängungswettbewerb" fragen.
In Deutschland fand ab Mitte des 18 Jahrhundert einerseits eine starke Zunahme der Bevölkerung statt und zugleich der erwähnte Übergang zur industriellen Fertigung.

Heute geschieht etwas völlig anderes: Die Fertigung folgt dem Kapital in jene Länder (oder wird dort "hochgezogen"), in denen die Arbeit billig ist. Dies wird zwar mit immer anspruchsvollerer Technik und Technikplanung in Deutschland teilweise ausgeglichen. Aber die dazu erforderliche Qualifikation ist dermaßen anspruchsvoll, dass immer mehr Menschen aus dem Arbeitsprozess ausgegliedert werden müssen. Parallel zu dieser Tendenz gehr eine systematische Bereicherung der Manager dieser High-Tech-Industrien einher. Dies verstärkt noch die genannte Tendenz zu weniger, aber extrem hoch qualitativer Arbeit. In der Tat wird den inländischen Managern die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder profitabel wirtschaften (auch mit Entlassungen) oder Schließen und selbst entlassen werden. Dieses Spannungsfeld fand ich kürzlich in einem Zeitungsartikel beschrieben (wenn ich jetzt bloß wüsste, wo?)

Was wird passieren?
Unser Wohlstand mit sozialer Sicherung ist unter den genannten Umständen nicht haltbar. Das Einkommens- und Absicherungsniveau wird solange sinken, bis es sich auf Weltniveau erniedrigt hat - und dann vielleicht wieder ein Wenig ansteigen.

Es gibt jetzt schon Ansätze, wie man mit weniger Geld verhältnismäßig gut (aber nicht so üppig wie jetzt) leben kann: Statt in Geld wird in Arbeitseinheiten 1:1 abgerechnet. Dinge werden nicht mehr weggeworfen, sondern handwerklich wiederverwertet bzw. auf Basaren getauscht. Wohnungen wird es genügend geben, weil die Bevölkerung langsam auf 40 Mio. abnehmen wird ("umgekehrte Bevölkerungspyramide", Pillenknick!). Renovierung wird gefragt sein.

Eine wichtige Einkommensquelle wird für eine Übergangszeit von ca. 60 Jahren ab heute die Altenbetreuung und -Pflege darstellen - eine weitgehend nicht-technische Arbeit, die zwar ein hohes Maß an Sozialkompetenz verlangt aber keine "höhere Mathematik".
--- soweit mein bescheidenes Wissen dazu ---
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#3
Das Niveau unseres "Sozialstaates" ist in der Tat nicht mehr haltbar, zumindest nicht, wenn man die Verhältnisse weiter so läßt, wie sie sind. Da wird beispielsweise mit geld spekuliert, das keinen Gegenwert hat und wenn das Geld dann verzockt ist, werden die Vernatwortlichen dafür nicht zur verantwortung gezogen. Bis vor kurzem war es noch so das Firmen, deren Führungskräfte einen Bankrott hinlegten, dafür noch eine fette Abfindung bekommen haben.

Zahlreiche Politiker beziehen neben üppigen "Diäten" Gelder aus "Nebenjobs" - manche haben derer gleich mehrere, was einen zweifeln läßt, ob sie dann eigentlich noch Zeit haben ihren Verpflichtungen als Volks"ver"teter nachzukommen.

Während die Preise steigen, sinken die Löhne. Bei uns im Osten sind 3.50 Stundenlohn keine Seltenheit mehr. Ich selbst bezog eine zeitlang einen Stundenlohn von 5,77 , abgesegnet wurde das ganze von einer sog. christlichen Gewerkschaft. Während Konzerne milliardenschwere Gewinne einfahren, werden diejenigen, die das erarbeiten, mit einem Appel und einem Ei abgespeist, von den Arbeitsbedingungen einmal ganz zu schweigen. Das ganze wird dann immer mit dem Klagelied: "ja, sonst müssen wir ins Ausland gehen, weil es hier ja sooooooooo teuer ist zu produzieren" Man könnte es auch anders sagen: verdienen wollen alle aber zahlen dafür will niemand mehr!

Stattdessen wundert man sich und heult rum, das die Umsatzerlöse im einzelhandel von Jahr zu JAhr schlechter werden, das Theater und Schwimmbäder nicht mehr unterhalten werden können, weil sie zu selten besucht werden. Diese hochstudierten Leute, die dafür verantwortlich sind, habe die 1. BWL Stunde vergessen, in dem der einfache Wirtschaftskreislauf gezeigt wird: arbeit gegen Geld, Geld gegen Ware und umgekehrt. Kann so nicht funktionieren, wenn die Arbeitnehmerseite nichts mehr zum konsumieren hat!

Sogar mit dem Hin- und Herschieben von Arbeitslosen wird noch Geld verdient. Da werden Kurse bezahlt, die der Vermittlung des Arbeitslosen gar nichts bringen.

Sogenannte christliche PArteien verhindern bis heute einen Mindestlohn.

Stattdessen drischt man lieber auf die bösen Kommunisten ein, doch vergisst man dabei, das, solangte man eine unsoziale Politik betreibt, es kein Wunder ist, wenn die Leute anfangen, die PArteien zu wählen, die Ihnen Abhilfe versprechen. Ob sie es im Falle ihrer Regierungsbeteiligung anders machen bzw besser machen würden, wage ich zu bezweifeln aber man braucht sich dann eben nicht zu wundern.

Hinzu kommt, das man in Deutschland meint, man müsse sich an Auslandseinsätzen in Afghanistan oder im Irak beteiligen. Zum einen ist dieses verfassungswidrig, denn die Bundesarmee dient ausschließlich der Verteidigung. Ich kann mich nicht entsinnen, das der Irak oder Afghanistan Deutschland angegriffen hat, das war wohl eher das umjubelte Amerika.

Die Gelder, die man dort verballert, könnte man sinnvoller dafür verwenden, das man zum Beispiel Schulen saniert, Lehrer einstellt etc.

MEin Fazit: Geld ist genug da, es wird nur an den falschen Stellen und für die Falschen ausgegeben
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#4
(09-11-2008, 23:31)Ekkard schrieb: Die soziale Frage bezieht sich auf die Massenarmut am Beginn der Industrialisierung als insbesondere das Handwerk durch industrielle Fertigung verdrängt wurde.
Auf heute bezogen, müsste man nach "Strukturwandel" und "Verdrängungswettbewerb" fragen.
In Deutschland fand ab Mitte des 18 Jahrhundert einerseits eine starke Zunahme der Bevölkerung statt und zugleich der erwähnte Übergang zur industriellen Fertigung.

Heute geschieht etwas völlig anderes: Die Fertigung folgt dem Kapital in jene Länder (oder wird dort "hochgezogen"), in denen die Arbeit billig ist. Dies wird zwar mit immer anspruchsvollerer Technik und Technikplanung in Deutschland teilweise ausgeglichen. Aber die dazu erforderliche Qualifikation ist dermaßen anspruchsvoll, dass immer mehr Menschen aus dem Arbeitsprozess ausgegliedert werden müssen. Parallel zu dieser Tendenz gehr eine systematische Bereicherung der Manager dieser High-Tech-Industrien einher. Dies verstärkt noch die genannte Tendenz zu weniger, aber extrem hoch qualitativer Arbeit. In der Tat wird den inländischen Managern die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder profitabel wirtschaften (auch mit Entlassungen) oder Schließen und selbst entlassen werden.

Tscha, das Auseinanderfallen der Gesellschaft in immer mehr soziale Verlierer und immer weniger materielle Gewinnler ist wohl der verbindene Schnittpunkt ALLER sozialen Fragen. Das führt dann misweilen zu solch sprachlichen Entgleisungen wie beim niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulf, der ausgerechnet im November meinte, Kritik an sich sozial ungerechtfertigt relativ immer mehr bereichernden Managern mit Pogromen vergleichen zu können.
Die Realität ist bescheidener: In der Breite kommen immer mehr Menschen in Industrieländern am unteren Rand an, fallen gar unters Existenzminimum, während andere institutionell hohe Einkommen noch eine Weile gesichert bekommen - die soziale Einkommensschere sich immer weiter öffnet, man auch noch meint, von Bildungs-oder Wissensrendite sprechen zu können und so weit klaffende Einkommensdifferenzen begründet ... und für immer mehr Leute unerschwingliche Status-Güter - wie z.B. auch neue große Autos oder hochverzinslichen Geld-ANlagen ... mit staatlichem Sponsoring und zulasten des Klimas und Lebensqualität für ALLE.

So sehr scheint sich die soziale Frage zu Beginn der Groß-Industrialisierung vor 150 Jahren systematisch gar nicht von der heutigen Armutsproblematik zu unterscheiden. auch die kirchliche Hilfslosigkeit samt Unverständnis schaut ähnlich aus ...

Fritz
Liebet eure Feinde, vielleicht schadet das ihrem Ruf! (Jerci Stanislaw Lec)

Wer will, dass Kirche SO bleibt - will nicht, dass sie bleibt!
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#5
Die soziale Frage - eigentlich soziale Aufgabe - wird neben der ökologischen, eines der zentralen Themen bleiben.
Wir befinden uns in einer wichtigen Phase der Neuordnung (Stabilisierung) von Sozialstaat.
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#6
(12-11-2008, 09:25)Marlene schrieb: Wir befinden uns in einer wichtigen Phase der Neuordnung (Stabilisierung) von Sozialstaat.
Was möglicherweise Schönschwätzerei für Abschaffung des Sozialstaats herkömmlicher Machart ist, für krasse Verteilungskämpfe der Stärkeren gegen Schwächeren und Abwärtsspirale zu immer niedrigeren Existenzniveaus bei Wegbrechen des Mittelfeldes und Ausweitung der Unterschiede an den Flanken.
(09-11-2008, 23:31)Ekkard schrieb: Was wird passieren?
Unser Wohlstand mit sozialer Sicherung ist unter den genannten Umständen nicht haltbar. Das Einkommens- und Absicherungsniveau wird solange sinken, bis es sich auf Weltniveau erniedrigt hat ... Statt in Geld wird in Arbeitseinheiten 1:1 abgerechnet. Dinge werden nicht mehr weggeworfen, sondern handwerklich wiederverwertet bzw. auf Basaren getauscht. Wohnungen wird es genügend geben, weil die Bevölkerung langsam auf 40 Mio. abnehmen wird ("umgekehrte Bevölkerungspyramide", Pillenknick!).
Liebet eure Feinde, vielleicht schadet das ihrem Ruf! (Jerci Stanislaw Lec)

Wer will, dass Kirche SO bleibt - will nicht, dass sie bleibt!
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#7
(12-11-2008, 12:06)Fritz7 schrieb: Was möglicherweise Schönschwätzerei für Abschaffung des Sozialstaats herkömmlicher Machart ist, für krasse Verteilungskämpfe der Stärkeren gegen Schwächeren und Abwärtsspirale zu immer niedrigeren Existenzniveaus bei Wegbrechen des Mittelfeldes . . .


So redete man 2008

Wie ist es heute ?
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#8
(09-11-2008, 23:31)Ekkard schrieb: Was wird passieren?
Unser Wohlstand mit sozialer Sicherung ist unter den genannten Umständen nicht haltbar. Das Einkommens- und Absicherungsniveau wird solange sinken, bis es sich auf Weltniveau erniedrigt hat ... Statt in Geld wird in Arbeitseinheiten 1:1 abgerechnet. Dinge werden nicht mehr weggeworfen, sondern handwerklich wiederverwertet bzw. auf Basaren getauscht. Wohnungen wird es genügend geben, weil die Bevölkerung langsam auf 40 Mio. abnehmen wird ("umgekehrte Bevölkerungspyramide", Pillenknick!).


Das mit dem handwerklichen wiederverwerten und dem Tausch auf Basaren ist nicht zu beobachten.
Auf diesen Trödelmärkten liegt doch nur Müll

Und daß es jetzt in Deutschland genügend Wohnungen gibt, ist nicht zu beobachten
Wohnungen sind heute viel teurer als vor 10 Jahren
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#9
Kommt noch. Die momentanen Wohnungspreise sind ein Produkt der Eurokrise. Die demographische Entwicklung Deutschlands birgt hier aber ein grosses Ausfallrisiko fuer Investoren in der Zukunft. Der Abstieg Deutschlands aus dem vormals exklusiven Klub der reichen Nationen faengt ja eigentlich gerade erst an.
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#10
In Wahrheit haben die Migranten einen sehr guten Einfluß auf den deutschen Wohnungsmarkt Icon_cheesygrin

Ich kenne eine Familie, die wohnt in der geerbten Familie der Mutter
Der Vater hat vor 10 Jahren ebenso eine Wohnung geerbt. Damaliger Wert € 150.000

Heute ist diese Wohnung € 400.000 wert !!!
Wenn die Familie diese Wohnung verkauft, dann muß der Käufer das bezahlen, das sind jetzt die Preise

Ein enormer Gewinn von € 250.000 ohne zu arbeiten
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