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Wie der Koran entstanden ist
#1
(27-11-2008, 18:44)Offen schrieb: Mohammed gilt als der grösste aller Propheten, und man weiss dass er den Koran „gesprochen“, aber nicht geschrieben hat.

Der Koran wurde über Jahre mündlich weitergegeben, bis sich das heutige Buch herauskristallisierte.

Wie ist der Koran entstanden?

Zum Zeitpunkt des Todes von Mohammed lag der Koran in schriftlicher Form nicht vor. Stimmt! Dass ein guter Teil der Suren noch zu Lebzeiten Mohammeds notiert wurde, dürfte auch feststehen! Darüber ist sich die seriöse Koranwissenschaft heute weitgehend einig. Wahrscheinlich ist, dass die Männer, die zu Mohammed in enger Beziehung standen, große Teile des Korans auswendig wussten.

Unter Mohammeds Nachfolger, Abu Bakr (gest. 634), sagten sich einige Stämme wieder vom Islam los. In den sehr blutigen Kämpfen, die gegen die Abtrünnigen geführt wurden, kamen viele dieser Korankenner ums Leben. Abu Bakr war in Sorge, dass das Wissen um den offenbarten Text verloren gehen könnte, und er befahl, den Koran schriftlich festzuhalten.

So wird die Vorgeschichte der ersten Koranredaktion von az-Zuhri, dem bedeutenden Gelehrten (gest. 741), überliefert. Von ihm erfahren wir auch, dass Zaid b. Tabit (gest. 665), der Mohammed als Sekretär diente, die Aufgabe übernahm, die Texte zu sammeln und aufzuscheiben. Wir erfahren weiters, dass die Textfragmente von gegerbten Häuten, Holzstücken, Palmblättern, weichen Steinen, Knochen, etc. und "von den Herzen der Männer" stammten.

"Von den Herzen der Männer", das heißt, ein Teil des Textes war schon zur Zeit der ersten schriftlichen Fassung des Korans Überlieferung. Bei den Gelehrten der Zeit nach Mohammed, die sich mit den Worten und Taten des Propheten beschäftigten und diese als Norm für eine gottgefällige Lebensführung ansahen, herrschte recht lange die Meinung vor, dass die mündliche Überlieferung, die möglichst viele Männer auswendig können und weitergeben sollten, der schriftlichen vorzuziehen sei.

Ob die Textsammlung durch Zaid b. Tabit zum Abschluss gekommen war, verrät az-Zuhri nicht. Jedenfalls steht fest, dass zur Herrschaftszeit von Umar (gest. 644) und auch der des Utman (gest. 656) verschiedene Textfassungen vorlagen, z. B. auch jene des ´Abdallah b. Mas´ud, der die Utman’sche Fassung lange nicht anerkennen wollte.

Welcher Herkunft der Text war, den der Kalif als den einzig wahren gelten lassen wollte, steht nicht eindeutig fest, doch es darf angenommen werden, dass es auf Grundlage der Sammlung des Zaid b. Talib zu Textabstimmungen gekommen war und sich Kalif Utman und seine Vertrauten auf einen verbindlichen Textbestand geeinigt hatten.

Schließlich blieb nur des Kalifen Einheitskoran übrig. Alle anderen Textsammlungen mussten auf seinen Befehl vernichtet werden.

Es stand nun zwar ein "textus receptus" zur Verfügung, doch waren damit nicht alle Probleme aus der Welt geschafft. In den unpunktierten Grundtexten, die aus den schriftlichen Urquellen stammten, war nicht einmal der Konsonantenbestand eindeutig. Dazu kommt, dass die arabische Konsonantenschrift die kurzen Vokale nicht berücksichtigt, woraus weitere Zweifel an so manchen Wortbedeutungen entstanden. Dies führte schließlich zu den bekannten verschiedenen Lesarten des Korans.

MfG E.

Quellen:
W. M. Watt, Der Islam, Bd I
Tilman Nagel, Der Koran, Einführung – Texte – Erläuterungen
MfG B.
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#2
Ja, so ungefaehr ist die sicherste Kenntnis ueber die Entstehung des heute vorliegenden Qur'an-Textes. Man sieht also etliche Menschen daran beteiligt, man muss also Dreierlei unterscheiden:
a) Was der Engel dem Kaufmann berichtete - da vermittelt auch schon jemand, was G"TT ihm mitteilen wollte. Der Engel soll auch Teile von Suren mitgeteilt haben, zu einem Termin einen Teil, zu einem andern Termin einen anderen Teil. Vermutbar ist, dass es dabei nicht schon abgezaehlt und numeriert offenbart wurde, was jeweils dann 1 gemeinsame Sure wuerde. Diese sind erst später, wegen der Faelschungs-Vorsorge, mathematisch fixiert worden.
b) Was daraus der Prophet zu formulieren imstande wurde, entspricht nicht dem, was man bis dahin von ihm gehoert hatte, ist ganz anders konzipiert im Einzelnen und als Gesamt, das beglaubigte seinen Mitmenschen ja eben diesen Offenbarungs-Charakter wunderbarer Herkunft.
c) Was davon die naechsten Nachfolger in den 20 Jahren nach Mohammeds Tod schriftlich erfassen und absichern konnten, dass das es am Genauesten sei, was Mohammed sie lehrte - das eine hier, das andere dort - ergab dann die Textgestalt, die - wie gesagt - in einer arabischen Schnellschrift notiert war, wozu man den Text geoert haben muss, damit er eindeutig ist.
Wie bei der Bibel ist also erst die Gemeinde da und aus ihr wird der Text beglaubigt.
Alle Spaeteren kommen nicht umhin, es aus der Hand der fort-existiert habenden Gemeinschaft zu nehmen, direkter geht es nicht.
Insofern G"TT alles lenkt, sehen die Gemeinden auch darin noch G"TTES direkt Eigenes Wort, nicht anders beim Qur'an als auch vorher und nachher bei den Bibeln.
Es ist also eine Frage dessen, der wegen der Gemeinschaft an G"TT glauben will. Anderen nutzt es zu wenig, weil fuer Leute ohne Gemeinschafts-Ueberlieferung der Urtext zu vieldeutig ist, aber eben darum fuehrte man auch bald die Sekundaer-Literatur mit der Tradition weiter.
mfG WiT :)
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#3
"Wahrlich, wir haben diese Schrift offenbart und wahrlich, wir werden sie erhalten. "
„wir sandten die Schriften herab und wir werden sie hüten“.
[15:9]

5:48 ... Hätte Gott gewollt, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Aber Er wünschte, euch mit dem zu prüfen, was Er euch gegeben hat. Wetteifert miteinander, gute Werke zu vollbringen! Ihr werdet alle zu Gott zurückkehren, und Er wird euch darüber in Kenntnis setzen, worin ihr euch unterschieden habt.
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#4
@Oyh
das was Epicharm geschrieben hat sind FAKTEN. Deine Suren, du du da hervorzauberst haben damit gar nix zutun und sind auf einer ganz anderen Ebene... verstehst du das nicht?

Das Leben ist doch wunderbar, drum nehm ich Psychopharmaka!
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#5
@WiTaimre
Nur das wollen viele Muslime nicht wahrhaben... Sie glauben daran, dass sie nach vorgelehrtem Buchglauben zum Heil Gottes kommen....

Gruß
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#6
schade das die muslime das nicht wahrhaben wollen

der koran ist von menschen gemacht

LG Joe
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#7
Solange der Koran nicht wirklich einer kritischen Textanalye unterzogen wird, wird es gewisse Streitigkeiten wie in einer Endlosschleife geben.

Daß bestimmte Kreise islamischer Wissenschaftler das bislang bewußt verhindern, ist nicht verwunderlich. Der Kampf um diese Thematik ist aus der christl. Erfahrung im selbigen Bereich schließlich bekannt und daher absehbar.

Auch im Islam wird nicht jeder alte Zopf von heute auf morgen abgeschnitten. Dafür hängt zuviel Macht an jedem dieser Zöpfe. :icon_cheesygrin:

Gruß
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#8
(02-08-2009, 14:27)Sonne schrieb: @Oyh
das was Epicharm geschrieben hat sind FAKTEN. Deine Suren, du du da hervorzauberst haben damit gar nix zutun und sind auf einer ganz anderen Ebene... verstehst du das nicht?

(02-08-2009, 16:34)alwin schrieb: @WiTaimre
Nur das wollen viele Muslime nicht wahrhaben... Sie glauben daran, dass sie nach vorgelehrtem Buchglauben zum Heil Gottes kommen....

Gruß

Das ist schon richtig, aber dasselbe gilt auch für die Bibel. Haben wir das Problem nicht ganz allgemeint mit dem "Glauben"?
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#9
Zitat:aber dasselbe gilt auch für die Bibel.
Wo bitte?

Gruß
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#10
Ich hätte schreiben sollen "für den christlichen Glauben", nicht "für die Bibel", das konnte man Missverstehen.
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#11
@Romero
Natürlich stellt sich jede Religion als die alleine "Richtige" hin. Woher sollte sie sonst ihre Daseinsberechtigung her holen?
Es ist noch gar nicht so lange her, dass auch die r.k. Kirche diesen Anspruch mit dem "Alleinseligmachen" stellte. Dann ist sie etwas toleranter geworden, zur Zeit aber wieder eher auf dem Rückmarsch..
Für mich ergibt sich hier eher der Eindruck, daß die erfolgten (Nach)interpretationen logischerweise die meisten Streitwellen provozieren, gepaart mit kulturell bedingten Traditionen.

Gruß
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#12
die bibel und der koran sind nicht miteinader vergleichbar

die bibel ist nicht gottes wort für wort sondern eine einladung zum ewigen leben.

der koran soll ja wort für wort von gott kommen daran zweifele ich

LG Joe
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#13
@Joe
Die bekannten Suren wurden laut Mohammed diesem durch den Erzengel Gabriel zugeflüstert. Inwiefern man das glauben will, ist in der Tat Glaubenssache.

Soweit ich den Koran in verschiedenen deutschen Übersetzungen kennen gelernt habe, sind mir hier zuviele sinngemäße Widersprüche enthalten: Die anfänglichen Suren (da ging es Mohammed nocht relativ gut) enthalten sehr viele Lobpreisungen, später (insbesondere in den Zeiten seines kriegerichen Treibens) kommen mir die Suren eher als Bußgeldkatalog vor. Auf die weiterführenden Hadithe einzugehen, sprengt dann vielmals den Rahmen (nach unserem heutigen Verständnis) vollends.

Leider wird ja schon der Versuch einer kritischen Betrachtungsweise oft mit Beleidigung des Glaubens gleichgesetzt.

Gruß
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#14
Leider ist das so alwin

Die theologischen Inhalte von Christentum und Islam sind so verschieden wie sie miteinander unvereinbar sind. Wenn man sich etwas vertieft mit dem Koran beschäftigt und die darin aufgestellten Glaubensdogmen ernst nimmt, wird die Behauptung, daß Christen und Muslime den gleichen Gott anbeten unhaltbar.

LG Joe
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#15
Sie mögen durchaus vom gleichen Gott reden, aber eben aus unterschiedlichen menschlichen Sichtweisen.

Momentan halte ich einen möglichen Dialog durch die starren Haltungen des "Rechhabenwollens" für äußerst schwierig.

Gruß
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