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Wirklichkeit
#91
(13-06-2009, 00:15)Saldo schrieb: Wieso eigentlich soll Wirklichkeit etwas intersubjektiv Mitteilbares sein?

welche andere möglichkeit zur etablierung von "wirklichkeit" haben wir denn sonst?

Zitat:Mich erinnert das permanent an dogmatische Religionen oder an die DDR:

"Das Sein bestimmt das Bewusstsein."
"wer Jesus nicht annimmt, kann durch sein Blut nicht erlöst werden."


Diese unhinterfragbaren Soll-Sätze sind mir in jedem Lager zuwider

niemand hat hier dogmatisch "unhinterfragbare Soll-Sätze" vorgegeben

Zitat:Sie gelten doch nur für einen exklusiven "Klüngel", der sich seine esoterischen Prinzipien aufbaut und scheel auf den Rest der Welt guckt


wovon redest du eigentlich?

Zitat:Wenn ich die"Wirklichkeit" meines Kindes verändere, indem ich diese Wirklchkeit erfasse und erfolgreich Gegenmaßnahmen treffe - dann habe ich gar keine Wirklichkeit verändert, weil, sie soll ja "intersubjektiv mitteilbar" sein?

wie veränderst du denn eigentlich die ""Wirklichkeit deines Kindes"?

und zwar so, daß das nicht intersubjektiv feststellbar ist?

Zitat:Das ist für mich unglaublich weltfremd

gib doch mal ein konkretes beispiel. momentan verstehe ich nicht, worauf du hinaus willst


Zitat:Sätze wie
"Wirklichkeit soll etwas intersubjektiv Mitteilbares sein"
haben Bekenntnischarakter

nur hat sie so ja auch keiner gesprochen. ekkard sprach lediglich davon, daß mein vorschlag zur definition von "wirklichkeit" war, daß diese das intersubjektiv feststellbare ist. wenn dir diese definition nicht angemessen erscheint, steht es dir frei, eine andere und vermeintlich bessere definition vorzuschlagen. der vorwurf des dogmatismus an andere diskutanten allein kann noch nicht geeignet sein, deiner position (welcher eigentlich konkret?) höhere glaubwürdigkeit zu verleihen

Zitat:Gebote haben entweder das Ziel, Macht über jemanden zu bekommen, oder sie sind ethisch von so hohem Wert, dass jeder Mensch gezwungen werden darf, nach diesem Gebot zu leben, ansonsten er bestraft wird.

Aber liegt das hier vor?

nein. das fantasierst bloß du

Zitat:Bislang wurde diese Forderung, Wirklichkeit so oder so zu verstehen, von einigen, die ihr Denken als ein naturwissenschaftliches verstehen, unbegründet aufgestellt

nein, wurde es nicht

Zitat:Ist so, aus. Das darf nicht hinterfragt werden. Kann nicht hinterfragt werden

keineswegs. niemand verbietet dir das

mach doch einfach

Zitat:Obwohl ich mir hier schon die Finger wund geschrieben habe, um zu erläutern, dass "Wirklichkeit" die verschiedensten Bedeutungen hat, gilt nur petronius als der Chefideologe. Seine Fünf-Wörter-Beiträge sind dermaßen überzeugend, dass dagegen kein Angehen ist

ich glaube, da mißverstehst du was sehr grundsätzliches

Zitat:Was hat das mit Philosophie zu tun? Gar nichts

ehrlich gesagt, finde ich, daß deine motzerei wirklich nichts mit philosophie zu tun hat. auch habe ich nicht verstanden, was den nun für dich "wirklichkeit" sein soll. der gemeinplatz, "dass "Wirklichkeit" die verschiedensten Bedeutungen hat", sagt ja nun konkret gar nichts aus. um über "Wirklichkeit" diskutieren zu können, muß man doch erst mal festlegen, was darunter zu verstehen sei. sonst sagt halt jeder "wirklichkeit ist für mich..." und ende der debatte

Zitat:Und was hat das mit Wissenschaft zu tun? Auch nichts

wissenschaft ist hier auch nicht das thema. nur du bringst sie überall zur sprache, obs grad paßt oder nicht - und üblicherweise in vorwurfsvollem ton. wozu, das ist mir nicht recht klar
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#92
(13-06-2009, 00:15)Saldo schrieb: Wieso eigentlich soll Wirklichkeit etwas intersubjektiv Mitteilbares sein? Mich erinnert das permanent an dogmatische Religionen oder an die DDR:

"Das Sein bestimmt das Bewusstsein."
"wer Jesus nicht annimmt, kann durch sein Blut nicht erlöst werden."

Nur ganz kurz, Saldo.
Zuerst: Vielen Dank für deine Einwendungen. Petronius' Definition war ja nur eine Arbeitshypothese, die ich mal "festhalten" wollte. Wenn sie sich als nicht tragfähig heraus stellen sollte, dann müssen wir das durch Nachfrage heraus finden oder es wenigstens versuchen.
Dass "intersubjektive Mitteilbarkeit" alleine nicht reicht, sehen wir an gedanklichen All-Gegenständen (Beispiel war Gott), die man nicht widerspruchsfrei kommunizieren kann. Petronius und ich werden uns nie über die Realität Gottes konsistent verständigen können.
Umgangssprachlich ausgedrückt: Gott ist nicht "beweisbar". Dagegen sind alle möglichen Verhaltensweisen, die mit dem Glauben an Gott verbunden sind, Wirklichkeit. Man kann sie intersubjektiv in konsistenter Weise kommunizieren.
Gleichwohl ist auch die "konsistente, intersubjektive Mitteilbarkeit" keine dogmatische Klärung dessen, was Wirklichkeit für uns Menschen ist.

Saldo schrieb:Diese unhinterfragbaren Soll-Sätze sind mir in jedem Lager zuwider.
Mag sein. Haben wir aus deinen Vorgängerbeiträge irgend etwas Relevantes für diese Diskussion übersehen, was dir wichtig war?

(13-06-2009, 00:15)Saldo schrieb: Wenn ich die"Wirklichkeit" meines Kindes verändere, indem ich diese Wirklchkeit erfasse und erfolgreich Gegenmaßnahmen treffe - dann habe ich gar keine Wirklichkeit verändert, weil, sie soll ja "intersubjektiv mitteilbar" sein?
Die Veränderung selbst ist doch unzweifelhaft beides: "intersubjektiv und konsistent mitteilbar" und im landläufigen Sinne real. Die Art und Weise der Veränderung mag sich nicht allein durch Worte mitteilen, gleichwohl ist es eine intersubjektive Aktion zwischen dir und deinem Kind. Das wäre doch eine wirkliche Veränderung.

(13-06-2009, 00:15)Saldo schrieb: Das ist für mich unglaublich weltfremd.
Dann wäre natürlich zu fragen, wie du es anders möchtest. Dass Realität (Wirklichkeit) viele Facetten (Erscheinungsformen) hat, spricht doch nicht dagegen, einheitliche Kriterien zu suchen.
Zu deinem danach folgenden Beitrag habe ich im Moment keine Zeit. Aber ich melde mich wieder.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#93
(10-06-2009, 12:58)petronius schrieb: *seufz*

definiere "wahrheit"... lege den kontext fest, in dem dein spruch geltung haben soll...

...und dann melde dich wieder. für irgendwelche spielchen bin ich mir zu schade

Wir hatten uns schon drauf geeinigt, dass Wahrheit in diesem Thema als intersubjetiv Wahrnehmbares behandelt werden soll.

Das Leben ist doch wunderbar, drum nehm ich Psychopharmaka!
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#94
(13-06-2009, 13:00)Sonne schrieb: Wir hatten uns schon drauf geeinigt, dass Wahrheit in diesem Thema als intersubjetiv Wahrnehmbares behandelt werden soll.


Wer hat sich darauf geeinigt, dass es so behandelt werden soll.

Wer ist dieses mysteriöse "wir", das beschließt, worauf alle sich geeinigt haben sollen?
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#95
(13-06-2009, 12:30)Ekkard schrieb: Dagegen sind alle möglichen Verhaltensweisen, die mit dem Glauben an Gott verbunden sind, Wirklichkeit. Man kann sie intersubjektiv in konsistenter Weise kommunizieren

korrekt

so wie auch alle möglichen verhaltensweisen, die mit dem (vorgetäuschten) glauben an den osterhasen verbunden sind, wirklichkeit sind
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#96
(13-06-2009, 13:00)Sonne schrieb: Wir hatten uns schon drauf geeinigt, dass Wahrheit in diesem Thema als intersubjetiv Wahrnehmbares behandelt werden soll.

das sehen beileibe nicht alle so. ich z.b. habe von dieser einigung auch noch nichts mitgekriegt - da muß ich saldo schon recht geben
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#97
(13-06-2009, 20:30)petronius schrieb: so wie auch alle möglichen verhaltensweisen, die mit dem (vorgetäuschten) glauben an den osterhasen verbunden sind, wirklichkeit sind
Dem stimme ich sogar zu. Man könnte sie durch Befragungen sogar statistisch untersuchen. Die Konsistenzschwierigkeit ist nicht die Verhaltensweise, sondern ihr inhaltlicher Gegenstand: Gott, Osterhase oder 'fliegendes Spaghettimonster'. Offensichtlich gibt es Vorstellungen, über die man sich nicht widerspruchsfrei unterhalten kann. Im Gegensatz dazu stehen die Objekte der Mathematik, ebenfalls (gedanklich) vorgestellt, aber so geschickt eingegrenzt, dass sie, sofern bewiesen, widerspruchsfrei kommuniziert werden können (jedenfalls unter Fachleuten).

Die übliche Auffassung sagt dazu: Solange mathematische Objekte keine im weitesten Sinne physikalische Entsprechung haben, sind sie nur reine Idee, also nicht wirklich?

Mir gefällt diese Aussage nicht; dazu ein Zitat aus Spektrum der Wissenschaft 06/09 S. 78, dem ich zuneige:

Schließlich gibt es noch eine völlig andere Strategie, die anscheinend prästabilierte Harmonie von Natur und Zahl (mathematisches Objekt) zu verstehen. Man macht gleich zu Beginn eine ontologische Kehrtwendung und erklärt die mathematischen Objekte für die primäre Realität. Demgegenüber ist die Realität der uns umgebenden Welt eine abgeleitete Größe. Diesen Weg hat Max Tegmark in jüngerer Zeit vorgeschlagen (Spektrum der Wissenschaft 8/2003, S. 34). Aus seiner Sicht sind alle konsistenten formalen Strukturen der Grundstoff, aus dem die Universen gemacht sind, wobei einige von ihnen die kontingente Eigenschaft besitzen, intelligente Substrukturen hervorzubringen. Die alte philosophische Frage nach der Kontingenz der Welt - also der Frage, warum für dieses Universum gerade der uns bekannte Satz von Gleichungen bestimmend ist - lässt sich dann auflösen. Die ontologische Asymmetrie zwischen den physikalisch realisierten und den nicht verwirklichten Strukturen ist auf einen täuschenden Selektionseffekt zurückzuführen. Dieser kommt dadurch zu Stande, dass nicht in allen konsistenten Strukturen kognitive Systeme existieren können.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#98
Hallo Ekkard,


(13-06-2009, 12:30)Ekkard schrieb: Umgangssprachlich ausgedrückt: Gott ist nicht "beweisbar".


Ich vermute, dass alles und jedes, das anthropologischer Natur ist, nicht "beweisbar" ist.
Ich werde das aber später noch genauer thematisieren und durchdenken.

Ob ich nun eine Vorstellung von "Tisch" oder von "Gott" habe: welche Art Vorstellung ich habe, ist nicht beweisbar. Und sie ist nicht intersubjektiv überprüfbar.

Auch das Phänomen "Tisch" als Ganzes ist nicht überprüfbar.
Intersubjektiv überprüfbar ist lediglich, ob einzelne vorher präzis definierte Merkmale gemäß eines gewählten und ebenfalls präzis beschriebenen Modells bei einem für empirische Zwecke - aus der Masse alles Vorhandenden - isolierten Gegenstand zutreffen oder nicht.

Die Behauptung, dieses oder jenes sei "in Wirklichkeit" "wirklich" und jenes nicht, entspringt einer vorwissenschaftlichen Betrachtungsweise.


Ekkard schrieb:Dagegen sind alle möglichen Verhaltensweisen, die mit dem Glauben an Gott verbunden sind, Wirklichkeit.


Das ist sicher richtig. Interessant ist aber, dass hier automatisch "Beweis" mit "Wirklichkeit" verknüpft wird, selbst wenn es in negativer Form ist.
Diesen Automatismus, mit dem man diese beiden Dinge in Zusammenhang sieht, möchte ich ja nun gerade hinterfragen, gerade im Namen der Wissenschaft.

Bewiesen werden kann nämlich überhaupt keine Wirklichkeit. Das würde und muss die Wissenschaft ablehnen. Und hat sie auch stets abgelehnt, wenn sie nicht aus Versehen ins ideologische Lager abgekippt ist. Aber dann ist sie eben nicht mehr Wissenschaft.


Ekkard schrieb:
Saldo schrieb:Diese unhinterfragbaren Soll-Sätze sind mir in jedem Lager zuwider.
Mag sein. Haben wir aus deinen Vorgängerbeiträge irgend etwas Relevantes für diese Diskussion übersehen, was dir wichtig war?


Öhm - ja. Jede Menge. Auch das, was Presbyter geschrieben hat.
Aber ich gebe zu, manches war fragmentarisch und noch nicht zu Ende geführt.
Ich werde mich bemühen, das aufzufüllen.


Ekkard schrieb:
(13-06-2009, 00:15)Saldo schrieb: Wenn ich die"Wirklichkeit" meines Kindes verändere, indem ich diese Wirklchkeit erfasse und erfolgreich Gegenmaßnahmen treffe - dann habe ich gar keine Wirklichkeit verändert, weil, sie soll ja "intersubjektiv mitteilbar" sein?
Die Veränderung selbst ist doch unzweifelhaft beides: "intersubjektiv und konsistent mitteilbar" und im landläufigen Sinne real. Die Art und Weise der Veränderung mag sich nicht allein durch Worte mitteilen, gleichwohl ist es eine intersubjektive Aktion zwischen dir und deinem Kind. Das wäre doch eine wirkliche Veränderung.


Okay. Danke. Dann wären wir dann doch zumindest einen Schritt weiter.
Obwohl mir dieses "im landläufigen Sinne real" nicht so recht schmeckt, es scheint mir erneut abwertend.

So als sei der Mensch etwas mehr Landläufiges, während die Natur die wahre Wirklichkeit präsentiere, da sie messbar ist und nicht mehr nur im landläufigen Sinne "real" ist, sondern wirklich.


Das "Landläufige" gibt aber viel mehr her für das, was die menschliche Wirklichkeit ist, als ein Modell.

Ich muss ausgehen von diesem Landläufigen, wenn ich verstehen will, was die Wirklichkeit des Menschen ist.
Und vor allem muss ich die Begriffe, die "landläufig" im Schwange sind, daraufhin untersuchen, was genau eigentlich damit gemeint ist von den jeweiligen Menschen.

Die Fragestellungen müssen sich also der Wirklichkeit des realen Menschen anpassen und nicht umgekehrt.
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#99
post 2


(13-06-2009, 22:54)Ekkard schrieb:
(13-06-2009, 20:30)petronius schrieb: so wie auch alle möglichen verhaltensweisen, die mit dem (vorgetäuschten) glauben an den osterhasen verbunden sind, wirklichkeit sind
Dem stimme ich sogar zu. Man könnte sie durch Befragungen sogar statistisch untersuchen. Die Konsistenzschwierigkeit ist nicht die Verhaltensweise, sondern ihr inhaltlicher Gegenstand: Gott, Osterhase oder 'fliegendes Spaghettimonster'. Offensichtlich gibt es Vorstellungen, über die man sich nicht widerspruchsfrei unterhalten kann. Im Gegensatz dazu stehen die Objekte der Mathematik, ebenfalls (gedanklich) vorgestellt, aber so geschickt eingegrenzt, dass sie, sofern bewiesen, widerspruchsfrei kommuniziert werden können (jedenfalls unter Fachleuten).


Ja, eben. Dem Menschen ist - in seiner ganzen Komplexität - mit mathematischen Methoden nicht beizukommen.

Dennoch aber - wie ich überzeugt bin - mit wissenschaftilchen Methoden.
Die Methodik muss eben nur für den Untersuchungsgegenstand extra entwickelt werden und nicht - irgendwie zähneknirschend und mit Widerwillen - die mathematische oder naturwissenschaftliche einfach nur an einigen Punkten resignierend abgewandelt werden.


Vor allem scheint mir wichtig, von dem Substantiellen wegzukommen.
Wenn ich sage: "Gott existiert", "Der Osterhase existiert", "Das fliegende Spaghettimonster" existiert" - dann liegen hier vollkommen unterschiedliche in Sprache umgesetzte Realitäten vor. Die äußere grammatische Ähnlichkeit trügt. Bereist eine semantische Analyse zeigt, dass hier "Realität" auf vollkommen unterschiedlichen Ebenen simuliert oder projiziert wird.

Ich lass das mal einen Moment liegen und bringe ein Beispiel dazu:

Es ist in der Psychologie und Psychoanalyse bekannt, dass Menschen, wenn sie sich heftig verlieben, nicht selten auf den begehrten Menschen etwas projizieren, was dieser nicht ist.
Filmstars etc. - die man nicht wirklich kennt - eignen sich besonders für Projektionen, und sie werden in Scharen von Fans verfolgt.

Passiert das aber konkret bei einem Partner, kann die Enttäuschung bitter sein, wenn sich herausstellt, dass dieser "gar nicht so ist wie ich dachte".
Worin genau nun diese Projektion bestand, ist, meint man, nicht intersubjektiv vermittelbar. Ist sie im gewissen Sinn auch nicht. Freud soll ja einen Fall gehabt haben, wo eine solche zwanghafte Liebe dadurch zustande kam, dass der Verliebte - ohne sich mehr daran erinnern zu können - als kleines Kind seine Tante so faszinierend fand, die immer einen bestimmten Hut trug.

Und seine mit der Projektion bedachte Angebetete hatte genauso einen Hut getragen.

Verallgemeinbar ist also hier nicht das Substantielle: Frauen mit Hut - denn das gilt nur für diese eine Person -, sondern der Mechanismus der Übertragung selbst: innere Bilder werden auf reale Menschen übertragen, und dies aus irgendeinem Grund.

Solche Gründe können in den sog. Archetypen liegen, die dann, wenn sie in irgendeinem Menschen besonders auffallend realisiert scheinen, die anderen Menschen dazu bringen, ihnen zu verfallen. So kenne ich einen Hypnotiseur, der die Menschen dermaßen fasziniert, dass sie ihm wirklich verfallen und von ihm innerlich nicht loskommen.

Das wäre dann der Archetypus "Zauberer", der ja auch in den meisten Fantasy-Erzählungen und - filmen eine Rolle spielt. Menschen sind danach süchtig.

Als "Snape" - ein zwielichtiger Zauberer in Rowlings Potter-Romanen, der von Alan Rickman, einem charismatischen Schauspieler in den Verfilmungen dargestellt wurde -, im letzten Band starb:

da gerieten Scharen von Mädchen und wohl auch weiblichen Erwachsenen in eine tiefe seelische Krise. Manche schrieben (in den einschlägigen Foren), sie hätten noch nie so tief gelitten bei einem Tod wie bei Snape. Selbst der Tod der geliebten Großmutter war nicht so schlimm.
Manche riefen geradezu nach Hilfe, sie bräuchten einen "Seelenklempner".

Da kann man wirklich buchstabieren, was "Realität" ist.
Mir scheint außer Frage, dass durch Alan Rickmans Art der Gestaltung der Archetypus des "dämonischen Zauberers" aktiviert wurde, der in irgendeiner Weise im Unterbewussten des Menschen latent vorhanden ist - und bei Ähnlichkeiten in der Außenwelt und der Kunst dann aktiviert und projiziert wird.

Ein anderes Beispiel:
Psychotherapeuten kennen das Phänomen der Übertragung auch an sich selber: weibliche Klientinnen "verlieben" sich nicht selten unsterblich in ihren Therapeuten;
sichtbar wird das u.a. in den Träumen, in denen der Therapeut idealisiert oder gar als gottgleiche Figur erscheint.

C.G.Jung hat sich bei letztgenanntem Phänomen einmal gefragt, ob eben auch "Gott" ein solches Urbild (Archetypus) sei, das latent in jedem Menschen schlafe und in gewissen Situationen der Abhängigkeit auf die entsprechende Person projiziert werde.

Jung fragte sich, ob dies vielleicht der Sinn (die Finalität) dieser Projektionen sei:
in sich selber das sogenannte Göttliche zu befreien (und sich nur vertut, wenn es projiziert wird).

Das halte ich für eine sehr interessante Überlegung.
Das "Vergöttern" scheint eine anthropologische Grundkomponente zu sein - und es muss nicht immer ein Gott der Religionen sein.

Und es muss auch nicht in jedem Menschen auftauchen. Jedenfalls nicht in einer Form der Projektion.

"Osterhase" und "Spaghettimonster" liegen, habe ich hoffentlich gezeigt, auf einer gänzlich anderen Ebene. Ersteres ist den Kindern nur eingeredet worden - sie können in so jungem Alter nicht unterscheiden, wann die Erwachsenen lügen und wann nicht.

Und über das Spaghettimonster muss man überhaupt nicht reden. Es ist eine Erfindung von Menschen, die Grund und Ursache der Idee des Göttlichen nicht erfassen ->

Wichtiges Merkmal für eine projizierte anthropologische Grundkomponente ist die emotionale Bindung.
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(14-06-2009, 22:02)Saldo schrieb: Wenn ich sage: "Gott existiert", "Der Osterhase existiert", "Das fliegende Spaghettimonster" existiert" - dann liegen hier vollkommen unterschiedliche in Sprache umgesetzte Realitäten vor. Die äußere grammatische Ähnlichkeit trügt. Bereist eine semantische Analyse zeigt, dass hier "Realität" auf vollkommen unterschiedlichen Ebenen simuliert oder projiziert wird

wieso?

auf welchen ebenen?

vielleicht, inwiefern glaube an was auch immer subjektiv erfahren, rational herbeikonstruiert oder schlicht gefaked ist?


oder anders gefragt:

was sagt "emotionale Bindung" an was auch immer über dessen realität oder wirklichkeit?
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Um das Phänomen Wirklichkeit/Realität von einer etwas leicht anderen Seite zu betrachten:

Ich nenne in einem ersten Schritt all das, was in einer Flut von Eindrucken auf mich einprasselt, Wirklichkeit". Alles, was auf mich wirkt, hat Wirklichkeit.

Das ist also der erste Schritt.
Von diesen auf mich sekündlich einprasselnden Eindrücken - die sowohl von innen als auch von außen kommen - registriere ich nur ein Minimum bewusst.
Der Nachweis, dass sie tatsächlich auf mich eingewirkt haben - obwohl ich das bewusst nicht registriert habe -, kann wohl nur so geführt werden, dass sie später irgendwie dann als vorhanden auftauchen: im Traum, in der Erinnerung etc.
Falls sie überhaupt nicht als Eindruck nachweisbar sind, betrachte ich sie eben auch nicht als Eindruck.

Diese auf mich von innen und außen einprasselnden Eindrücke sind sehr dicht, sehr komplex.
Welche davon registriere ich nun mehr als andere?

Damit bim ich beim zweiten Schritt.
Es hängt mit der Art der geschulten Organe zusammen. Und von der Funktionsfähigkeit der Organe. Selbstverständlich auch mit dem Vorhandensein der Organe.

Wenn das Sehorgan besonders geschult ist, nehme ich visionelle Eindrücke viel komplexer wahr als in dem Sinn Ungeschulte. Sie bleiben deutlicher haften, können leichter reproduziert werden.

Ist das akustische Organ mehr ausgebildet – bei blinden Menschen ist dies natürlich besonders der Fall -, registriert man das akustische Geschehen um einen herum in seinen vielartigen, gleichzeitig vorhandenen Formen um ein Vielfaches deutlicher als jemand, der fast gar nicht mehr hinhört.

Übrigens speichert das Unbewusste die Eindrücke auch und gerade dann, wenn das dazugehörige Organ relativ abgestumpft ist. Im Halbschlaf kann das dann vor die (inneren) Augen oder Ohren treten.

Introvertierte Denker und Dichter registrieren sehr viel deutlicher als der Normalmensch die inneren Reaktionen auf jedes Geschehen.
Da für sie diese Art Reaktionen das Material bilden, um darüber schreiben und es auswerten zu können, ist dieses Wahrnehmungsorgan besonders geschult.

Der dritte Schritt ist die Herstellung des Zusammenhanges zwischen der Kultur, in der der jeweilige Mensch lebt, und seinen ausgebildeten Organen.
In einer Kultur, in der das Auge das wichtigste Organ ist, wird das Sehorgan von klein auf geschult.
Dadurch wird das, was als „Eindruck“ wahrgenommen wird, primär aus diesem Bereich stammen.
In einer Kultur, in der das innere Geschehen im Vordergrund steht, wird diese Form der Wahrnehmung von klein auf geschult, und die registrierten Eindrücke stammen dann eher aus diesem Bereich als aus dem, was das Auge an Eindrücken liefert.

Einzelveranlagung und Kultur können sich dann oft beißen und verursachen nicht selten Konflikte in dem jeweiligen Menschen.

Damit bin ich dann beim vierten Schritt, der mehr oder weniger nur eine Konklusion aus den vorigen Schritten ist ->

a. Jeder wahrgenommenen Wirklichkeit kann ein „Organ“ zugoerdnet werden – sie hängt in ihrer Intensität und Akzeptanz von dem
Vorhandensein,
der Ausbildung,
der kulturellen Bewertung des jeweiligen Organes - und der von ihm prodizierten Wirklichkeitsvorstellung – ab.

b. Damit kann die Bestimmung, was „Wirklichkeit“ ist oder als solche bezeichnet wird, nicht unabhängig davon beantwortet werden, welche Interessen eine Kultur daran hat, dies als primär und anderes als sekundär zu behaupten.
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was mir jetzt nicht klar ist:

verstehst du unter "wirklichkeit" nun etwas, was (von außen) auf dich einprasselt - also objektiv existiert und von dir bloß subjektiv (und je nach schulung deiner wahrnehmungsorgane unterschiedlich bzw. nur zum teil) wahrgenommen wird?

oder soll "wirklichkeit" nur die "wahrgenommene Wirklichkeit" sein, wie dein

Damit kann die Bestimmung, was „Wirklichkeit“ ist oder als solche bezeichnet wird, nicht unabhängig davon beantwortet werden, welche Interessen eine Kultur daran hat, dies als primär und anderes als sekundär zu behaupten

andeutet?
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