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Angebliche Vernichtung der Schriften Aristoteles durch Christen
#1
t.logemann behauptet hier Christen hätten systematisch die Schriften von Aristoteles vernichtet. Wann und wo soll das gewesen sein?

Nur am Rande: Ich weiß sehr wohl, dass Platon viel beliebter war als Aristoteles, aber das schließt noch keine Vernichtung der Werke ein.

Thomas von Aquin, der wohl größte christliche Theologe und Philosoph des Mittelalters baute seine Argumentationen zu einem großen Teil auf Lehren von Aristoteles auf. Das kam auch nicht aus leerem Raum, sondern diese Begeisterung für Aristoteles hatte er wohl von seinem Lehrer Albertus Magnus.
Setzt alles daran, durch die enge Tür einzutreten! Denn das sage ich euch: Viele werden versuchen einzutreten, und es wird ihnen nicht gelingen. (Lk 13,24)
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#2
Nun, die bestehende Ansammlung von Schriften in Alexandria wurde tatsächlich nachweislich (kann gerne den Bezug ordern) von Christen, per Brand zerstört, da sie befürchteten, daß hier ungeliebte Schriften vorliegen könnten. Ferner wurden nach dem Konzil von Nicea (ca 300 n.Chr.) auch Schriften vernichtet, die unter dem damaligen Verfahren des "Auserwähltseins" buchstäblich unter den Tisch fielen. Daß andererseits wieder Kopien derselbigen auftauchten, änderte am Beschluß nichts.

Gruß
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#3
Neben der Bibliothek von Alexandria ist auch der Bücherindex des Vatikan erwähnenswert, wenns um christliche Vernichtung von Büchern geht.
"What can be asserted without proof can be dismissed without proof." [Christopher Hitchens]
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#4
@Angelika
Leider hat Dir da die Technik einen Streich gespielt. Daher meine Nachfrage, unabhängig davon wer hier beliebter war.

Gruß
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#5
Es gab auch keine gegen die Werke des Aristoteles gerichtete, kirchlich autorisierte Büchervernichtungsaktion. Dass Aristoteles kirchlicherseits über lange Zeit weniger geschätzt war als platonische Ideen, stimmt. Die von Boëthius ins Lateinische übertragenen Schriften des Aristoteles zur Logik waren aber durchaus anerkannt.

Es waren vor allem christliche Texte, die als häretisch befunden wurden, und jüdische Schriften, die Vernichtungsaktionen zum Opfer fielen.

Obwohl es Verbote gab, die Schriften des A. zur Naturphilosophie und Metaphysik für den Unterricht zu nutzten, nahm beispielsweise die Universität Paris 1255 alle bis dahin bekannten Schriften des A. in das Vorlesungsprogramm auf.
MfG B.
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#6
(22-09-2010, 18:57)humanist schrieb: Neben der Bibliothek von Alexandria ist auch der Bücherindex des Vatikan erwähnenswert, wenns um christliche Vernichtung von Büchern geht.
Die Vernichtung von Büchern ist eh Schwachsinn weil Literatur schriftlich und mündlich existiert.
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#7
(22-09-2010, 18:57)humanist schrieb: Neben der Bibliothek von Alexandria ist auch der Bücherindex des Vatikan erwähnenswert, wenns um christliche Vernichtung von Büchern geht.

Was du meinst ist sicher der Index Librorum Prohibitorum und der stammt aus dem Jahre 1542 eingeführt und ist römisch-katholisches, kein allgemein christliches Verbot. Vielmehr gehörte die Liste zu den Maßnahmen der Gegenreformation. Aristoteles stand aber auch nie auf dieser Liste.

Welche Bibliothek in Alexandria meinst du? Wissen tut man nur, dass Christen die Bibliothek des Serapeion zerstörten. Das wurde übrigens auch nicht wegen der Bücher da drin zerstört, sondern weil dort heidnischer Kultus stattfand. Bei der Bibliothek des Museion (das ist die größere und bekannte) weiß man es nicht wirklich genau.

All die Dinge sind natürlich abzulehnen, sind aber nun einmal trotzdem passiert. Aber gegen die Werke des Aristoteles richteten sie sich alle nicht.
Setzt alles daran, durch die enge Tür einzutreten! Denn das sage ich euch: Viele werden versuchen einzutreten, und es wird ihnen nicht gelingen. (Lk 13,24)
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#8
(22-09-2010, 18:30)alwin schrieb: Nun, die bestehende Ansammlung von Schriften in Alexandria wurde tatsächlich nachweislich (kann gerne den Bezug ordern) von Christen, per Brand zerstört, da sie befürchteten, daß hier ungeliebte Schriften vorliegen könnten. Ferner wurden nach dem Konzil von Nicea (ca 300 n.Chr.) auch Schriften vernichtet, die unter dem damaligen Verfahren des "Auserwähltseins" buchstäblich unter den Tisch fielen. Daß andererseits wieder Kopien derselbigen auftauchten, änderte am Beschluß nichts.

Gruß

Zu Alexandria siehe meinen vorherigen Beitrag. Was genau meinst du? Wirklich systematische Bücherverbrennungen fanden in Alexandria statt als Muslime die Stadt eroberten. Aber da gab es das Museion der allergrößten Wahrscheinlichkeit nach gar nicht mehr.

Das Erste Konzil von Nicäa war 325 nach Christi und in dessen Folge ließ Konstantin I. Schriften des Arius verbrennen. So Effektiv kann das aber nicht gewesen sein, immerhin ging der Arianische Streit bis zum Konzil von Konstantinopel 381. Diverse Bischöfe und Kaiser waren nach dem Ersten Konzil von Nicäa noch Arianer, deswegen konnte der Konflikt sich ja so lange hinziehen. Welche Schriften sollen auf dem Konzil selbst vernichtet worden sein?

Ich finde es trotzdem schlimm, wenn etwas von Menschen verbrannt wird, aber trotzdem kann zu dem Zeitpunkt nur sehr begrenzt von systematischer Ausmerzung arianischer Literatur gesprochen werden. Die kam eher nach dem Ende des Streites, aber weniger durch Verbrennen als durch simples nicht kopieren.
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#9
(22-09-2010, 19:16)alwin schrieb: @Angelika
Leider hat Dir da die Technik einen Streich gespielt. Daher meine Nachfrage, unabhängig davon wer hier beliebter war.

Gruß

Was meinst du?
Setzt alles daran, durch die enge Tür einzutreten! Denn das sage ich euch: Viele werden versuchen einzutreten, und es wird ihnen nicht gelingen. (Lk 13,24)
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#10
(22-09-2010, 21:58)Bion schrieb: Es gab auch keine gegen die Werke des Aristoteles gerichtete, kirchlich autorisierte Büchervernichtungsaktion. Dass Aristoteles kirchlicherseits über lange Zeit weniger geschätzt war als platonische Ideen, stimmt. Die von Boëthius ins Lateinische übertragenen Schriften des Aristoteles zur Logik waren aber durchaus anerkannt.

Es waren vor allem christliche Texte, die als häretisch befunden wurden, und jüdische Schriften, die Vernichtungsaktionen zum Opfer fielen.

Obwohl es Verbote gab, die Schriften des A. zur Naturphilosophie und Metaphysik für den Unterricht zu nutzten, nahm beispielsweise die Universität Paris 1255 alle bis dahin bekannten Schriften des A. in das Vorlesungsprogramm auf.

Nun ich habe das auch nicht behauptet. t.l. setzt hier immer wieder solche Dinge in die Welt.

Zu sagen ist noch, dass die Universität von Paris neben Rom lange zeit das Zentrum christlicher Theologie war.
Setzt alles daran, durch die enge Tür einzutreten! Denn das sage ich euch: Viele werden versuchen einzutreten, und es wird ihnen nicht gelingen. (Lk 13,24)
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#11
(23-09-2010, 02:24)Angelika schrieb: Wirklich systematische Bücherverbrennungen fanden in Alexandria statt als Muslime die Stadt eroberten

dazu wüßte ich gerne näheres und genaueres

bitte mit quellenangabe
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
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#12
(26-09-2010, 04:24)petronius schrieb:
(23-09-2010, 02:24)Angelika schrieb: Wirklich systematische Bücherverbrennungen fanden in Alexandria statt als Muslime die Stadt eroberten

dazu wüßte ich gerne näheres und genaueres

bitte mit quellenangabe
Wenn "d.n." nichts dagegen hat und löscht, möchte ich Dir wiederholt in Bezug zu der Bücherverbrennung in Alexandria posten, das sogar Heute noch, von Moslems, Schriften, die dem Koran widersprechen, bekämpft oder vernichtet werden.
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#13
Ich habe gelöscht, indymaya und ich habe dir eine PN geschrieben, dass du über "Meinungsäußerung im Islam" ein eigenes Thema aufmachen solltest und hier nur über das Threadthema diskutierst. Das Forum ist doch groß genug, die Dinge einzeln zu diskutieren :)
Gruß
Motte

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#14
Kamen nicht die griechischen Philosophen über Umwege aus arabischen Schriften wieder nach Europa?
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#15
Das was noch erhalten war - m.W.n. ja.

Bekannt ist jedenfalls, das arabische Gelehrte einige altgriechische Schriften in's arabische übersetzten und die Übersetzungen dann wiederum Basis für Übersetzungen in's Lateinische waren.
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