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Christliches Menschenbild
#1
Zitat Bernhard Bueb:

"Der Mensch ist eine »gefallene« Natur, er vereinigt in sich Gut und Böse, er braucht mehr als nur Begleitung, er braucht Führung, um zu lernen, das Gute in sich zu stärken und das Böse zu zügeln."

Die Zeit, Streitgespräch vom 1. März 2007

In wieweit finden das die hier im Forum vertretenen Christen eine akkurate Beschreibung des christlichen Menschenbildes ?

Und wenn ja, mit welcher Begründung ? Ich bin nämlich schon der Meinung, dass man Weltsichten, egal welcher Art, begründen können sollte, oder, um es anders auszudrücken. Warum glaubt man, das gerade die Einschätzung der Wirklichkeit, die man hat, eine akkurate Beschreibung davon ist.


Mfg

Glaurung40
#2
Welches "Christliche Menschenbild meinst Du? Das Bild von den Menschen, die sich zu ihren Lebzeiten auf das vom Namensgebers des Christentums angekündigte Letzte Gericht und das Ende aller Dinge vorbereiten sollten, das Jesus in seinen Endzeitreden laut Matthäus Kapitel 24 und 25, Markus Kapitel 13 und Luk. Kapitel 21 SEINEN Zuhörern geschildert und ihnen mitgeteilt haben soll, was DIESE dabei erleben werden? Dieses Bild wird so beschrieben:

„Alle Gläubiggewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer bedürftig war. Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot, nahmen Speise mit Frohlocken und Schlichtheit des Herzens“ (Apg. 2, 44-46)
#3
Das waren Juden, das mit dem Tempel wäre schwierig.
Wo ist denn der nächste ?
#4
@Sucher

Ich dachte meine Frage oben ist eindeutig und präzise. Bernhard Bueb nimmt für seine Pädagogik nach eigener Aussage das christliche Menschenbild zur Grundlage. Was er darunter versteht, siehe Zitat. Passagen aus der Bibel beantworten meine Frage nicht.
#5
Naja, ich denke, in einem Christlichen Menschenbild steht nicht die Bekenntnis zum christlichen Glauben im Vordergrund, sondern menschliches Mitgefühl. In diesem Sinne sind Christen oft nur schwer von anderen Menschenbildern zu unterscheiden.
Sogar Jesus soll sich da nicht immer leicht getan haben, was sich zumindest aus dem Gleichnis mit dem beherzten Samariter recht gut aus den Gleichnissen herauslesen lässt.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
#6
Noch mal, vielleicht habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt, oder der Satz von Bueb ist nicht angekommen. Mir geht's genau darum, wie im Christentum der Mensch an sich (bzw. die menschliche Natur, wenn man so will) definiert wird, das verstehe ich eigentlich unter Menschenbild, ich dachte mal ihr auch. Darum die Bitte an die Forumsteilnehmer in euren Beiträgen darauf Bezug zu nehmen, danke.
#7
(12-01-2014, 14:13)Glaurung40 schrieb: Zitat Bernhard Bueb:

"Der Mensch ist eine »gefallene« Natur, er vereinigt in sich Gut und Böse, er braucht mehr als nur Begleitung, er braucht Führung, um zu lernen, das Gute in sich zu stärken und das Böse zu zügeln."

Die Zeit, Streitgespräch vom 1. März 2007

In wieweit finden das die hier im Forum vertretenen Christen eine akkurate Beschreibung des christlichen Menschenbildes?
Na, dieses kurze Zitat umfasst das so genannte christlich geprägte Menschenbild in nur sehr schmalspuriger Weise: Ja, es stimmt, der Mensch wird als "erlösungsbedürftig" betrachtet. Wenn man unsere Theologen danach fragt, dann kommt ziemlich viel Text ohne konkreten Inhalt. Im Grunde ist der "Mitmensch" gemeint, der Würde hat, Mitleid verdient, dem Achtung und Gerechtigkeit zu widerfahren hat. Und nur, weil das nicht so ganz der menschlichen Natur entspricht, weil unsere Überlebensreflexe einen gewissen Grad von Egoismus erfordern, kommt es zu Konflikten mit für den anderen schädlichen Handlungen, Sünden genannt. Diese müssen in Akten der Versöhnung wieder in Ordnung gebracht werden. Dass das Ganze auf dem Hintergrund der Gottesvorstellung stattfindet, kann man genauso gut auf den Hintergrund der Menschengemeinschaft abbilden.

(12-01-2014, 14:13)Glaurung40 schrieb: Und wenn ja, mit welcher Begründung?
Eigentlich lautet meine Antwort: "Nein, die zitierte Aussage entspricht nicht akkurat dem christlichen Menschenbild". Es handelt sich um eine sehr spezielle Sichtweise, die vom Menschen mehr verlangt, als er idealerweise an Altruismus geben kann. Die Folge ist natürlich ein ewiger Korrekturprozess in Richtung der o. g. Idealvorstellungen. Andererseits gibt es auch bei nicht-christlicher Betrachtungsweise kaum eine Alternative, weil die Konflikte Ausflüsse der Eigenart des Menschen sind, in Gesellschaft zu leben.

(12-01-2014, 14:13)Glaurung40 schrieb: Warum glaubt man, dass gerade die Einschätzung der Wirklichkeit, die man hat, eine akkurate Beschreibung davon ist.
Ich kann der Frage keine Antwortmenge entnehmen. Ich kann deshalb nur raten, was du meinen könntest.
Im Allgemeinen bin ich nicht der Ansicht, dass "meine Lebensart" diejenige aller sein sollte, auch wenn ich mir mehr Gelassenheit in weltanschaulichen Fragen wünschte. "Wirklichkeit" halte ich für zu hoch gegriffen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
#8
(12-01-2014, 22:50)Ekkard schrieb: Na, dieses kurze Zitat umfasst das so genannte christlich geprägte Menschenbild in nur sehr schmalspuriger Weise: Ja, es stimmt, der Mensch wird als "erlösungsbedürftig" betrachtet. Wenn man unsere Theologen danach fragt, dann kommt ziemlich viel Text ohne konkreten Inhalt. Im Grunde ist der "Mitmensch" gemeint, der Würde hat, Mitleid verdient, dem Achtung und Gerechtigkeit zu widerfahren hat. Und nur, weil das nicht so ganz der menschlichen Natur entspricht, weil unsere Überlebensreflexe einen gewissen Grad von Egoismus erfordern, kommt es zu Konflikten mit für den anderen schädlichen Handlungen, Sünden genannt. Diese müssen in Akten der Versöhnung wieder in Ordnung gebracht werden.

Das ist jetzt aber auch kein konkreter Inhalt.

Wie sieht sowas praktisch aus, wie arbeite ich meine angeborene Schuld ab.
Wann weiss ich, es ist bezahlt, bleibt mir jetzt von den Hacken ?

Ich tu dir was Gutes und wenn ich dich zwingen muss, das anzunehmen ?
#9
(12-01-2014, 18:59)Glaurung40 schrieb: @Sucher

Ich dachte meine Frage oben ist eindeutig und präzise. Bernhard Bueb nimmt für seine Pädagogik nach eigener Aussage das christliche Menschenbild zur Grundlage. Was er darunter versteht, siehe Zitat. Passagen aus der Bibel beantworten meine Frage nicht.

Wenn Bernhard Bueb mit dem christlichen Menschenbild meint, dass die Menschen "Naturen" mit guten und bösen Eigenschaften sind, wird ihm kaum jemand wider sprechen. Wenn es aber einer Führung von OBEN her bedarf, dann kann sich für einen Christen Führung doch nur auf den Gott beziehen, der in der Bibel behauptet wird. Also auf die lenkenden Forderungen durch Gott an die Menschen, etwa zur Nächstenliebe. Wenn dann aber der Forderer der Nächstenliebe die Menschen, die sie nicht konsequent geübt haben, mit der Ewigen Pein im Feuer bestrafen will, wie das in Matth. 25, 41-46 steht, sollte sich nach meiner Meinung jeder Christ fragen, ob er solche nach meiner Meinung an Hirnrissigkeit unübertreffliche Widersprüche glauben kann. Wenn er sich dann noch überlegt, dass Jesus laut Matth. 5, 17-19 die Thoragesetze bis zum Vergehen der Erde NICHT aufgelöst haben wollte, dass also diese Gesetze Gottes bis zum Vergehen der Erde die Menschen LENKEN sollten, wird es schwer für ihn, auf der Basis der Bibel weiter seine eigene Meinung zu bilden. Wenn er sich dazu noch fragt, weshalb auf den Armutsgeboten Jesus, die besagen, allen Besitz zu verkaufen und mit den Armen zu teilen und dass ein Reicher keine Chance hat, in das Himmelreich zu gelangen, die reichste Religionsorganisation der Erde aufgebaut wurde und das Gottesgnadentum mit ihren Leibeigenen, sollte er sich fragen, was dass noch mit dem Namensgeber des Christentums zu tun hat und der von diesem geforderten Lenkungsforderungen.

Da Du Deine Frage aber an die Christen gerichtet hast, klinke ich mich vorerst aus dem Thread aus. Als ehemaliger Christ aber noch meine Meinung: auf der Basis der Bibelbeschreibung eines giftigsten Feindes der Religionsfreiheit, der das Taufen aller Menschen auf den Namen des Dreifaltigen Christengottes gefordert hat und der alle verdammt, die sich nicht zu diesem Glauben bekehren, kann NIE ein friedliches Miteinander aller Menschen realisiert werden.
#10
Ich Würde jetzt mal sagen @ Sucher

Christen gibt es so viele unterschiedliche, wie es unterschiedlich viele Christen gibt. Es gibt viele liebe und nette Christen, die einfach nur menschliche Menschen sind. Dann gibt es auch sehr viele unduldsame Christen, die von ihren Mitmenschen mindestens eine gleich hohe Moral fordern, wie die in der sie sich selber gefallen würden.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
#11
(12-01-2014, 14:13)Glaurung40 schrieb: Zitat Bernhard Bueb:

"Der Mensch ist eine »gefallene« Natur, er vereinigt in sich Gut und Böse, er braucht mehr als nur Begleitung, er braucht Führung, um zu lernen, das Gute in sich zu stärken und das Böse zu zügeln."

Die Zeit, Streitgespräch vom 1. März 2007


Wenn man die Frage nicht kennen würde, könnte man garkeinen
Bezug zu speziell christlich herstellen.

Was ist eigentlich ein Alleinstellungsmerkmal beim christlichen Glauben.

Ich sehe da eigentlich keines.
Hat wirklich jeder gläubige Christ das Gefül abgrundschlecht
geboren worden zu sein ?

Wie erkenne ich einen "guten Führer".
Blindgläubigkeit kanns ja wohl nicht sein.
Das wäre ein schwaches Menschenbild.
#12
(13-01-2014, 21:57)Geobacter schrieb: Ich Würde jetzt mal sagen @ Sucher

Christen gibt es so viele unterschiedliche, wie es unterschiedlich viele Christen gibt. Es gibt viele liebe und nette Christen, die einfach nur menschliche Menschen sind. Dann gibt es auch sehr viele unduldsame Christen, die von ihren Mitmenschen mindestens eine gleich hohe Moral fordern, wie die in der sie sich selber gefallen würden.

Richtig
#13
Das Herr Bueb als langjähriger Rektor einer Privilegiertenschule, den Mensch als duales Wesen sieht, überrascht jetzt eigentlich nicht. Auch das sich nicht alle Christen hier eins zu eins zustimmen, ist keine Sensation.

Fragt man allerdings mal etwas nach, liegen die meisten "christlichen Menschenbilder" nicht soweit davon entfernt. Dualismus ist weit verbreitet. Auch von Menschen die sich selbst als "nicht so religiös" bezeichnen, höre ich immer wieder solche Sätze wie "In jedem steckt etwas Gutes", was schon impliziert, "das Böse" ist die "normale Natur" des Menschen, "das Gute" muss man beigebracht bekommen (durch wen auch immer).

Ich fand das Zitat oben eigentlich eine sehr gute Beschreibung dessen, was, zumindest im christlichen Kulturkreis, so eine Art Grundphilosophie ist. Sicher in verschieden extremen Abstufungen, aber dennoch fundiert in dem (Aber)Glauben, Gott ist das Gute, der Teufel das absolut Böse und der Mensch liegt in diesem Spannungsfeld irgendwie dazwischen.

Ohne jetzt genau zu definieren, was denn "das Böse" oder "das Gute" ist, geschweige denn, ob sich diese Simplifizierung durch Beobachtungen bestätigen läßt, bzw. (dafür bekomme ich sicher wieder SchelteIcon_wink), wissenschaftlich fundiert ist, finden sich viele in solcher Polemik wieder.
#14
(14-01-2014, 10:39)Glaurung40 schrieb: Auch von Menschen die sich selbst als "nicht so religiös" bezeichnen, höre ich immer wieder solche Sätze wie "In jedem steckt etwas Gutes", was schon impliziert, "das Böse" ist die "normale Natur" des Menschen, "das Gute" muss man beigebracht bekommen (durch wen auch immer).

Ich glaube, solche Aussagen wollen mehr die Eigenschaften eines Menschen hervorheben, die aus der stinknormalen Gleichgueltigkeit als Grundhaltung hervorragen. Letztere ist erst einmal nicht an und fuer sich boese. Dort einfachen Dualismus hineinzuinterpretieren halte ich fuer zu kurz gegriffen. Auch das "in jedem steckt" als Formulierung impliziert, dass das nicht beigebracht, sondern angeboren ist. Es soll mehr ausdruecken, dass es manchmal eines kleinen Tritts bedarf, um diese innere Eigenschaft zu aktivieren.
#15
(14-01-2014, 10:39)Glaurung40 schrieb: Ich fand das Zitat oben eigentlich eine sehr gute Beschreibung dessen, was, zumindest im christlichen Kulturkreis, so eine Art Grundphilosophie ist.

Da Du auch von Polemik geredet hast: dass wir Gesetze benötigen, die festlegen, was "gut" ist und "böse", um das menschliche Miteinander gewissermaßen von OBEN her zu regeln, ist klar. Viele der Gesetze, dessen Einhaltung bis zum Vergehen der Erde der Namensgeber des Christentums unmissverständlich gefordert hat, beachtet heute so gut wie kein Christ mehr. Das gilt auch für die Forderungen Jesus, die Feinde zu lieben und allen Besitz mit den Armen zu teilen und den Unterdrückern zu geben, was diese fordern. Das Einhalten dieser Gesetze und Forderungen aber müsste laut Jesu Christi das Weltbild eines Christen sein. Hältst Du diese Gesetze und Forderungen für sinnvoll?


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