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Jesus-Zitate
Zitat:er ließ sich schmähen, foltern, kreuzigen und töten ohne jemals Unrecht getan zu haben. Wieviel mehr Vorbild verlangst du?
Was ist daran vorbildhaft? Wer soll was daraus lernen? Ich glaube kaum, dass irgend jemand etwas von einem Vorbild lernt, das sich foltern lässt, obwohl es sich jederzeit schützen könnte. Es gibt Menschen, die gern andere quälen, und die werden nicht damit aufhören, nur weil ihr Opfer unschuldig ist und/oder sich nicht wehrt. Jedenfalls nicht, so lange ihr Handeln gesellschaftlich akzeptiert oder (wie in diesem Fall) sogar geboten ist. Im Gegenteil! Und es gibt Menschen, die gequält werden und gar nicht dazu in der Lage wären, sich zu wehren, denn sonst würde es ihnen nicht so ergehen. Und dann gibt es noch die (hoffentlich möglichst große) Mehrheit, denen beides fremd ist.

In diesem Sinne hätte das Christentum der Menschheit mehr bringen können, wenn es die beispielsweise die Lehre beinhalten würde: "Du sollst niemandem Gewalt antun". Doch ein solches Gebot scheint es in keiner Religion zu geben (mir ist jedenfalls nichts in dieser Hinsicht bekannt). Höchstens bzgl. von Exzessen wie Mord.
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(21-09-2014, 17:13)Sinai schrieb: Zu den Jesus-Zitaten

Ich denke, daß die moderne Menschheit nicht mehr nach den Jesus-Zitaten leben kann.
Und ich meine, sie hat es früher auch nicht gekonnt. Im katholischen Mittelalter mit seiner Ständegesellschaft lebte man ganz sicher nicht nach den Jesus-Zitaten

Feindesliebe ? Ritter und Kreuzritter kannten sie nicht

Andere Backe hinhalten ? Ebenso unbekannt

Den Bauernhof verkaufen und das Geld den Roma geben ?
(Abgesehen davon war der Bauernhof ein Lehen und daher unverkäuflich)

Die katholische Ständegesellschaft mit ihren Zünften verhinderte Aufstieg und Abstieg
Auf das zweitere vergißt man gerne.

Der Sohn des Tischlers konnte kein Anwalt werden (was ihm eh keinen Spaß gemacht hätte, auf der Uni zu hocken und Latein zu studieren), aber er konnte auch nicht absinken zum Straßenkehrer


Nun leben wir aber in einer modernen Gesellschaft.
Die Zünfte wurden 1848 aufgehoben. Der Kapitalismus zog ins Land. Am Anfang noch sehr begrüßt, man hatte viele Hoffnungen und Illusionen wie die Moskauer Bürger 1989

Nach zwei Weltkriegen ist nun Europa im kapitalistischen Boot der angloamerikanischen Weltmacht.
Die heutige Phase des Kapitalismus heißt Konsumgesellschaft oder Wegwerfgesellschaft

Du schreibst: "Der Konsumtionismus ist ein Phänomen des modernen Kapitallismus. Ich bin auch dafür, uns von seiner Stumpfheit zu befreien."


Es gibt eben nur die Demokratie, die zwangsläufig zum Kapitalismus führt (freie Allokation der Produktivkräfte) oder die staatliche Planwirtschaft, die aber nur in einer Diktatur existieren kann

Alles andere ist Träumerei.
Entweder Konsumgesellschaft wie die USA oder Planwirtschaft wie die UdSSR

Dazwischen gibt es einzelne Utopisten, wie etwa Bernstein mit seiner Idee, den Kapitalismus menschenfreundlich zu machen. Das ist die Idee des rechten Flügels der Sozialdemokratie. Ging einige Jahre gut, aber dann stieg eben das Lohnniveau, es stiegen die Lohnnebenkosten. Dadurch ist Deutschland als Industriestandort nicht mehr interessant, nicht mehr wettbewerbsfähig. Keiner baut mehr eine Fabrik in Deutschland, sondern in den bitterarmen Niedriglohnländern. Wenn die Leute dort in 10 Jahren Sozialstandards durchsetzen, wird dort dicht gemacht und die Produktion wandert ins nächste echte Niedriglohnland. Bei Audi sahen wir das. Nach der Wende baute Audi ein großes Werk in der Slowakei. Als dann nach 10 Jahren die Löhne dort stiegen, machten sie dicht und gingen nach Rumänien. Jetzt ist dort das neue Audi Werk. Wenn dann in 10 Jahren in Rumänien die Arbeiter ihre Rechte fordern, wird es in die Ukraine gehen, dann wohl nach Rußland, dann wohl nach Tschetschenien usw.

Unter der Prämisse einer offenen Volkswirtschaft ist jeder Versuch, das Lohnniveau langfristig zu erhöhen, eine Utopie

Wenn offene Grenzen sind (es gibt Importe), dann ist die heimische arbeitnehmerfreundliche Industrie nicht konkurrenzfähig. Geht zugrunde. Werksschließungen

Der Bürger ist ja selber schuld. Er will billige Ware kaufen. Kauft Ware aus dem Ausland. Und schaut dann ungläubig, wenn "sein" Werk geschlossen wird. Das kann man nur beenden, wenn der Staat die Grenzen dicht macht. Und solange die Leute noch glücklich sind, weil sie billige Computer und Autos aus dem Ausland kaufen können, wird es auch so weitergehen. Kurz gesagt: "Jeder kauft billige Importware und hofft, daß der Nachbar so blöd ist, teure deutsche Ware zu kaufen". Aber das funktioniert eben nicht, wie man sieht.

Dann kommt noch dazu, daß sich das Kapital ein neues, rechtloses und billiges Proletariat ins Land geholt hat.
Als Lohndrücker !

Und die Linke sieht zu . . . findet das prickelnd und super, daß da Leute aus der Dritten Welt ins Land kommen.

Daß diese bedauernswerten Menschen die Funktion des Lohndrückers haben, und somit ein wichtiger Hebel des Kapitalismus sind, wird geleugnet

Um beim Thema der Jesus-Zitate zu bleiben: die Ablösung der traditionellen europäischen Welt mit ihrer katholischen Lebensweise durch den Rechtspositivismus der Demokratie führte zum Kapitalismus mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Am Anfang ist der Kapitalismus immer wunderbar. Die einzelnen Menschen nehmen Kredite auf, der Staat macht ebenso Schulden, um einen Sozialstaat zu errichten, Politiker lassen sich als Wohltäter feiern, alles ist eitel und Wonne.

Aber nach 10, 15 oder 20 Jahren kommt der Zahltag. Dann müssen die Schulden netto zurückgezahlt werden. Und dann wird es bitter ! Denn irgendwann ist der Punkt erreicht wo keine Großbank mehr neuen Kredit gibt, um alte Schulden zurückzuzahlen und die aufgelaufenen horrenden Zinsen zu bezahlen. Irgendwann ist die Illusion des Pumps vorbei. Bei Privatpersonen und bei Staaten.

Nun ist die europäische Gesellschaft an einem Totpunkt angelangt. Es geht nicht vorwärts und auch nicht zurück.

Die gegenwärtige Mißwirtschaft zuckt in de letzten Zügen. no future Generation
Der Optimismus von früher ist weg !

Aber wohin ?

1.) Zurück zur feudal geprägten katholischen Zünftegesellschaft ? Das wird nicht gehen. Denn dann will jeder in einen hohen Stand, und keiner wird freiwillig in die Zunft der Straßenkehrer gehen. Keiner läßt sich runterdrücken in einen niedrigen Stand. Das ist somit ausgeschlossen. Eine Welt nach biblischem Muster ist nicht mehr denkbar

2.) Zurück zur leninistischen Planwirtschaft ? Auch das wird nicht gehen. Kein Dresdner will eine neue DDR
Ja, vielleicht ein paar Prozent der dortigen Bevölkerung, aber keine satte Mehrheit

Die Jesus-Zitate helfen dem heutigen Menschen auch nicht weiter.
Dem Menschen fehlt die traditionelle handfeste christliche Gesellschaft.

Jesus-Zitate jedoch sind eine zu dünne Suppe. Nicht operational
Damit kann doch keiner was anfangen. Das ist für einzelne bibelgläubige Fundamentalisten interessant, für Bibelleser. Und die arbeiten nicht. Einen Staat aufbauen kann man jedenfalls nicht auf so weltfremden Forderungen, wie die daß jeder sein Haus verkaufen soll und das Geld gemeinsam mit den Armen verfressen soll . . .

Oder ist da gar gemeint, man soll sein Haus verkaufen und das Geld den Armen geben, damit die es verfresen, aber der edle Spender darf beim großen Festschmaus nicht dabei sein . . . ?
Eusa_dance

Das würde dem Ganzen noch die Krone aufsetzen. Würde mich nicht wundern


Liebe Leute!
Ich habe diesen alten Thread gefunden - und mir kam es, dass er für die derzeitigen Jesus-Diskussionen interessant sein könnte
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