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Ist der Islam noch zu retten?
#1
Eine kurze Rezension und Empfehlung:

"Ist der Islam noch zu retten?" - so lautet der Titel einer Streitschrift zwischen dem Islamkritiker Hamed Abdel-Samd und dem islamischen Theologen (Uni Münster) Mouhanad Khorchide, welche in diesem Jahr als Buchform herauskam. Anhand von 95 "Thesen" (in Anlehnung an Luthers 95 Thesen) diskutieren die beiden in jeweils kurzen Schriftwechseln über die Möglichkeit und Form einer Reformation des Islams.

Beide Autoren argumentieren hierbei sachlich und mit gegenseitigem Respekt und beziehen sich in ihren jeweiligen Argumenten auf die Schriften des Islams, den historischen Kontext sowie die unterschiedlichen Gelehrtenmeinungen.
Insbesondere der historische Kontext wird von Beiden immer wieder angemerkt und in vielen Fragen gibt es eine eindeutige Übereinstimmung, etwa was Fundamentalismus, die Vermischung von Religion und Politik oder die Unheinheitlichkeit der Aussagen des Korans angehen.

Es gibt jedoch auch deutliche Unterschiede, vor allem was die Grundlage der jeweiligen Standpunkte angeht:
Khorchide betont zwar ebenfalls die Notwendigkeit der historischen Einordnung der Entstehung des Korans und die lange Zeit welche zwischen dem Leben Mohammeds und der Niederschrift der Hadhite bestand. Er geht jedoch nicht den finalen Schritt, der absoluten historischen (und damit verweltlichenden) Einordnung, da er davon ausgeht, dass sich im Koran in der Tat eine von Gott gesandte Botschaft verbirgt.
Abdel-Samad geht hier weiter und argumentiert, dass der gesamte Koran menschengemacht sei.
Auf diesen beiden Standpunkten beruhen dann auch im Wesentlichen die jeweiligen Argumente der beiden Autoren und man muss beiden (unter Berücksichtigung eben dieser Standpunkte) auch durchaus eine stringente Argumentationsführung attestieren. Das Buch spricht daher sowohl liberale Muslime als auch Islamkritiker gleichermaßen an und beide werden, neben guten Argumenten für ihre eigene Sichtweise, auch interessante Aspekte der jeweils anderen Seite kennen lernen.

Wie ist nun meine Sicht als naturalistischer Atheist?
Nun, Khorchide wirft Abdel-Samad insbesondere zu Beginn häufiger vor, selektiv Suren zu zitieren und mit seiner wortwörtlichen Auslegung die Sichtweise der Fundamentalisten zu übernehmen. Abdel-Samad verweist daraufhin jedoch korrekterweise, dass Khorchide ebenfalls selektiv vorgeht (etwa wenn er Suren für seine These anbringt, Gott sei vor allem Barmherzigkeit) und das die absolute Setzung des Korans in den historischen Kontext gerade nicht die fundamentalistische Sichtweise begünstigt, da auch Allah dann lediglich als von Mohammed erschaffener Gott betrachtet werden muss.
Und an diesen, von ihrem Fundament her halt doch sehr unterschiedlichen Positionen krankt auch ein wenig die Diskussion der beiden Autoren. Denn von ihrem jeweiligen Standpunkt aus betrachtet, haben beide durchaus Recht. Es kann jedoch zu keiner wirklichen Überzeugung des jeweils Anderen kommen, aufgrund der grundlegend verschiedenen Grundannahmen.
Als Nichtgläubiger tendiert man dann jedoch eher zu den Argumenten Abdel-Samads. Insbesondere die Widersprüchlichkeit des Korans lässt sich im Kontext der jeweiligen Zeit und insbesondere mit dem Menschen Mohammed (und nicht dem von Gott gesandten Propheten) wesentlich rationaler und zugänglicher erklären. Khorchides Ansichten wirken dann häufig sehr exergetisch und darum bemüht, einen alten Text aus einer anderen Stufe der menschlichen Kulturentwicklung auf die heutige Zeit zu übertragen. Man hat jedoch (als Nichtgläubiger und Naturalist) bald das Gefühl, dass die Aufhebung des Gottesbezuges bzw. die Negation der Existenz Gottes viele Widersprüche wesentlich einfacher aufhebt.

Fazit: Trotz der gegenteiligen Grundannahmen und der damit fehlenden Möglichkeit einer Einigung beider Autoren, ist das Buch definitiv eine Empfehlung wert. Zum einen, weil es die islamkritische und liberal islamtheologische Sichtweise auf sehr interessante und zugängliche Art und Weise beleuchtet und die Hauptargumente für beide Positionen in knapper aber guter Form aufzeigt.
Vor allem aber auch, weil es ein Lehrstück für Diskussion und Austausch im religiösen Diskurs darstellt und dessen Sachlichkeit und respektvollen Umgang miteinander man sich auch in anderen Bereichen nur wünschen kann.

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#2
Ich denke der Säkularismus ist das Beste was dem Islam passieren konnte, da ist es nicht in einem Vakuum eingeschlossen wie z.B in Saudi Arabien oder Iran.
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