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Großgemeinden : Grenzen des Wachstums
#1
Guten Tag,

... ich kenne in meinem Umfeld immerhin schon 2 Großgemeinden (GdGs) welche 16 Pfarren umfassen. Die Umsetzungsüberlegung zu Mega-Großgemeinden von 20 bis 30 Pfarren ist in einigen ländlichen Gegenden möglicherweise nicht mehr aufzuhalten. Wenn das geschieht kann endgültig der lokale Bezug verloren gehen. Der Umstand, dass ein Pfarrer nur wie ein Wanderarbeiter auftaucht und wieder verschwindet befremdet sicherlich. Diese Entwicklung könnten vielleicht die Lektoren etwas mildern, mehr aber nicht.

Nach meinem Eindruck ist selbst eine Struktur von 16 - 20 Pfarren in einer sog. Weggemeinschaft (GdG) noch zu groß um eine Anonymisierung zu vermeiden. Ich habe große Zweifel, dass dieses Problem überhaupt in den jeweiligen Bistumsverwaltungen als relevant gesehen wird.
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#2
(05-11-2018, 13:16)Kreutzberg schrieb: Der Umstand, dass ein Pfarrer nur wie ein Wanderarbeiter auftaucht und wieder verschwindet befremdet sicherlich.

Das befremdet nicht

Hier muß man sagen, daß durch die Motorisierung eine ganz andere Geographie entstanden ist.
Früher war der Pfarrer in seiner Gemeinde tätig -  es war  e i n e  Gemeinde. Die Kirche war voll gefüllt.

Heute ist eine völlig andere Situation:
A) Die Kirchen sind alle fast leer. Abgesehen von den überall auftretenden alten Frauen, die die Kirche als "Wärmestube" nutzen oder bestenfalls als "Begegnungszone" ist kaum jemand drinnen. Die alten Frauen kommen in die Kirche, um der Einsamkeit zu entrinnen und ein wenig unter Leute zu kommen, und nach der Kirche ein wenig plaudern zu können, gerne auch bei einem Stückchen Kuchen im Pfarrheim . . .
Oft alte Witwen, die niemanden haben. Sie benötigen keine seelsorgerliche Betreuung und wollen eine solche gar nicht. Sie kommen wegen der schönen Musik und der vielen freundlichen Gesichter . . .
Die wenigen jungen Leute brauchen seelsorgerliche Betreuung (Probleme in den Schulen, Fragen der Liebe, Fragen der Kindererziehung etc etc etc) - aber da zahlt sich kein eigener Pfarrer aus.
Früher waren die Kirchen voll. Heute betreut ein Pfarrer mehrere Kirchen. Radius vielleicht bis zu 20 Kilometer
Dies ist eigentlich günstig, denn dadurch kommt die erforderliche Zahl zusammen, ab der ein Pfarrer erst wirtschaftlich tragbar ist. Ein Pfarrer kostet ja auch Geld und erst eine bestimmte Zahl von Menschen kann diesen Aufwand tragen. Damit der Aufwand auf eine bestimmte Mindestzahl verteilt wird.
So wie Du es gerne hättest, würde das nicht funktionieren. Für ein Dutzend Ein-Kind-Familien zahlt sich kein Pfarrer aus - da würde bald der Kirchenbeitrag in ganz Deutschland explodieren !
Früher hatten auch Christen große Familien und 6 Kinder waren bei Bauernfamilien der Durchschnitt. Und fast alle Leute am Land waren Bauern (abgesehen vom Pfarrer, Arzt, Apotheker)

B) Es ist schon zu sagen, daß früher eine Fahrt in eine 15 Kilometer entfernte Nachbargemeinde eine Reise war.
Zu weit für eine Fußwanderung (da geht man 3 Stunden) - benötigte es ein Verkehrsmittel.
Ein Reitpferd war für einen Pfarrer unzumutbar (älterer Akademiker) - vor allem bei Regen, Matsch, Schneefall, Eisesglätte.
Damalige Straßen verwandelten sich nach drei Regentagen in Schlammpisten . . .
Ein bespannter Wagen war sehr teuer, mußte gereinigt und gewartet werden, und war langsam.
Autobusse gab es nicht. Außerdem kann ein Pfarrer nicht ein Netz von Gemeinden am Sonntag besuchen, wenn der Bus nur alle drei Stunden geht . . .
Damals mußte die Kirche im Dorf bleiben.

Heute steigt der Pfarrer in seinen Kleinwagen mit immerhin 50 PS und ist in zehn Minuten in der 15 Kilometer entfernten Kirche des Nachbardorfes !
Ich will damit sagen, daß eben die  E n t f e r n u n g e n  g e s c h r u m p f t  sind.

Heute ist der Bischof der Philippinen viel schneller in Rom, als im Jahre 1840 der Bischof von Venedig nach Rom brauchte.

Da soll man nicht über Entfernungen klagen.



Eine Bitte zur Terminologie:
(05-11-2018, 13:16)Kreutzberg schrieb: ... ich kenne in meinem Umfeld immerhin schon 2 Großgemeinden (GdGs) welche 16 Pfarren umfassen.
Nach meinem Eindruck ist selbst eine Struktur von 16 - 20 Pfarren in einer sog. Weggemeinschaft (GdG) noch zu groß

Bitte um klare Angaben, das ist verwirrend
Hat da jede der 2 Großgemeinden (GdGs) 16 Pfarren - somit in Summe 32 ?
Oder haben sie beide zusammen 32 ?  Beispielsweise eine 20 und die andere 12 ?
Was bedeutet das Kürzel GdGs ?

Was ist eine Weggemeinschaft ? Was bedeutet das Kürzel GdG ?
Ist eine solche Irgendwas mit 16 - 20 Pfarren nicht eh schon eine Großgemeinde ?

Ich kenn mich nicht aus, wovon Du überhaupt konkret redest. Andere Forumleser wohl auch nicht.
Ich habe bloß Deine Kritik erkannt, daß ein Pfarrer eine Gruppe von mehreren Kirchen (in der Praxis aber meist nicht mehr als drei) zu betreuen hat

Vielleicht solltest Du diese dir bekannten Gemeinden benennen. Welche Konfession haben sie ? RK AB HB ?
Und vor allem: wieviele Geistliche hat so eine echte Großgemeinde ?
Da ist wohl sicher nicht  e i n  Pfarrer, der das betreut, da stehen ihm wohl einige andere Geistliche seiner Pfarre zur Seite. Der Pfarrer ist das Oberhaupt, und in diesem Pfarrhaus wohnen noch drei andere Geistliche.
Zu viert sieht das schon anders aus.
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#3
Da fiel mir noch etwas ein. Auch früher hatten die Menschen nicht die Garantie auf "ihren" Pfarrer.

Wenn der Pfarrer der Dorfkirche krank war (damals ohne Antibiotika dauerte jede Grippe zwei bis drei Wochen), wenn er auf Urlaub war (jährlich ein Monat Heimurlaub bei seiner Familie), wenn er auf geistlichen Exerzitien war (jedes Jahr zwei Mal zwei Wochen), wenn er beim Bischof war, etc etc etc - dann sprang ein anderer, fremder Pfarrer wochenlang als Vertretung ein.

Im Schnitt war ein Pfarrer zwei bis drei Monate im Jahr nicht in seinem Dorf im Einsatz

Dann wohnte in diesen Zeiten der fremde Pfarrer in der Gästewohnung im Pfarrhaus und machte die wöchentlichen Sonntagsmessen, die Trauung, die Taufe, die Beerdigung, die Seelsorge
(05-11-2018, 13:16)Kreutzberg schrieb: . . . kann endgültig der lokale Bezug verloren gehen.


Wenn es Dich beruhigt, dann kann man sagen, daß durch die Motorisierung die "Dörfer" größer geworden sind.
Hatten sie früher einen Radius von zwei Kilometern, so ist er nun zwanzig Kilometer

Der lokale Bezug hat nun einen viel größeren Radius.

Auch der Radius der Jugendlichen hat sich verzehnfacht.
Die Jugendlichen fahren selbstverständlich mit dem Moped in die 20 Km entfernte Disco und haben dort Freunde

Am Samstag sitzt ja auch die Bauersfrau nicht mehr daheim  am Spinnrad, sondern fährt mit der ganzen Familie 20 Km zum Aldi einkaufen
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