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die Verlorenen Stämme Israels
#1
Ein interessantes Thema, wo es ernstzunehmende Meinungen gibt - aber auch viel Spekulation

Schauen wir in die Jewish Encyclopedia (New York - 1906)

TRIBES, LOST TEN:
"If the Ten Tribes have disappeared, the literal fulfilment of the prophecies would be impossible; if they have not disappeared, obviously they must exist under a different name."

Diese obige Aussage scheint logisch haltbar zu sein


TRIBES, LOST TEN:
"In the ninth century Eldad ben Mahli ha-Dani came forward, claiming to give specific details of the contemporary existence of the Ten Tribes and of their location at that time."

Dieser ha-Dani war ein Händler und Reisender des 9. Jahrhunderts und er schrieb einen Reisebericht:

ELDAD BEN MAHLI HA-DANI:
"Merchant and traveler of the ninth century.
On leaving the land "on the other side of the river of Kush," Eldad traveled with a man of the tribe of Asher. A great storm wrecked the boat, but God prepared a plank for him and his companion, on which they floated until thrown ashore among a cannibal Ethiopian tribe called "Romrom." (As to the existence in former times of such a tribe, see Metz in "Das Jüdische Litteraturblatt," 1877, No. 41.) The Asherite, who was fat, was immediately eaten, while Eldad was put into a pit to fatten. Soon after a fire-worshiping tribe assailed the cannibals, and Eldad was taken prisoner. He remained in captivity during four years, when his captors brought him to the province of Azanian (according to another version, to China), where he was ransomed by a Jewish merchant for thirty-two pieces of gold. Eldad continued his journey . . ."

Er sagt, daß er die Verlorenen Stämme gefunden hat.
Sein Reisebericht klingt sehr abenteuerlich ("cannibal") - das bedeutet aber nicht, daß er unglaubwürdig ist.

Vom Mainstream Judentum wurde er aber zu seiner Zeit sofort desavouiert, weil er die Blödheit begangen hat zu schreiben, daß vier der von ihm aufgefundenen israelitischen Stämme nicht die Begriffe "Tannaim" und "Amoraim" gekannt haben.

Die Tannaim und Amoraim waren rabbinische Gelehrtengenerationen: Tannaim 0-220, Amoraim 220-500

Doch wenn die Verlorenen Stämme Jahrhunderte vor dem Wirken der Tannaim und Amoraim vertrieben wurden, konnten sie deren Namen doch gar nicht kennen

Aber auch die rabbinische Literatur beschäftigte sich mit der Thematik der Verlorenen Stämme Israels, es wird ein legendärer Fluß Sambation genannt:

SAMBATION, SANBATION, SABBATION (SAMBAṬYON):
"In rabbinical literature the river across which the ten tribes were transported by Shalmaneser, King of Assyria . . ."

Aber auch Josephus Flavius schrieb über diesen Fluß:

SAMBATION, SANBATION, SABBATION (SAMBAṬYON):
"Josephus ("B. J." vii. 5, § 1) says that when Titus marched from Berytus (Beirut) to the other Syrian cities, driving before him the Jewish captives,
"he then saw a river . . . of such a nature as deserves to be recorded in history; it runs in the middle between Arcea, belonging to Agrippa's kingdom, and Raphanea. It hath somewhat very peculiar in it; for when it runs, its current is strong and has plenty of water; after which its springs fail for six days together and leave its channel dry; . . . after which days it runs on the seventh day as it did before; . . . it hath also been observed to keep this order perpetually and exactly; whence it is that they call it the Sabbatic River ["Sabbation" or "Sambation"]—that name being taken from the sacred seventh day among the Jews.""

Aber auch Plinius schrieb über diesen Fluß:

SAMBATION, SANBATION, SABBATION (SAMBAṬYON):
"Pliny, also, in his "Historia Naturalis" (xxxi. 2), speaks of the same river; but his observations are more in agreement with the Jewish spirit: he says that the river runs rapidly for six days in the week and stops on the seventh"

Dies klingt nach einem Stausee

Jedenfalls ein Fluß, der der mosaischen Wochenrechnung folgt.
Zwei Paradigmen sind denkbar:

An 6 Tagen tun die Israeliten alles, um den Fluß zu bremsen - am Sabbat lassen sie ihn gewähren
An 6 Tagen rinnt der Fluß, am Sabbat wird er zur Ruhe gezwungen

Es ist zu sagen, daß bereits in der Antike Staudämme bekannt waren:
Einerseits um Wasser für die Zeit der Dürre aufzusparen, andererseits um die Siedlungen vor Überschwemmungen nach starken Regenfällen zu schützen, aber auch zu Verteidigungszwecken

Da gibt es doch den Bericht von der Belagerung einer berühmten Stadt in Mesopotamien, die durch einen aufgestauten Wassergraben gesichert war. Erst als es dem Belagerer gelang, den Staudamm zu ruinieren, konnte er dann den ausgeronnenen Wassergraben überwinden und die Stadt einnehmen.

So kann es durchaus der Wahrheit entsprechen, daß sich ein Stamm hinter einem aufgestauten Rinnsal versteckte.

Gerade periodisches Fluten und Ablassen konnte für einen Angreifer hochgefährlich sein. Siehe Mont Saint Michel im Atlantik. Dort werden die Verteidiger durch die Gezeiten geschützt. Einige Stunden ist Ebbe, man könnte darüber marschieren - aber dann kommt die Flut und verschlingt alle.
Eine reine Insel hätte durch Schiffe angegriffen werden können - aber diese sitzen bei Ebbe auf, werden manövrierunfähig und fallen um.
Gerade der Wechsel des Wasserstands ist so gefährlich

Somit konnte ein großes Talbecken, dessen Eingang durch einen "Sambation" gesichert ist, tatsächlich uneinnehmbar gewesen sein
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#2
Zu dem legendären Fluß SAMBATION, SANBATION, SABBATION (SAMBAṬYON) fällt mir noch etwas ein:

Es muß ja gar nicht zwangsläufig an den mosaischen 7-Tages-Rhytmus gedacht werden.
Denken wir an das Sabbatical

"Das Sabbatical oder das Sabbatjahr ist ein Arbeitszeitmodell für einen längeren Sonderurlaub.
Der aus den USA stammende Begriff sabbatical (von hebräisch schabat: ‚aufhören‘, ‚ruhen‘), nach dem Sabbatjahr in der Tora (Bibel), wurde von Professoren an US-amerikanischen Universitäten als Begriff für ein Forschungssemester oder Freisemester geprägt." Sabbatical - Wikipedia

Aber auch Nachmanides (1194 - 1270) beschäftigte sich mit diesem legendären Fluß Sambation
"Nahmanides identifies the Sambation with the Guzana River mentioned in II Kings, located in Syria."
Sambation - Wikipedia

Es sei gesagt, daß sich der berühmte Nachmanides zwar mit dem Fluß Guzana irrte (das damalige geographische Wissen war sehr gering), aber dennoch ist erkennbar, daß sich berühmteste Gelehrte des Judentums mit dieser Thematik der Suche nach den Verlorenen Stämmen Israels auseinandersetzten.

Vermutlich ist der Sambation ein Fluß irgendwo nördlich des Kaukasus

"Die mittelalterliche Tradition lokalisierte die verlorenen Stämme am Rande der Welt, irgendwo im Nordosten Asiens, jenseits des legendären Flusses Sambation"
Verlorene Stämme Israels - Wikipedia

Die talmudische Tradition meint wohl das Gebiet der seinerzeitigen römischen Provinz Asia. Diese endete im Norden am Kaukasus, somit der Gebirgskette zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Meer. Die Provinz Asien hatte an einem schmalen Küstenstreifen Berührung mit dem Kaspischen Meer. Dann ging die Grenze vom südlichsten Punkt dieses Küstenstreifens scharf nach Nordwest.
Landkarten zeigen dies.
Keinesfalls ist die römische Provinz Asia mit dem heutigen Kontinent Asien gleichzusetzen.

Wenn die verlorenen Stämme irgendwo im Nordosten "Asiens" lebten, dann kann das sehr gut bedeuten, daß sie im Flachland nördlich der Kaukasuskette lebten, im Flachland zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Meer.
Dann waren sie es vielleicht, die das Turkvolk der Chasaren missionierten.

Wie dem auch sei, im 12. Jhdt machten sich jüdische Reisende aus Europa auf den Weg, um den fernen Fluß "Sambation", und dadurch das jenseits dieses Flusses vermutete Volk zu suchen:

"Neben Eldad ha-Dani versuchten auch andere jüdische Reisende, den sagenumwobenen Fluss zu finden. So wird der Reisebericht des Petachja aus Regensburg damit eingeleitet, dass seine Reise ihn bis zum Sambation geführt habe.[4] Ebenfalls im 12. Jahrhundert machte sich der spanische Kabbalist Abraham Abulafia auf eine Reise in den Orient, mit der Absicht den Sambation zu finden.[5]"
Sambation - Wikipedia

[4]  Vgl. Annelies Kuyt: Die Welt aus sefardischer und ashkenazischer Sicht: Die mittelalterlichen hebräischen Reiseberichte des Benjamin von Tudela und des Petachja von Regensburg. In: Xenja von Ertzdorff-Kupffer (Hg.): Erkundung und Beschreibung der Welt. Amsterdam 2003, S. 211–231

[5] Vgl. Heinrich Graetz: Geschichte der Juden, Bd. 7, S. 192

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Aber auch Cromwell wurde von der Euphorie angesteckt.

"In 1655, Menasseh ben Israel petitioned Oliver Cromwell to allow the Jews to return to England in furtherance of the Messianic goal. (Since the Edict of Expulsion in 1290, Jews had been prohibited by law from living in England.) With the approach of 1666, considered a significant date, Cromwell was allegedly interested in the return of the Jews to England because of the many theories circulating related to millennial thinking about the end of the world." Ten Lost Tribes - Wikipedia

Aber auch die Puritaner interessierten sich sehr:
MANASSEH BEN ISRAEL:
"Manasseh attracted the notice of many Protestant theologians who likewise were convinced of the speedy coming of the Messiah and who naturally desired to know the views of Jewish theologians on a topic so specifically Jewish. But it was especially several of the more mystical-minded of the Puritans in England who had become interested in the question, and Manasseh entered into correspondence with several of them"
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#3
Zu Menasseh ben Israel ist noch zu sagen:

Menasseh ben Israel argumentierte für die Wiederzulassung der Juden dahingehend, daß der Messias (den auch die Protestanten sehr wünschten) erst kommen würde, wenn die Diaspora der Juden in allen Ländern sei, wenn also die Juden auf der ganzen Welt verstreut seien, und solange das englische Reich ohne Juden sei, würde der Messias nicht kommen.

Dies hat zwar mit der Thematik der "Verlorenen Stämme Israels" nichts zu tun, ist aber sehr wissenswert um zu verstehen wie damals in England argumentiert und gedacht wurde.

Die Jewish Enyclopedia gibt Auskunft
MANASSEH BEN ISRAEL:
" . . . he was convinced that the restoration to the Holy Land could not take place until the Jews had spread into and inhabited every part of the world.
He appears to have directed his attention to the countries in Europe where Jews were not permitted to live, trusting that by obtaining their admission the coming of the Messiah would be accelerated."
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