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Ibrahim ibn Yaqub (Gesandter des Kalifen von Córdoba)
#1
Ich sah mir gerade das historische Prag in Büchern und im Internet an. Eine schöne Stadt mit viel Geschichte
Das Stadtzentrum, die "Goldene Stadt" ist stark gotisch geprägt
Es gibt viele Sehenswürdigkeiten in Prag
Berühmt ist die Prager Burg, die Karlsbrücke, die mittelalterliche Rathausuhr, der jüdische Friedhof oder die älteste aktive Synagoge der Welt
Prag war Kaiserstadt, dort wirkte auch der berühmte Rabbi Löw (dessen Name übrigens nichts mit dem zoologischen oder heraldischen Löwen zu tun hat, sondern eine deutsche falsche Schreibweise des Familiennamens Lev - vom Stamme Levi ist) um den sich viele Legenden rankten (Golem), berühmt ist der Hradschin (die Prager Burg), Prag war die älteste deutsche Universität, Prag war daher Zentrum der Gelehrsamkeit, aber auch der Alchemisten (die Grenzen zwischen Wissenschaft und Alchemie verliefen damals manchmal fließend), Prag hat ein schönes, gut erhaltenes historisches Flair und wird auch die Stadt der hundert Türme genannt, in Prag waren die Hussiten (Erster Prager Fenstersturz 1419; Beginn des Hussitenkrieges), 200 Jahre später gab es wieder religiös verursachte Unruhen (Zweiter Prager Fenstersturz 1618; Beginn des Dreißigjährigen Krieges).
Zwischen den beiden Prager Fensterstürzen lebte der berühmte Rabbi Löw (geboren zwischen 1512 und 1525; gestorben 1609) in Prag. Er kam erst nach seinem 60. Lebensjahr nach Prag, wo er auch starb
Eine sehr geschichtsträchtige Stadt

Karlsbrücke - Wikipedia
"Die Karlsbrücke ( . . . ) ist eine im 14. Jahrhundert errichtete, historisch bedeutsame Brücke über die Moldau in Prag, die die Altstadt mit der Kleinseite verbindet. Sie ist die älteste erhaltene Brücke über den Fluss Moldau und eine der ältesten Steinbrücken Europas.
Als Übergang über die Moldau diente zunächst eine Furt, vermutlich seit dem 9. Jahrhundert ergänzt durch Floßverkehr. Eine hölzerne Brücke wurde erstmals im 10. Jahrhundert durch den Gesandten des Kalifen von Córdoba, Ibrahim ibn Yaqub, erwähnt."

Dies ist nun sehr interessant!
Der Gesandte des Kalifen von Córdoba berichtete über Prag !

Ich fand ihn im Wikipedia:
Ibrahim ibn Yaqub - Wikipedia
"Ibrāhīm ibn Yaʿqūb war jüdischer Herkunft"

In der Jewish Encyclopedia (New York 1906) fand ich einen Artikel: IBRAHIM IBN YA'ḲUB, The Israelite
"In speaking of the kingdom of Boleslạu of Bohemia, he mentions the Jewish merchants who came, together with Mohammedans, from Hungary. (. . .)
Ibrahim mentions the Chazars, but says nothing about their being Jews ( . . .)
It may be mentioned that the account of his journeys throws light also on the much-disputed nationality of the Old-Russians."

Offenbar war es damals "Mohammedans" nicht möglich, durch das Christenland zu reisen und daher sandte der Kalif Ibrahim ibn Yaqub als Gesandten

Daß allerdings Jewish merchants together with "Mohammedans, from Hungary" gekommen seien, klingt unglaubwürdig

Jüdische Reisende oder Händler gab es im 10. Jahrhundert im Christenland oft (Karl der Große hatte jüdische Familien ins Land gerufen; andere Länder wie etwa Böhmen orientierten sich am Frankenreich)
Seltsamerweise entstand das Königreich Böhmen erst 1198 (vgl. Königreich Böhmen - Wikipedia) und ich vermute einen Irrtum in der Jewish Encyclopedia - gemeint war nicht "the kingdom of Boleslạu of Bohemia" sondern das 200 Jahre früher entstandene kingdom of Boleslav of Poland

Von Interesse könnte der Bericht Ibrahims über die "nationality of the Old-Russians" sein

Ein weitgereister Mann, der viel Aufschluß über das damalige Osteuropa geben kann (Prag, Polen, Altrußland)
Von jewish merchants wird er auch viel über "Hungary" gehört haben, das in der Zeit von 949–997 erst im Entstehen war

Vielleicht hat hier jemand Berichte des Ibrahim ibn Yaqub über Prag, Polen, Altrußland und die pannonische Tiefebene des 10. Jahrhunderts
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#2
(31-03-2019, 20:30)Sinai schrieb: Daß allerdings Jewish merchants together with "Mohammedans, from Hungary" gekommen seien, klingt unglaubwürdig

Was Du vergisst, ist, dass das Frankenreich damals so quasi eine der wenigen christlichen "Inseln" im Europa noerdlich der Alpen darstellte. Das oestliche und noerdliche Europa, inklusive Russland und Skandinavien, gehoerte wirtschaftlich damals zum islamischen Einflussgebiet; fraenkischer Einfluss laesst sich so gut wie gar nicht finden. Berichte ueber die entsprechenden Laender (z.B. ueber Bestattungsriten und Tempel im Gebiet des heutigen Schweden) kennen wir hauptsaechlich aus Aufzeichnungen islamischer Haendler. Dieser Einfluss wird auch aus skandinavischen Hortfunden der Zeit offensichtlich, die voellig von Muenzen aus islamischen Laendern dominiert werden. Die Vormachtstellung islamischer Kaufleute in Ost- und Nordeuropa wurde erst durch den Einfall der Mongolen beendet. Ohne den waere Europa heute wohl islamisch.

Das Frankenreich trieb natuerlich trotzdem regen Handel mit den islamischen Laendern wie Spanien. Einer der wichtigsten Aussenhandelsbereiche war der Sklavenhandel. Das Frankenreich vediente ganz gut am Handel mit vor allem slawischen Sklaven, die in Osteuropa gefangen wurden und durch das Frankenreich nach Suedwesteuropa verkauft wurden.
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