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Opium
#1
Daß ab 1500 v. Chr. in Ägypten Opium bekannt war, wissen wir.
Wohl nur für die wohlhabende Schicht. Priesterärzte verabreichten ihren Patienten Opium zur Schmerzbekämpfung nach Verwundungen oder bei Krebs. Da Menschen bei Verwundungen oft viele Jahre weiterlebten (zB Knochenbrüche), war hier das Abgleiten in Sucht vorprogrammiert. Die betreffenden Ärzte konnten hier ein Vermögen aus der Familie des Abhängigen herauspressen
Aber auch bei chirurgischen Eingriffen wurde Opium eingesetzt. Zum Ziehen eines Zahnes beispielsweise. Hier hatte es der Arzt schon schwerer, den Patienten süchtig zu machen, da es eigentlich eine einmalige Gabe als Analgetikum war. Wenn es aber der Arzt darauf anlegte, den Patienten abhängig zu machen, dann verabreichte er ihm auch nach dem Eingriff Opium, mit der Begründung, seine postoperativen Wundschmerzen zu bekämpfen. Wehleidige Patienten hatten gute Chancen, nach ein paar Tagen süchtig gemacht zu werden. Dann wurden Patienten zu lebenslangen Konsumenten.
Krebspatienten verstarben ohnehin in wenigen Monaten - aber ein gieriger Arzt konnte auch in kurzer Zeit eine Familie ausrauben
In der Regierungsstadt Achetaton fand man Opiumkrüge aus Ton, mit Verzierungen in Form einer Mohnkapsel, und Spuren von eingetrocknetem Opium im Gefäß
Die Grenze zwischen Arzt und kriminellem Rauschgifthändler war damals fließend
Die Berufsethik der Priesterärzte allein reichte wohl nicht immer aus, Mißbrauch zum Vorteil des Arztes zu verhindern

1000 Jahre später war Opium schon relativ weit verbreitet. Der berühmte Theriak der Römer


Der Rest des Beitrag wurde gelöscht, da für die behaupteten Sachverhalte keine Belege erbracht werden konnten./Bion
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#2
(31-03-2019, 00:31)Sinai schrieb: Daß ab 1500 v. Chr. in Ägypten Opium bekannt war, wissen wir.

Woher?

Die medizinische Literatur der Antike nennt Opium erstmals im 3. Jh vC. Im Mittelmeerraum war es frühestens seit dem 4. Jh vC in Gebrauch. Vorher kannte man einen Extrakt, der aus Blättern der Mohnpflanze gewonnen wurde und zumeist Mekonium (der Begriff hat heute eine andere medizinische Bedeutung) genannt wurde.

(31-03-2019, 00:31)Sinai schrieb: 1000 Jahre später war Opium schon relativ weit verbreitet. Der berühmte Theriak der Römer. Hier wurde Opium in Rotwein aufgelöst.

Das ist ein Märchen!

Theriak war eine medizinische Zubereitung, die erstmals im 2. Jh vC in Schriften des Nikandros genauer beschrieben ist. Von den griechischen Ärzten Apollodoros und Herophilos (3. Jh vC) weiß man, dass sie Theriak verordnet haben. Die Bestandteile dieses Theriaks sind unbekannt.  

Theriak war immer aus verschiedensten Dingen zusammengepanscht. Jeder Arzt hatte sein Rezept, den Theriak herzustellen. Ein Theriak-Rezept mit genauer Angabe der Zutaten liefert erstmals Galenus mit den Hauptbestandteilen Mohnsaft,  Kümmel, Blut und Inhalt eines Labmagens.


Auf den Rest einzugehen, erspar ich mir. Wieder einmal wird in Erinnerung gebracht, dass wir uns hier im Bereich Studium befinden. Das heißt, wenn Sachverhalte behauptet werden, ist das mit Belegverweisen zu stützen.

Du wirst also gebeten, diese nachzubringen. Ist dir das nicht möglich, wird der entsprechende Text aus deinem Beitrag entfernt.

Darüber hinaus wird gebeten, Themen nicht mit Abschweifungen zu strapazieren und im gegebenen Fall solche neu einzurichten.
MfG B.
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#3
(01-04-2019, 11:13)Bion schrieb:
(31-03-2019, 00:31)Sinai schrieb: Daß ab 1500 v. Chr. in Ägypten Opium bekannt war, wissen wir.

Woher?

Die medizinische Literatur der Antike nennt Opium erstmals im 3. Jh vC. Im Mittelmeerraum war es frühestens seit dem 4. Jh vC in Gebrauch.


"Die Sumerer bezeichneten den Schlafmohn als „Pflanze der Freude“.[8] Auf Zypern wurden in der späten Bronzezeit Flaschen hergestellt, die die Form einer Mohnkapsel hatten (Base Ring ware) und nach Analysen Opium enthielten.[9] 1975 wurde in der Hauptstadt Kition ein 14 Zentimeter langer Bronzezylinder aus dem 12. Jahrhundert v. Chr. ausgegraben, der als Opiumpfeife interpretiert wird und wohl aus dem Tempel einer Fruchtbarkeitsgottheit stammt. In Ägypten ließen sich Opium-Mixturen bis in die Zeit um 1800 v. Chr. zurückverfolgen. Die Ägypter importierten Opium offensichtlich von Zypern, bauten es später selbst im Niltal an und benutzten es bei Kulthandlungen.[10] Sie lagerten ihr Opium in speziellen Gefäßen, den Bibil-Krügen.

Aus dem alten Griechenland belegen archäologische Funde, dass die Griechen Opium für kultische und auch medizinische Zwecke gebrauchten. Die Mohnkapsel war das Symbol für den Schlafgott Hypnos[11], für Morpheus, den Gott des Traumes, für Nyx, die Göttin der Nacht, und für Thanatos, den Gott des Todes; diese Symbolkraft der Mohnkapsel für den Traum, den Schlaf und den Tod hat einen vielfältigen Niederschlag in der bildenden Kunst gefunden.[12] Im römischen Reich kam der Schlafmohn in den zweifelhaften Rang einer Wohlstandsdroge. Bei einer Inventur des kaiserlichen Palastes im Jahre 214 wurden insgesamt 17 Tonnen Opium gezählt."
Schlafmohn - Wikipedia
3. Herkunft und Geschichte

Dort sind Fußnoten mit Quellenangaben:

9. Veronica A. Tatton-Brown: Double juglet of Base Ring ware. In: Veronica A. Tatton-Brown: Ancient Cyprus. 2. Auflage. British Museum, London 1997, ISBN 0-7141-2120-7.

10. Horst Klengel: Handel und Händler im alten Orient. Böhlaus, Wien 1979, ISBN 3-205-00533-3, S. 173.

11. Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie – Abschnitt Hypnos. Ausführliches Lexikon der griechischen und römischen Mythologie.

12. Peter Schmersahl: Mohn in der bildenden Kunst – Eine Pflanze zwischen Traum und Tod. In: Deutsche Apotheker Zeitung. 143, 2003, S. 451–459.
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#4
Opium ist der dunkelbraune, bittere, eingetrocknete Milchsaft des Schlafmohns.

Man bekommt häufig zu lesen, dass die Herstellung von Opium schon seit dem 2. Jt vC belegt ist. Noch nie habe ich dazu eine Belegstelle angeboten bekommen. Immer wird auf andere Personen verwiesen, die das auch schon behauptet hätten.

Bekommt man eine Belegstelle angeboten, dann muss man häufig feststellen, dass sie nicht älter als 300 vC ist und dass von μηκώνιον, also von Mohnsaft die Rede ist.

Dass die Mohnpflanze schon den alten Kulturen bekannt war, darf man annehmen. Wie sie genutzt wurde, weiß man nicht. 

Im Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen (Hiller/Melzig) ist dazu zu lesen:

"Histor.: Opium oder die »Mohnträne«, wie man im Altertum sagte, ist seit etwa dem 3. oder 4. Jh. v. Chr. im Mittelmeergebiet in Gebrauch. Schon vorher kannte man einen Extrakt aus den Blättern der Mohnpflanze, der meist als Mekonium bezeichnet und später durch das stärker wirksame Opium verdrängt wurde."
MfG B.
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#5
(01-04-2019, 15:36)Bion schrieb: Man bekommt häufig zu lesen, dass die Herstellung von Opium schon seit dem 2. Jt vC belegt ist. Noch nie habe ich dazu eine Belegstelle angeboten bekommen.


Heutige Fachärzte für Psychiatrie publizieren gerne. Sie beschreiben die Wirkung von neu auf dem Markt befindlichen Psychopharmaka und psychoaktiven Substanzen - und zwar auf Englisch. Dafür gibt es wissenschaftliche Foren - bei denen ausschließlich Fachärzte für Psychiatrie - natürlich unter namentlicher Nennung und Angabe der betreffenden Klinik registriert werden. Es werden bereitwillig Beobachtungen und Kenntnisse (im abgegrenzten Kreis von Fachärzten) veröffentlicht. Eine internationale Community von Fachärzten. Dieser internationale Erfahrungs- und Meinungsaustausch wirkt sehr befruchtend. Nach einigen Jahren bekommt der betreffende Facharzt einen "Namen", später eine internationale Reputation in der Fachwelt. Diese elektronischen Publikationen werden - obwohl kein Einzelbuch, sondern eine jahrelange Kette von Forschungsergebnissen - als Habilitation gewertet

In der Antike sah es anders aus. Damals wurde Wissen als kostbares Geheimnis streng gehütet!
Wenn eine Tempelschule erkannte, daß der Saft der Frucht, die wir heute "Schlafmohn" nennen, analgetische Wirkung hatte, wurde diese Beobachtung streng geheim gehalten. Der betreffende Tempel wollte das Monopol behalten. Nur wenige - besonders vertrauenswürdige, das heißt besonders verschwiegene - Priesterärzte wurden eingeweiht, der Masse der im Tempel tätigen Ärzte wurde das verheimlicht - veröffentlicht wurde das klarerweise niemals - weder schriftlich noch mündlich in Vorlesungen. Priesterärzte waren ja keine Wanderprediger

---

Ich kann mir gut vorstellen, daß so ein Tempel eine Plantage zur Zucht von Opium errichtete, aber aus Gründen der Tarnung und Täuschung eine Fülle von wertlosen Pflanzen anbaute - damit niemand die Pflanze Mohn als die psychoaktive Pflanze erkannte. Ein bunter Kräutergarten mit absichtlich viel Unkraut und interessant aussehenden Pflanzen (in Form von Schlangenköpfen etc) und zwischen dem farbenprächtigen Unkraut auch "zufällig" die eine oder andere Mohnstaude
In die Rezepturen kam allerlei phantasievolles Zeug (Myrrhe, Safran, Gewürznelken, Schlangenblut, Schlangenaugen, ganz gelassene Oberschenkelknochen von Fröschen, Säfte bekannter Stinkpflanzen, zerdrückter Knoblauch und scharfe Gewürze) damit Plagiatoren in die Irre geführt wurden . . . man mußte auf der Hut sein, denn auch in den Tempeln gab es Spionage
Aufgeschrieben wurde nichts - und wenn, dann nur Falsches
Der adelige Patient bekam eine Phantasietinktur zum trinken - der Opium beigemischt war - er wußte gar nicht, daß Opium dabei war, hatte gar keine Ahnung von der Existenz dieser Substanz und wie sie gewonnen wird

Es hat zwar nichts mit dem Thema "Opium" zu tun, aber ich möchte zu bedenken geben, daß die gallischen Druiden (andere Zeit und anderer Ort) ihr Geheimwissen ausschließlich mündlich weitergaben
Die Druiden kannten kein Opium, aber die Wirkung von Hanf (arab. Bezeichnung "Haschisch")
Auch von den Druiden fand man keine Aufzeichnungen

Um zum Opium zurückzukehren: Man fand uralte Opiumtöpfe aus Ton in Opiumform samt Deckeln aus Ton in Form der typischen Krone
Die vertrockneten Überreste konnten mittels forensischer Chemie eindeutig als Opium identifiziert werden, die Altersbestimmung mittels radiometrischer Datierung ergab ein hohes Alter, das mit der Fundstelle (Grabkammer) korrelierte  

Das sind zwar keine schriftlichen Belegstellen (die man aus oben skizzierten Geheimhaltungsgründen ohnehin nie finden wird) - aber nichtschriftliche Beweise der Archäologie und ihrer Hilfswissenschaften
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#6
(01-04-2019, 22:06)Sinai schrieb: In der Antike sah es anders aus. Damals wurde Wissen als kostbares Geheimnis streng gehütet!
[...]
Ich kann mir gut vorstellen, daß so ein Tempel eine Plantage zur Zucht von Opium errichtete, aber aus Gründen der Tarnung und Täuschung

Du wurdest schon einmal gebeten, hier nicht die Produkte deiner Phantasie vorzutragen.

(01-04-2019, 22:06)Sinai schrieb: Aufgeschrieben wurde nichts - und wenn, dann nur Falsches

Ärgerlich wird es, wenn du wieder damit anfängst, Unsinn zu erzählen.

Es gibt genug antike (griechische und römische) medizinische Literatur. Und auch der Mohnsaft als Arznei ist in antiken Rezeptsammlungen festgehalten. Nur eben nicht vor dem 3. Jh vC.

Was an älteren medizinischen Texten aus Babylonien bzw. Assyrien auf uns gekommen ist, wird HIER (klick!) beschrieben.
MfG B.
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#7
(02-04-2019, 00:24)Bion schrieb: . . . der Mohnsaft als Arznei ist in antiken Rezeptsammlungen festgehalten. Nur eben nicht vor dem 3. Jh vC.


Ich hatte nicht von älteren Rezeptsammlungen geschrieben, sondern alte Tonkrüge in Form einer Mohnkapsel erwähnt
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#8
(01-04-2019, 22:06)Sinai schrieb: Um zum Opium zurückzukehren: Man fand uralte Opiumtöpfe aus Ton in Opiumform samt Deckeln aus Ton in Form der typischen Krone
Die vertrockneten Überreste konnten mittels forensischer Chemie eindeutig als Opium identifiziert werden, die Altersbestimmung mittels radiometrischer Datierung ergab ein hohes Alter, das mit der Fundstelle (Grabkammer) korrelierte  

Wo und von wem wurde das gefunden?  Wer hat die Untersuchungen durchgeführt? Was ist unter einer Datierung "hohes Alter" zu verstehen?
MfG B.
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#9
Wonach sucht Sinai eigentlich dauernd?
Dass im Laufe der Menschheitsgeschichte schon an allen Grasstängeln geknabbert worden ist.. um zu schauen ob sie essbar sind, liegt wohl auf der Hand. Ebenso an Pilzen und was es da sonst noch gibt, auf das man zurückgreift, wenn man gerade fast am Verhungern ist. Opium ist ein giftiger Planzensaft, mit dem man sich auch tödlich vergiften kann, wenn man zu viel davon lutscht.
Das Wissen um Heilpflanzen, essbare und nicht essbare Pilze.. usw. usf. beruht also auf guten und weniger guten Erfahrungen, die dann auch von Generation  zu Generation weitergegeben wurden.

Aspirin kannte man auch schon schon in der Steinzeit, obwohl es erst viele Jahrtausende später so benannt wurde.
Stechapfel, Tollkirsche, Alraune, (Mandragora) Mohngewächse, Eisenhut bei dem die eigentlich recht appetitlich aussehenden Zwiebeln besonders gefährlich sind.. und auch die ganzen Pilze.

Wie gelangte die Menschheit wohl zur Erkenntnis, dass kleine Mengen berauschend und schmerzlindernd wirken?
Zuerstmal sicher durch die böse Erfahrung, dass bestimmte Pflanzen und Pilze tödlich sein können. Also versuchte man es zuerst immer mit ganz kleinen Mengen.. und ob man dann eventuell noch mehr und auch öfter davon essen könnte.

Opium kannte man also ganz sicher schon in der Steinzeit.. aber benannte es damals noch ganz anderes.

(Lutscht Opi zuviel Opium, bringt Opium den Opi um)
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#10
(02-04-2019, 10:42)Geobacter schrieb: Aspirin kannte man auch schon schon in der Steinzeit, obwohl es erst viele Jahrtausende später so benannt wurde.

Jein. Was man kannte, waren aehnliche Verbindungen der Salicylsaeure aus Weidenrinde (als Gemisch), wobei diese in der Anwendung aber schon aeusserlich sehr schmerzhaft waren und dazu tendierten, Mund und Schleimhaeute zu veraetzen, und das Salicin kann auch toxisch sein. Die chemische Acetylierung zur Acetylsalicylsaeure machte den Gebrauch dann wesentlich sicherer.

Was Opium angeht, keine Ahnung. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass Schlafmohnsamen durchaus auch als Nahrungsmittel Bedeutung haben. Die Schlafmohnsamen haben dabei nur einen sehr geringen bis fast gar keinen pharmakologischen Effekt. Wer archaeologisch lediglich Schlafmohn findet, Gefaesse zu dessen Aufbewahrung, etc., muss sich immer fragen, ob er den pharmakologischen Gebrauch von schlichtem Nahrungsmittelanbau eigentlich unterscheiden kann.
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#11
(02-04-2019, 10:42)Geobacter schrieb: Opium kannte man also ganz sicher schon in der Steinzeit.. aber benannte es damals noch ganz anderes.

Natürlich darf man das annehmen.

Dass die Wirkung des Mohns schon früh erkannt wurde, daran wird ein vernünftiger Mensch kaum zweifeln. Ab wann genau und auf welche Weise der Mensch Mohn genutzt hat, wird mangels gesicherter Erkenntnisse Sache von spekulativen Überlegungen bleiben müssen. Interessant ist jedenfalls, was Sinai um Dinge, die im Dunkeln liegen, an Details zu erzählen weiß.

Ich verbringe die Sommermonate im Norden Österreichs im Oberen Waldviertel. Dort hat der (Grau)Mohnanbau Tradition, die bis ins Hochmittelalter zurückreicht. Zunächst wurde aus Mohn Lampenöl hergestellt, war aber schon bald geschätztes Lebensmittel und wurde insbesondere für die Herstellung von Feinbackwaren genutzt. Und natürlich haben die Bauern die beruhigende Wirkung des Mohns früh erkannt und zu nutzen gewusst.

Noch im 20. Jh bekamen Kleinkinder, die von den Eltern aufs Feld zur Arbeit mitgenommen wurden, den sogenannten "Mohnzutz" verabreicht. Das war gequetschter Mohn, der mit etwas Zucker vermischt in ein Leinensäckchen gegeben wurde. Das wurde dem Säugling in den Mund gesteckt, er lutschte daran und schlief in der Regel weg. Wenn Kinder über die Zeit zu viel davon abbekamen, wurden auf diese Weise durchaus auch ein paar Dorfdeppen produziert.
MfG B.
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#12
(02-04-2019, 11:54)Bion schrieb: Ich verbringe die Sommermonate im Norden Österreichs im Oberen Waldviertel. Dort hat der (Grau)Mohnanbau Tradition, die bis ins Hochmittelalter zurückreicht. Zunächst wurde aus Mohn Lampenöl hergestellt, war aber schon bald geschätztes Lebensmittel und wurde insbesondere für die Herstellung von Feinbackwaren genutzt. Und natürlich haben die Bauern die beruhigende Wirkung des Mohns früh erkannt und zu nutzen gewusst.


Ich benutze Mohn-Öl gerne zum anreiben von  Ölfarben. Das Mohnöl gilbt beim altern nicht so wie Leinöl und ist deutlich billiger als  Wahlnuss-Öl.

Da wo meine Familie herkommt, ist der Mohnanbau auch seit altersher Tradition. Wurde dann aber in 60igern ein Zeitlang aufgegeben, weil die Gesetzesbestimmungen für den Anbau zu kompliziert waren. Inzwischen blühen die Felder wieder.

Was ich dazu weis, liegt es daran, dass unsere Mohnsorten bei weitem nicht so giftig sind, wie die, die da z.B. in manchen Asiatischen Gegenden extra und ausschließlich für die Morphingewinnung angebaut werden.

Der für unsere Mohnkipferln und Mohnkrapfen angebaute Schlafmohn enthält also kaum noch die richtigen Alkaloide, um davon ernsthaft müde zu werden.

Interessant ist aber, dass man in einigen Arabischen Gegenden wegen des Verzehrens von Mohngebäck im Gefängnis landet.

*http://www.spiegel.de/reise/aktuell/warnung-an-dubai-touristen-mohnbroetchen-schmugglern-droht-haftstrafe-a-535092.html

Wahnsinn..
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#13
(02-04-2019, 13:57)Geobacter schrieb: Interessant ist aber, dass man in einigen Arabischen Gegenden wegen des Verzehrens von Mohngebäck im Gefängnis landet.

*http://www.spiegel.de/reise/aktuell/warnung-an-dubai-touristen-mohnbroetchen-schmugglern-droht-haftstrafe-a-535092.html

Wahnsinn..


Das Wort "Wahnsinn" ist hier im Hinblick auf den Opiumkrieg nicht angebracht. Die Leute wissen, was Mohn anrichten kann. Denn wer einen Sack Mohn im Koffer hat, ist in manchen Regionen verdächtig. Der Zöllner kann ja nicht mit freiem Auge unterscheiden, ob das - wie behauptet - harmloser Speisemohn für die "Mohnkipfeln" ist, oder das gefährliche Rauschgift.
Eine Universitätsprofessorin erzählte einmal, daß sie Anfang der 60er Jahre längere Zeit als Au paire Mädchen in Frankreich war, und daß sie gerne einen Sack Speisemohn mitgeführt hätte, um dort der französischen Gastfamilie süße Mohnspeisen zu machen, aber es wurde ihr dringend davon abgeraten. Wer mit einem Säckchen Speisemohn an der Grenze aufgegriffen wurde, wurde sofort im Zug festgenommen.
Die Franzosen als alte Kolonialmacht und Teilnehmer des Opiumkrieges wußten wohl um die Gefahr

Rauschgifthändler suchen immer Schlupflöcher. Wenn nun gestattet wird, "Mohnkipfeln" im "Reiseproviant" zu haben, dann werden es bald Kipferln mit gefährlicher Schlafmohn Füllung sein Icon_cheesygrin

Geringste Spuren von Mohn an der Kleidung können zur Festnahme führen. Ich denke, es geht nicht um die Menge, sondern um den Verdacht, mit Rauschgift zu handeln.
Wenn der Sprengstoff Spürhund am Flughafen Alarm schlägt, weil er eine geringe Spur von Sprengstoff an der Kleidung eines Reisenden gewittert hat, dann wird der Reisende auch sofort festgenommen - und das ist gut so !
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#14
(02-04-2019, 14:47)Sinai schrieb: Die Leute wissen, was Mohn anrichten kann.

Was denn soll Mohn anrichten können?

(02-04-2019, 14:47)Sinai schrieb: Der Zöllner kann ja nicht mit freiem Auge unterscheiden, ob das - wie behauptet - harmloser Speisemohn für die "Mohnkipfeln" ist, oder das gefährliche Rauschgift.

Schlafmohnsamen sind kein "gefährliches Rauschgift".

(02-04-2019, 14:47)Sinai schrieb: Eine Universitätsprofessorin erzählte einmal, daß sie Anfang der 60er Jahre längere Zeit als Au paire Mädchen in Frankreich war, und daß sie gerne einen Sack Speisemohn mitgeführt hätte, um dort der französischen Gastfamilie süße Mohnspeisen zu machen, aber es wurde ihr dringend davon abgeraten. Wer mit einem Säckchen Speisemohn an der Grenze aufgegriffen wurde, wurde sofort im Zug festgenommen.

Die geschilderte Begebenheit hört sich sehr erfunden an.

(02-04-2019, 14:47)Sinai schrieb: Rauschgifthändler suchen immer Schlupflöcher. Wenn nun gestattet wird, "Mohnkipfeln" im "Reiseproviant" zu haben, dann werden es bald Kipferln mit gefährlicher Schlafmohn Füllung sein.

Ein Kipferl mit Schlafmohnfüllung ist nicht "gefährlich". Die Vorstellung, dass Rauschgifthändler mit Mohnkipferln handeln, ist erheiternd.

(02-04-2019, 14:47)Sinai schrieb: Geringste Spuren von Mohn an der Kleidung können zur Festnahme führen.

Wo?
MfG B.
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#15
(02-04-2019, 20:17)Bion schrieb:
(02-04-2019, 14:47)Sinai schrieb: Geringste Spuren von Mohn an der Kleidung können zur Festnahme führen.

Wo?

Bei der Einreise in einigen arabischen Laendern ist das der Fall. Dubai als einer der groessten Flughaefen der Welt ist ein Platz, bei dem man sich tunlichst von irgendwelchen Mohn enthaltenden Speisen enthalten sollte, bevor man da hinfliegt. Taiwan hat auch ein striktes Verbot.

Ansonsten sind Mohnkipferl riskant in Laendern wie den USA, wenn man von Berufs wegen zum Drogentest muss, was dort recht verbreitet ist. Die ueblichen Tests koennen nicht unterscheiden zwischen mehrere Tagen zurueckliegendem Opiatkonsum und kuerzlichem Verspeisen von irgendeinem Mohnkuchen. Obwohl Speisemohn dort durchaus in der Form von Samen und verarbeitetem Gebaeck erlaubt ist, kann es einen eventuell den Job kosten. Da muss man das Risiko individuell ausloten, was jetzt Touristen aber nicht weiter interessiert.
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