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Manchesterliberalismus und 1848er Revolution
#1
England wurde 1830 liberal
Politisch und alsbald wirtschaftspolitisch: die Zünfte wurden abgeschafft. In Manchester erlebte der Liberalismus seine Blüte.
Auch Unkraut kann blühen Icon_cheesygrin
Millionen Arbeiter verelendeten

Nun gab es in Kontinentaleuropa die Revolution von 1848
Burschenschaftler zeigen heute gerne alte Propagandaplakate (meist Stahlstiche) wo man das Bündnis zwischen "Studenten" und "Arbeitern" sehen soll. Hoffnungsfrohe Arbeiter stehen Seite an Seite neben Studenten auf den Barrikaden

Nun kann ich eines wirklich nicht verstehen: In England hatte der Liberalismus das Handwerk ruiniert, die Handwerker mußten sich zu Hungerlöhnen prostituieren - warum um alles in der Welt wollten "Arbeiter" in Wien, Paris, Berlin den Liberalismus ?

Wenn im abchreckenden Vorbild Manchester (England war politisch um 18 Jahre voraus) Menschen verelendeten, kann doch kein vernünftiger Arbeiter nachfolgen wollen !

Oder ist das mit dem Bündnis zwischen "Studenten" und "Arbeitern" geschönte Propaganda der Burschenschaften ?

Vielleicht kämpften neben den Studenten gar keine Arbeiter, keine gelernten Handwerksburschen, sondern nur das nutzlose Lumpenproletariat ?

Arbeitsscheue Lumpen, die die Gunst der Stunde nutzen wollten, um zu plündern ?

Lumpenproletariat
"Zum ersten Mal gebraucht Marx den Begriff
Zu diesem „Auswurf, Abfall, Abhub aller Klassen“ zählte Marx die „( . . . ) Vagabunden, entlassene Soldaten, entlassene Zuchthaussträflinge, entlaufene Galeerensklaven, Gauner, Gaukler, Tagediebe, Taschendiebe, Taschenspieler, Spieler, Zuhälter, Bordellhalter, Lastträger, Literaten, Orgeldreher, Lumpensammler, Scherenschleifer, Kesselflicker, Bettler, kurz, die ganze unbestimmte, aufgelöste, hin- und hergeworfene Masse, die die Franzosen ‚la bohème‘ nennen“.[5]"
Lumpenproletariat - Wikipedia
[5] Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, Kap. V, MEW Marx-Engels-Werke 8, 160f
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#2
(10-04-2019, 22:48)Sinai schrieb: England wurde 1830 liberal
Politisch und alsbald wirtschaftspolitisch: die Zünfte wurden abgeschafft. In Manchester erlebte der Liberalismus seine Blüte.

In Preussen passierte das uebrigens schon 1810.

Spaeter ging es um politische Freiheiten. Du kannst ja jetzt auch alles Moegliche hier schreiben, ohne dass Du gleich im Knast landest, so dass Dir der Vorteil eigentlich einsichtig sein sollte.
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#3
(10-04-2019, 23:00)Ulan schrieb:
(10-04-2019, 22:48)Sinai schrieb: England wurde 1830 liberal

In Preussen passierte das uebrigens schon 1810.


Niemals. Die "Stein-Hardenbergschen Reformen" von 1810 führten zwar eine Art von Gewerbefreiheit in Preußen ein, die aber dennoch vielen Beschränkungen und Fesseln unterlag; ein Manchestertum war in Preußen undenkbar und auch von Seiten des Königs unerwünscht.

Die Wiege der Demokratie und des Parlamentarismus war ENGLAND und niemals Preußen


(10-04-2019, 23:00)Ulan schrieb: Spaeter ging es um politische Freiheiten. Du kannst ja jetzt auch alles Moegliche hier schreiben, ohne dass Du gleich im Knast landest, so dass Dir der Vorteil eigentlich einsichtig sein sollte.


1848 ging es von Anfang an um politische Freiheiten, von denen die Arbeiterschaft aber nichts hatte.
Die Pressefreiheit interessierte die Arbeiter nicht. Erstens waren sie Analphabeten, zweitens schrieben sie keine Zeitungen Icon_cheesygrin

Die bürgerliche Revolutionsbewegung von 1848 und die bürgerliche Demokratie führte zu einem rasanten Aufschwung des Bürgertums - und gleichzeitig konnte die Verelendung der Arbeiterschaft beobachtet werden

Vielleicht sollte ich meine Frage anders formulieren:
Daß das Bürgertum die englische Demokratie wollte ist nachvollziehbar - daß aber der Arbeiter englische Zustände wollte ist schwer zu glauben

Was veranlaßte Arbeiter im Jahre 1848 dazu, auf die Barrikaden zu steigen ?
Wollten sie genau so entsetzlich leben wie im schrecklichen liberalen England ?

Wurde ihnen verheimlicht, wie schrecklich das Leben für Arbeiter dort ist ?

Daß die Burschenschaftler ihnen das verheimlichten, kann man ihnen nicht verargen - aber warum hat Metternich nicht die Arbeiter informiert und gewarnt ??

Wäre ich Metternich gewesen, so hätte ich je 100 Arbeiter aus Wien, aus München, aus Frankfurt auf Urlaub nach England geschickt - sie sollen sich gerne alles ansehen und dann berichten wie die Leute dort im Elend krepieren
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#4
(10-04-2019, 23:32)Sinai schrieb:
(10-04-2019, 23:00)Ulan schrieb:
(10-04-2019, 22:48)Sinai schrieb: England wurde 1830 liberal

In Preussen passierte das uebrigens schon 1810.

Niemals. Die "Stein-Hardenbergschen Reformen" von 1810 führten zwar eine Art von Gewerbefreiheit in Preußen ein, die aber dennoch vielen Beschränkungen und Fesseln unterlag; ein Manchestertum war in Preußen undenkbar und auch von Seiten des Königs unerwünscht.

Die Wiege der Demokratie und des Parlamentarismus war ENGLAND und niemals Preußen

Versuchst Du mal wieder einen Punkt zu machen, indem Du das Zitat editierst? Du brachtest als einzigen konkreten Punkt die Abschaffung der Zünfte (was Du offensichtlich aus dem Zitat herauseditiert hast), und Preussen schaffte diese 1810 zwar nicht direkt ab, aber da die Mitgliedschaft freiwillig war, wurden sie bedeutungslos. Die Gewerbereformen waren ausdruecklich auf Ideen von Adam Smith aufgebaut.

Dass die 1848er Revolution hauptsaechlich eine buergerliche war, ist klar. So gross war die "Arbeiterschaft" damals eh noch nicht. Dass die wirtschaflichen Umbrueche auch soziale Umbrueche mit sich brachten, ist auch klar. Deshalb gingen die Handwerker etc. 1848 auf die Barrikaden, weil, wer betroffen ist von Umwaelzungen, moechte wenigstens mitreden duerfen.

Was mir nicht ganz klar ist, ist worauf Du hinauswillst. Ich habe manchmal so das Gefuehl, dass gewisse Kreise des Konservativismus der Irrmeinung anhaengen, man koenne die Zeit irgendwie anhalten oder zurueckdrehen. Dinge aendern sich. Reformen passieren fast immer nur dann, wenn es nicht anders geht. Die Welt veraendert sich laufend, und man kann nur versuchen, mitzulaufen. Preussen versuchte damals im Jahre 1810, nicht zurueckzubleiben; es wurde dann ja auch zum Zentrum der Industrialisierung. Politisch dauerte das halt noch etwas.
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#5
Die Lohnempfänger lebten in Kontinentaleuropa 1840 nicht gut, aber nach dem Sieg der Idee des Liberalismus kam die Verelendung

Die Lohn-Preis-Regelung der Zünfte fiel weg; Arbeiter mußten sich nun zu Hungerlöhnen prostituieren
Die Sozialversorgung der Zünfte fiel weg; Kranke und Alte waren unversorgt
Es gab Arbeitslose (Marx sagte dazu "Industrielle Reservearmee")
Unmenschlich lange Arbeitszeiten
Hunger allerorts
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#6
Ja, und dann kam das 20. Jhdt., in dem es dem Gros der Bevoelkerung der westlichen Demokratien in der zweiten Haelfte endlich so gut ging wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit.
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#7
(11-04-2019, 00:28)Ulan schrieb: Ja, und dann kam das 20. Jhdt., in dem es dem Gros der Bevoelkerung der westlichen Demokratien in der zweiten Haelfte endlich so gut ging wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit.


Auch dieses kurze Strohfeuer dauerte nicht lang und ist längst wieder vorbei
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#8
(11-04-2019, 00:34)Sinai schrieb: Auch dieses kurze Strohfeuer dauerte nicht lang und ist längst wieder vorbei
Wünscht du dir  denn wieder die Feudalherrschaft des Mittelalters zurück?

Das Problem ist nicht der Liberalismus, sondern die ganzen Vielen, die ohne  zu überlegen und zu planen viele Kinder in die Welt setzen und hoffen, dass Gott  dann später schon für all diese Kinder sorgen wird.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#9
Ausserdem bleibt meine Aussage da oben immer noch wahr, selbst wenn man beruecksichtigt, dass es seit den 1980er Jahren einigen Teilen der Gesellschaft wieder materiell etwas schlechter geht. Zur Leibeigenschaft und der dauernden Drohung, an Infektionen oder chronischen Erkrankungen zu versterben, will ich jedenfalls nicht zurueck.
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