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AT und NT
#1
Ich habe eine schaurige Stelle im Evangelium gefunden, mit der ich wenig anzufangen weiß

"Wenn ihr dann am heiligen Ort den unheilvollen Gräuel stehen seht, der durch den Propheten Daniel vorhergesagt worden ist - der Leser begreife -, dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen; wer gerade auf dem Dach ist, soll nicht mehr ins Haus gehen, um seine Sachen mitzunehmen; wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. Weh aber den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. Betet darum, dass ihr nicht im Winter oder an einem Sabbat fliehen müsst."
Mt 24,15ff (Einheitsübersetzung)

Das mit dem Winter klingt leicht schaurig - und auch daß jemand der "gerade auf dem Dach ist, soll nicht mehr ins Haus gehen, um seine Sachen mitzunehmen" klingt fürchterlich

Mit dem "heiligen Ort" meinte Jesus sicher den Tempel - der im Jahre 70 zerstört wurde

Offenbar wurde "durch den Propheten Daniel vorhergesagt", daß man "dann am heiligen Ort den unheilvollen Gräuel stehen" sehen wird

Hat jemand eine Idee welche Stelle in Daniel gemeint sein könnte ?
Der Einschub "- der Leser begreife -" deutet darauf hin, daß dies in Daniel nicht explizit gesagt wird, sondern daß es Bibelverständnis erfordert dies zu erkennen

Allerdings wurde Jerusalem schon lange vor der Zerstörung des Tempels eingekesselt und belagert.
Die Stadtbewohner konnten nicht mehr in die Berge fliehen
Die Anordnung "Wenn ihr dann am heiligen Ort den unheilvollen Gräuel stehen seht, der durch den Propheten Daniel vorhergesagt worden ist - der Leser begreife -, dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen" konnte sich somit nur auf die Bewohner von Judäa außerhalb Jerusalems beziehen.

--

Noch etwas fällt auf: Jesus sprach vom Propheten Daniel

Im Judentum wurde Daniel jedoch nicht zu den Propheten gezählt:
"Im jüdischen Tanach zählt das Buch jedoch nicht zu den „Propheten“ (Nevi’im), sondern zu den späteren „Schriften“ (Ketuvim), die als letzte und theologisch nachrangige Schriftengruppe kanonisiert wurden. Daniel wurde aus zwei Hauptgründen nicht zu den Propheten gezählt:
1. Der Tora zufolge sprechen Propheten (nevi’im) immer direkt mit Gott und nicht mit Vermittlern wie Engeln. Daniel dagegen habe nie direkt mit Gott gesprochen.
2. Im Judentum spreche ein Prophet (navi) zu seiner Generation, nicht zu nachfolgenden Generationen. Daniels Visionen seien jedoch ausschließlich für die Zukunft und nicht für seine Generation bestimmt."
Daniel - Wikipedia
6.1 Judentum

Durch die in Mt 24,15ff genannte Aussage erhöhte Jesus den Daniel zum Propheten

Andere denkbare Version: Daniel wurde vom Judentum zur Zeit des Tempels zu den Propheten gezählt und erst später zu den Ketuvim verschoben

Um das beurteilen zu können, wäre ein Tanach bzw eine Septuaginta aus der Zeit Herodes erforderlich
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#2
Mt. 24, 15 bezieht sich auf Daniel 9, 27 und wiederholend 11, 31. Ob das Buch Daniel im Judentum zu den prophetischen Büchern zählte oder nicht, spielt keine Rolle. Jesus war mit all dieser Literatur vertraut. Man weiß, dass die Verfasser der Evangelien alle diese Schriften quasi al "Steinbruch" benutzten, um ihre Thesen zu untermauern. Man darf vermuten, dass Jesus selbst das auch so handhabte.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#3
(15-07-2019, 16:54)Sinai schrieb: Ich habe eine schaurige Stelle im Evangelium gefunden, mit der ich wenig anzufangen weiß

"Wenn ihr dann am heiligen Ort den unheilvollen Gräuel stehen seht, der durch den Propheten Daniel vorhergesagt worden ist - der Leser begreife -, dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen; wer gerade auf dem Dach ist, soll nicht mehr ins Haus gehen, um seine Sachen mitzunehmen; wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. Weh aber den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. Betet darum, dass ihr nicht im Winter oder an einem Sabbat fliehen müsst."
Mt 24,15ff (Einheitsübersetzung)
Tun wir so, als wenn wir das jetzt sehr ernst nehmen müssten.

Was ist eine heilige Stätte? Nicht jedem ist eine solche Stätte heilig, die dem anderen heilig ist. Heilige Stätten sind also sehr subjektiv.

Es muss sich also um eine heilige Stätte handeln, die sehr vielen als heilig gilt. Nicht nur Christen.

Was ist ein unheilvoller Gräuel? Unheilvoll ist etwas das einem Angst macht. Mir ist manches ein Gräuel, was vielleicht andere nicht so sehen. Also sind auch Gräuel sehr subjektiv.

Es muss sich also um ein Gräuel handeln, das so ziemlich den meisten ein Gräuel wäre.

Ich denke da z.B. an den Blitz und Pilz einer Atombombe. Viele Orte auf der Welt gibt es auch nicht, die so mehr oder weniger jeder als heilig respektiert. Da kommt vielleicht Rom/Israel/Jerusalme, das Arabische Medina in Frage...

Was gibt es für einen Grund.. alles einfach liegen und stehen zu lassen und das "Weite zu suchen".. Wohin sollte man fliehen.. wenn keine Berge weit und breit zu sehen sind? Berge gibt es aber zum Glück auch unter der Erde. Berge bestehen in den allermeisten Fällen aus Gestein..Manche auch aus Eis, aber die können wohl nicht gemeint sein.

Felsenbunker.. vielleicht auch aus "Beton".. Berge sind da nicht so wählerisch. Gibt sogar Müllberge... Aber die hat der Prophet ganz sicher auch nicht gemeint.

Berge aus Gestein wären vielleicht der sicherste Ort. Da solche Berge oft jede Menge Blei, Arsen, Bor und auch viel Wasser enthalten. Alles sehr nützlich, um radioaktive Strahlung abzubremsen.

tja Sinai.. die Zusammenfassung überlass ich jetzt dir. Aber Vorsicht.. wenn dir Iraner doch noch die Atombombe bauen sollten, dann  war das der Wille Gottes und nicht ihr eigener. Wer die Zukunft kennt, der bestimmt sie auch vorher.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#4
Aber vielleicht ist ja auch alles ganz harmlos. Trump wird ganz sicher demnächst mal die "heilige Stätte" besuchen.

"Unheilvoll" ist bei Trump noch geschmeichelt. Ein Gräuel ist er auch nicht wenigen.. und wenn er mal so richtig giftet.. kann man wirklich nur noch das Weite suchen. Dass  israelische Rechtsnationalisten Trump auf dem Tempelberg ein Denkmal aufstellen, wäre natürlich auch möglich. Die 'Wut" der Araber wäre dann für so machen Bewohner Judäas ein guter Grund in die Berge zu flüchten....
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#5
Die Stelle bezieht sich auf den 15 Dezember 167 v.Chr., als Antiochus IV. Epiphanes im Tempel zu Jerusalem dieses "unheilvolle Graeuel" aufstellte (wohl einen griechischen Altar), nachdem das juedische Gesetz verboten worden war. Der Tempel war durch diesen Akt jedenfalls entweiht.

Das Buch Daniel ist aber insofern eine gescheiterte Prophezeiung, da offensichtlich nicht der Untergang kam, sondern die Makkabaeer fuer jedermann ueberraschend den Krieg gewannen und Judaea unabhaengig wurde. Die Prophezeiung wurde dann im Laufe der Geschichte immer wieder hervorgekramt, und auch in der Qumran-Literatur und im NT ist sie immer noch sehr beliebt. Anlaesse fuer das Recycling gab es viele. Ein moeglicher Bezug eines Vorlaeufertexts des Evangeliums ist z.B. der Beschluss Kaiser Caligulas im Jahre 40 n.Chr., den Jerusalemer Tempel in einen Ort des Kaiserkults zu verwandeln und eine ueberlebensgrosse Statue von sich dort aufzustellen. Die Statthalter zoegerten das solange hinaus, dass die Angelegenheit nach der Ermordung Caligulas im Jahre 41 gegenstandslos wurde.

Wie Ekkard sagt, das NT benutzt das AT als Steinbruch. Da werden alle moeglichen Texte recyclet. Das war damals so ueblich.
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#6
(15-07-2019, 19:22)Geobacter schrieb: "Unheilvoll" ist bei Trump noch geschmeichelt


Ich habe eine Bitte
Das hier ist ein Thread im Bereich "Christentum und Theologie" und ich möchte hier gerne über die Zeit vor 2000 Jahren diskutieren

Es soll nicht jeder Thread mit deinem Haß auf Trump zugespamt werden
Es darf in einem Religionsforum im Bereich "Christentum und Theologie" vielleicht auch noch religiöse Themen geben - Du kannst ja im Bereich "Politik und Soziales" einen Thread eröffnen, wo Du all Deinen Zorn auf Gott und die Welt abladen kannst


Hier möchte ich Fragen zur Interpretation zu Daniel aufwerfen - ob er ein Prophet war oder nicht
Was spricht dafür - was spricht dagegen
Warum hat Jesus den Daniel als Propheten bezeichnet? War das eine Neuerung Jesu oder war das damals üblich oder noch üblich ?
Schwer vorstellbar, daß ein Buch von den Propheten zu den Ketuvim verschoben wurde - aber nicht undenkbar
Gibt es eine alte Fassung des Tanach aus der Zeit des Herodes ?
Was meinte Daniel mit dem "unheilvollen Gräuel" am heiligen Ort ? Die Römische Legion ? Die Feldzeichen der Römischen Legion ?
Der heilige Ort kann nur der Tempel sein und kein anderer Ort
Hat jemand eine Idee welche Stelle in Daniel gemeint sein könnte ?
Der Einschub "der Leser begreife" deutet darauf hin, daß dies in Daniel nicht explizit gesagt wird, sondern daß es Bibelverständnis erfordert dies zu erkennen
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#7
(15-07-2019, 23:11)Ulan schrieb: Die Stelle bezieht sich auf den 15 Dezember 167 v.Chr., als Antiochus IV. Epiphanes im Tempel zu Jerusalem dieses "unheilvolle Graeuel" aufstellte (wohl einen griechischen Altar), nachdem das juedische Gesetz verboten worden war. Der Tempel war durch diesen Akt jedenfalls entweiht.

Das Buch Daniel ist aber insofern eine gescheiterte Prophezeiung, da offensichtlich nicht der Untergang kam, sondern die Makkabaeer fuer jedermann ueberraschend den Krieg gewannen und  Judaea unabhaengig wurde. ( . . . )
Ein moeglicher Bezug eines Vorlaeufertexts des Evangeliums ist z.B. der Beschluss Kaiser Caligulas im Jahre 40 n.Chr., den Jerusalemer Tempel in einen Ort des Kaiserkults zu verwandeln und eine ueberlebensgrosse Statue von sich dort aufzustellen. Die Statthalter zoegerten das solange hinaus, dass die Angelegenheit nach der Ermordung Caligulas im Jahre 41 gegenstandslos wurde.


Hallo Ulan
Danke für Deinen interessanten Input
Unsere Beiträge haben sich überkreuzt
Während ich Beitrag # 6 schrieb, hast Du Beitrag # 5 geschrieben.
So konnte ich das vom griechischen Altar im Tempel von Jerusalem und von der gescheiterten Prophezeiung und vom Makkabäeraufstand nicht lesen. Ist hochinteressant !

Du schreibst vom 15. Dezember 167 v.Chr.
Diese Jahreszahl muß auch Jesus bekannt gewesen sein (Jesus war ja gerne im Tempel und wurde mosaisch erzogen)
Wenn nun Jesus von einem zukünftigen Gräuel am heiligen Ort spricht, dann kann er nicht die Vorfälle des Jahres 167 v.Chr. gemeint haben

Meine Vermutung geht zum Jahre 70 n. Chr. als der Tempel von den Römern zerstört wurde -
allerdings bin ich mit dieser Interpretation auch nicht zufrieden, da ja Jerusalem schon lange vor der Zerstörung des Tempels eingekesselt und belagert wurde.
Die Stadtbewohner konnten nicht mehr in die Berge fliehen
Die Anordnung "Wenn ihr dann am heiligen Ort den unheilvollen Gräuel stehen seht, der durch den Propheten Daniel vorhergesagt worden ist - der Leser begreife -, dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen" konnte sich somit nur auf die Bewohner von Judäa außerhalb Jerusalems beziehen.


Mit beiden Zeitpunkten bin ich nicht zufrieden:
167 v.Chr paßt nicht in eine Warnung Jesu vor zukünftigen Dingen
70 n. Chr. klingt plausibler, hat aber den Nachteil, daß es für die Bewohner Jerusalems zum Zeitpunkt als der unheilvolle Gräuel am heiligen Ort (dem Tempel) stand, zu spät war, in die Berge zu fliehen; zu spät war, die Anordnung "wer gerade auf dem Dach ist, soll nicht mehr ins Haus gehen, um seine Sachen mitzunehmen; wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen" zu befolgen . . .

Der Einschub "der Leser begreife" deutet darauf hin, daß es Bibelverständnis erfordert dies zu erkennen


(15-07-2019, 23:11)Ulan schrieb: Wie Ekkard sagt, das NT benutzt das AT als Steinbruch.

Das Wort "Steinbruch" ist zwar plakativ aber nicht passend
Das Wort "Zitatensammlung" wäre angebracht

Wenn heute ein Wissenschaftler eine Lehre entwickelt, wird von ihm verlangt, daß er seine Ideen belegen kann. Er zitiert die von ihm verwendeten Textbausteine genau um die wissenschaftlichen Qualitätskriterien zu erfüllen.

Jesus baute auf dem Tanach auf (Christen sagen AT dazu) - das ist die Thora und die Propheten
Die Lehre Jesu ist eine Fortsetzung des Tanach bzw AT
Jesus sagte:
"Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben." Mt 5,17 (Einheitsübersetzung)

Und wie man sieht, bezog sich Jesus im vorliegenden Punkt auf die Vorhersage von Daniel
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#8
Eines von mehr brutalen Geschichten
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#9
(15-07-2019, 23:30)Sinai schrieb: Du schreibst vom 15. Dezember 167 v.Chr.
Diese Jahreszahl muß auch Jesus bekannt gewesen sein (Jesus war ja gerne im Tempel und wurde mosaisch erzogen)
Wenn nun Jesus von einem zukünftigen Gräuel am heiligen Ort spricht, dann kann er nicht die Vorfälle des Jahres 167 v.Chr. gemeint haben

Das ist beliebig unwahrscheinlich. Als Galilaeer von irgendeinem winzigen Kaff auf dem Lande hatte er mit Sicherheit keine besondere Erziehung. Die Tempelepisoden in den Evangelien sind sowieso nachtraeglich erfundene Legenden.

(15-07-2019, 23:30)Sinai schrieb: Mit beiden Zeitpunkten bin ich nicht zufrieden:
167 v.Chr paßt nicht in eine Warnung Jesu vor zukünftigen Dingen

(15-07-2019, 23:11)Ulan schrieb: Wie Ekkard sagt, das NT benutzt das AT als Steinbruch.

Das Wort "Steinbruch" ist zwar plakativ aber nicht passend
Das Wort "Zitatensammlung" wäre angebracht

Wenn heute ein Wissenschaftler eine Lehre entwickelt, wird von ihm verlangt, daß er seine Ideen belegen kann. Er zitiert die von ihm verwendeten Textbausteine genau um die wissenschaftlichen Qualitätskriterien zu erfüllen.

Tun sie ja. Eigentlich fuer andere Ereignisse geschriebene Prophezeiungen im AT wurden fuer neue Ereignisse umfunktioniert. Ein sehr schoenes Beispiel aus Qumran ist zum Beispiel der Habakuk-Pescher*, wo beides, der Originaltext von Habakuk und die uebertragene Bedeutung fuer zeitgenoessische Vorgaenge im selben Text aufgefuehrt sind. Inhaltlich hat der mit Jesus natuerlich nichts zu tun, aber er zeigt auf, dass die Vorgehensweise fuer religioese Juden ganz normal war. Das wird uebrigens auch heute noch gemacht.

Das Markus-Evangelium ist doch ein schoenes Beispiel. Im Prinzip faengt es damit an, ein Zitat aus Maleachi mit einem Zitat aus Jesaja zu kombinieren und daraus eine neue Geschichte zu spinnen. Das Evangelium ist voll von solchen Andeutungen.

Insofern muss man immer im Hinterkopf behalten, dass das urspruengliche Evangelium im Prinzip eine allegorische Umdeutung alttestamentlicher Texte gewesen sein koennte, die die Kriegsereignisse der Jahre bis 70 verarbeitete. Ob die darin auftauchenden Charaktere wirklich existierten oder nicht, ist dafuer nicht einmal erheblich. Dass mehrere der in den Evangelien verarbeiteten Erzaehlungen auch bei Josephus, aber anderen Personen zugeordnet, zu finden sind, macht das fuer mich noch wahrscheinlicher.

Uebrigens hat auch Paulus das gemacht. Er hat ja selbst behauptet, er haette Christus "in den Schriften gefunden". Dass er je irgendetwas von einem Wanderprediger aus Galilaea gehoert haette, ist aus seinem umfangreichen Briefmaterial nicht zu entnehmen.


*Zur Wortbedeutung (Zitat Wikipedia): "Ein Pescher (hebräisch פשר, Pl. Pescharim) ist eine literarische Gattung der Bibelauslegung, wie sie sich in den Schriftrollen vom Toten Meer findet. Dabei wird ein zumeist prophetischer Text auf die eigene Gegenwart der Verfasser gedeutet, dies jedoch wiederum in Chiffren. Inwieweit sich aus diesen oft dunklen Anspielungen historische Daten der Qumran-Gemeinschaft und ihrer Umwelt erheben lassen, ist umstritten."
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#10
(16-07-2019, 00:24)Karl_Toffel schrieb: Eines von mehr brutalen Geschichten

Die dir wohl ein "Gräuel" sind...

Alles nur Ansichtssache.... Wir Menschen neigen halt dazu, Geschichten, wie gar nicht so  selten auch eigene Erinnerungen dem Idealbild unseres Selbst anzugleichen, das wir gern von uns hätten. Da ist es vollkommen normal, dass immer die anderen die weniger edlen Nebenrollen zugewiesen kriegen. Und dass es dann immer schnell mal "brutal" wird, weil die ja auch diesem heheren Laster zugetan sind, versteht sich doch von selbst.

Wen kümmern dann noch  "historische Tatsachen" oder irgendwelche wissenschaftlichen Fakten, wenn man als kleinmütiger selbstgerechter Vasall seines eigenen fantastisch-herroischen Selbstbildes (die heiligste Stätte aller heiligen Stätten)....... auf seiner eigenen allerheilgsten Stätte, als riesengroßer "A****" aufgestellt wird.

Welche Gerechtigkeit kann einem solch unerhörten Frevel noch gerecht werden .. wenn nicht die grenzenlose Wut eines allerhöchsten Gottes, dessen Allmacht noch weit über das diesseitige Dasein hinausreicht. Der Beruf des Propheten, welcher wegen des allgegenwärtigen Lynch-Risikos, damals sicher noch sehr einträglich war, wenn man seine Sache gut machte..

hat uns in diesem Zusammenhang halt all diese "brutalen Geschichten" beschert.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#11
(15-07-2019, 16:54)Sinai schrieb: Ich habe eine schaurige Stelle im Evangelium gefunden, mit der ich wenig anzufangen weiß 
"Wenn ihr dann am heiligen Ort den unheilvollen Gräuel stehen seht, der durch den Propheten Daniel vorhergesagt worden ist - der Leser begreife -, dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen; wer gerade auf dem Dach ist, soll nicht mehr ins Haus gehen, um seine Sachen mitzunehmen; wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. Weh aber den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen. Betet darum, dass ihr nicht im Winter oder an einem Sabbat fliehen müsst."
Mt 24,15ff (Einheitsübersetzung)

Manchmal ist es wirklich grauenvoll, dass sozusagen die Kälte und Ablehnung des Heiligsten bis zum Allerheiligsten vordringt. Papst Benedikt XVI. hat darüber einmal in einer Kreuzwegandacht meditiert:

"Was kann uns der dritte Fall Jesu unter dem Kreuz sagen? Wir haben an den Sturz des Menschen insgesamt gedacht, an den Abfall so vieler von Christus in einen gottlosen Säkularismus hinein. Müssen wir nicht auch daran denken, wie viel Christus in seiner Kirche selbst erleiden muß? Wie oft wird das heilige Sakrament seiner Gegenwart mißbraucht, in welche Leere und Bosheit des Herzens tritt er da oft hinein? Wie oft feiern wir nur uns selbst und nehmen ihn gar nicht wahr? Wie oft wird sein Wort verdreht und mißbraucht? Wie wenig Glaube ist in so vielen Theorien, wie viel leeres Gerede gibt es? Wie viel Schmutz gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die im Priestertum ihm ganz zugehören sollten? Wie viel Hochmut und Selbstherrlichkeit? Wie wenig achten wir das Sakrament der Versöhnung, in dem er uns erwartet, um uns von unserem Fall aufzurichten? All das ist in seiner Passion gegenwärtig. Der Verrat der Jünger, der unwürdige Empfang seines Leibes und Blutes, muß doch der tiefste Schmerz des Erlösers sein, der ihn mitten ins Herz trifft. Wir können nur aus tiefster Seele zu ihm rufen: Kyrie, eleison - Herr, rette uns (vgl. Mt 8, 25)."
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#12
(17-07-2019, 11:10)Burkl schrieb: Manchmal ist es wirklich grauenvoll, dass sozusagen die Kälte und Ablehnung des Heiligsten bis zum Allerheiligsten vordringt. Papst Benedikt XVI. hat darüber einmal in einer Kreuzwegandacht meditiert:

Burkl.. das menschliche Streben nach Identifikation mit heheren Idealen ist nicht einfach nur Unsinn, sondern bösartiger Schwachsinn. Papst Bendikt hat auch kürzlich in einem seiner gelgentlichen "offen Briefe" gemeint, dass  nicht die Täter der Katholischen Missbrauchsfälle die eigentlichen Verbrecher seien, sondern die Opfer, welche die Gemeinschaft der Katholische Kirche spalten. Dass er mit solchen Aussagen auch noch selber den allerletzten kleinen Haufen unerschütterlich-katholischer Loyalisten  spaltet, ist diesem dementen heiligen Benedikt wohl nicht ganz klar gewesen.

Auf der Skala der menschlichen Klugheit gibt es eine Obergrenze. Nur die menschliche Dummheit ist grenzenlos.. und dabei spielt wohl auch der Glaube an einen transzendenten Gott und das Streben nach Identifikation mit heheren Idealen eine nicht unerhebliche Rolle.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#13
Zitat:Auf der Skala der menschlichen Klugheit gibt es eine Obergrenze. Nur die menschliche Dummheit ist grenzenlos.

Ja - das hat etwas für sich.


"Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit."


Ödön von Horvath
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#14
(17-07-2019, 17:31)Burkl schrieb:
Zitat:Auf der Skala der menschlichen Klugheit gibt es eine Obergrenze. Nur die menschliche Dummheit ist grenzenlos.

Ja - das hat etwas für sich.


"Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit."


Ödön von Horvath

Ja freilich Burkl. Deswegen ist ja dieser ganze religiöse/spirituelle Dampf und Nebel  mit dem man sich einfach mal "transzendent" von der ganzen rauhen Wirklichkeit abschirmen kann, bei so vielen Artgenossen so außergewöhnlich zeit- und grenzenlos beliebt.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#15
Was wäre, wenn das eigentlich Vernebelnde, die Existenz des Menschen Verfälschende und ein menschenwürdiges Leben Verunmöglichende wäre, diese vielleicht 70-80 Lebensjahre und die darauf unerbittlich folgende Verwandlung zum verwesenden Klumpen Fleisch oder Häufchen Asche als Endbestimmung und letzte Perspektive des Menschen zu sehen?
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