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Mein polytheistisches Christsein
#1
Der freie Wille als Grundlage

Ich denke also bin ich. Die Wahrnehmung des eigenen Denkens, das menschliche Bewusstsein, ist Tatsache. Wer bewusst denkt, erlebt auch die Fähigkeit eigene Entscheidungen zu treffen. Man kann den freien Willen für eine Illusion halten. Man kann jedoch nicht das Gefühl, einen freien Willen zu haben, in Frage stellen. Ich glaube an den freien Willen, weil ich an mich selbst glaube. Der Glaube an die Realität des freien Willens ist Kern meiner Spiritualität. Nach einem streng wissenschaftlichen Weltbild kann es einen freien Willen nicht geben. Wo soll ein freier Wille herkommen? Kann man sich den freien Willen in einer Welt, die nur aus Wellen und Teilchen besteht, vorstellen? Wer sich selbst freie Entscheidungen zuschreibt, hat die Welt des Übernatürlichen und Irrationalen, die Welt des Glaubens, bereits betreten.

Gott ist logisch

Niemand bestreitet, dass die Existenz Gottes weder bewiesen noch widerlegt werden kann. Als aufgeklärter Mensch bin ich deshalb Agnostiker. Viele Agnostiker bezeichnen sich als Atheisten, um sich deutlicher von Religiösen abzugrenzen und genauso bezeichnen sich viele Agnostiker als Theisten, um ihre Zugehörigkeit zu einer Religion zu betonen. Glauben und Wissen sind verschiedene Dinge, deshalb bin ich ein an Gott glaubender Agnostiker. Sich trotz Ungewissheit für Gott zu entscheiden kann man logisch begründen. Wenn es keinen Gott gibt und die unsterbliche Seele nur eine Illusion war, was habe ich dann durch meinen Irrglauben verloren? Nach meinem Tod nichts, weil das Menschsein dann als bloße Illusion im Nichts verschwindet. Habe ich durch meinen Irrglauben im Diesseits etwas vertan? Die Zeiten des Ablasshandels sind auch in der katholischen Kirche inzwischen vorbei. Und die Teilnahme an religiösen Ritualen und Meditationen befriedigt meine inneren Bedürfnisse bereits im hier und jetzt. Man kann also durch den Glauben nur gewinnen. Wer Gott sucht, sucht sich selbst. Und manchmal hat die Suche Erfolg. Aus Sicht der Vernunft ist Gott Arbeitshypothese für das praktische Leben. Und so sehe ich mich auch weniger als tiefgläubigen Christen sondern als praktizierenden Christen.

Warum ausgerechnet Christus?

Es gibt keinen Grund nur an einen Gott zu glauben. Das Chaos auf dieser Welt kann man sich viel besser als Ergebnis widerstreitender göttlicher Interessen erklären. Die Bibel selbst nennt den Teufel als Gegenspieler des vermeintlich allmächtigen Vaters. Als aufgeklärter Christ sehe ich den christlichen Gott nicht als allmächtigen Vater. Er ist nur einer von mehreren Göttern. Er ist der Gott des Volkes Israel. Im Wettstreit verschiedener Götter hatte er die Idee, sich etwas größer zu machen als er ist. Als aufgeklärter Christ bin ich Polytheist. Ich habe mir den Christengott als Hausgott ausgesucht. Ich glaube, dass er mächtig, nicht allmächtig ist. Andere Götter gibt es auch, aber ich brauche sie nicht. Die Theodizeefrage kann man mit dem Glauben an den Teufel bequem beantworten. Die monotheistischen Verrenkungen, die im Vatikan unternommen werden, um einen Herrschaftsanspruch zu rechtfertigen, brauche ich nicht. Um mein persönliches Seelenheil zu finden, genügen mir die Bergpredigt, die Unsterblichkeit und das christliche Gemeinschaftserlebnis.
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#2
passt..

Auch wenn ich mich mir selber den atheistischen Satyr als Hausgott ausgewählt habe, habe ich überhaupt nichts gegen deine weltanschauliche Einstellung einzuwenden..

Bezüglich des freien Willens, den wir nun mal brauchen um immer wieder neue Lösungsansätze zu finden und somit auch riskieren, uns gewaltig zu irren, gäbe es den einen oder anderen Einwand, aber ansonsten passt es.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#3
Smile 
Danke für die Zustimmung. Ob ich Satyr als atheistischen Hausgott weiterempfehlen würde, weiß
ich allerdings noch nicht. Es ist aber in jedem Fall ein interessanter Gedanke.
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#4
(29-09-2019, 14:33)Thomas der Ungläubige schrieb: Danke für die Zustimmung. Ob ich Satyr als atheistischen Hausgott weiterempfehlen würde, weiß
ich allerdings noch nicht. Es ist aber in jedem Fall ein interessanter Gedanke.

Mein Hausgott hat nichts mit dem mythologischen Satyr zu tun, als viel mehr mit dem guten Schelm der Satire. Also keine Sorge. Unglücklicher Weise gibt es noch keine so ganz eindeutige Rechtschreibung für den moderneren Satir und einfach nur einen Karikaturisten im eigentlichen Sinne  will und kann ich mich auch nicht nennen, da ich hauptberuflich ja etwas ganz anderes mache.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
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#5
Hallo 'Thomas der Ungläubige',
zuerst einmal ein herzliches Willkommen in unseren Diskussionsrunden!
Es gibt ein paar Dinge, die ich anders sehe. Aber im Großen und Ganzen kann ich deinen Ausführungen folgen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
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#6
Hallo Thomas,

ein herzliches Willkommen auch von mir!
MfG B.
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#7
Thomas der Ungläubige schrieb:Ich denke also bin ich. Die Wahrnehmung des eigenen Denkens, das menschliche Bewusstsein...
Servus,
das hast Du gut zurechtgerückt. Die Gleichung Denken=Sein geht nicht auf, wogegen 'Wahrnehmung des Denkens', also Bewusstsein und Sein der gleichen Ebene angehören.

Thomas der Ungläubige schrieb:Und die Teilnahme an religiösen Ritualen und Meditationen befriedigt meine inneren Bedürfnisse bereits im hier und jetzt.
Was praktizierst Du (wenn es nicht zu persönlich ist)?
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