Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Tell el-Yahudiya
#1
Abgespalten von:
Christentum und Theologie > Paulus und die Skeptiker von Korinth
Beitrag # 12
(30-10-2019, 00:56)Ulan schrieb: ( . . . )
Der am laengsten operierende Jahwe-Tempel war der in Leontopolis, der erst 73 n. Chr. zerstoert wurde, und auch dort wurden Opfer durchgefuehrt. Der Tempel in Jerusalem war mit Sicherheit der wichtigste, aber so eng wurde das damals von vielen Juden nicht gesehen. Da die meisten Juden ausserhalb Israels wohnten, kann man gar nicht mal so genau sagen, wie die gaengigsten Praktiken aussahen.


Wenn man im Google eingibt: Leontopolis
kommt: Tell el-Yahudiya - Wikipedia
3. Der jüdische Tempel des Onias
"Die meisten Juden – auch jene in Ägypten – lehnten dieses Heiligtum ab . . .
Archäologisch nachgewiesen ist er nicht, die Anwesenheit von Juden an diesem Ort ist aber belegt."
Zitieren
#2
(30-10-2019, 14:07)Sinai schrieb: Archäologisch nachgewiesen ist er nicht, die Anwesenheit von Juden an diesem Ort ist aber  belegt."

Wie kann die Anwesenheit von Juden an einem Ort belegt sein, für dessen Existenz es keinerlei Belege gibt?
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
Zitieren
#3
(30-10-2019, 14:29)Geobacter schrieb: Wie kann die Anwesenheit von Juden an einem Ort belegt sein, für dessen Existenz es keinerlei Belege gibt?

Nun, Josephus erzaehlt von ihm in seiner Geschichte des Juedischen Krieges. Er erzaehlt, wie und wann er gegruendet wurde, wie er aussah, dass dort Opfer stattfanden, und er erwaehnt halt auch, dass dieser Tempel auf Geheiss des Verspasian durch den aegyptischen Gouverneur Lupus zerstoert wurde, damit dort nicht ein neues Zentrum der Rebellion entstand. Die Kaempfe waren wohl auch dort heftig - Gouverneur Lupus kam bei der Ausfuehrung des Befehls um. Der nicht unerhebliche Schatz des Heiligtums wurde durch seinen Nachfolger Paulinus eingezogen, und alle Spuren des Tempels wurden beseitigt, genau wie in Jerusalem, wo der Tempel auch komplett dem Erdboden gleichgemacht wurde.

In solch einem Fall sind also nur wenige archaeologische Reste zu erwarten, und da der juedische Tempel einen Tempel der Bubastis ersetzte, muss man dann noch klaeren, zu welcher Schicht was gehoert.

Der von Josephus zitierte Briefwechsel des Onias mit dem Pharao Ptolemaeus VI. bezueglich der Gruendung ist wohl aus verschiedenen Gruenden eine Faelschung, aber es zeigt den Rechtfertigungsdruck, den es auf diesen Tempel in spaeteren Zeiten gegeben haben muss.

Ueber die Bedeutung kann man nicht viel sagen. Jedenfalls hat er fuer mehrere Jahrhunderte existiert und hat den in Jerusalem, wenn auch kurz, ueberdauert. Anlass der Gruendung war wohl urspruenglich die Umwidmung des Tempels in Jerusalem in einen heidnischen Tempel, also die Episode, die im Buch Daniel thematisiert wird, die zur Gruendung des neuen Tempels durch einen nach Aegypten geflohenen Nachkommen des letzten "gesalbten" Hohepriesters Onias III. (dem "Christus" des Daniel-Buches) fuehrte.
Zitieren
#4
Dazu H. Graetz:

In einem verfallenen Götzentempel der ägyptischen Gottheit Bubastis, in dem Städtchen Leontopolis, wo einst Tiere abgöttisch verehrt worden waren, baute Onias ein judäisches Heiligtum. Dasselbe hatte äußerlich nicht ganz die Gestalt des jerusalemischen Tempels, sondern war turmähnlich aus gebrannten Steinen erbaut. Im Innern hingegen waren die Tempelgeräte ganz nach dem Muster der jerusalemischen eingerichtet, nur dass statt des siebenarmigen stehenden Leuchters ein goldener Hängeleuchter an einer goldenen Kette angebracht war. Priester und Leviten, welche sich der Verfolgung in Judäa entzogen hatten, fungierten an diesem Onias-Tempel (Bet-Chonjo) mit Opfer und Liturgie. Für die Bedürfnisse des Tempels und der Priester überließ der König das Einkommen der heliopolitanischen Gegend auf großmütige Weise. Diese ganze Gegend, welche einen kleinen Priesterstaat bildete, führte den Namen Onion um  153-152. Es war noch ein Einigungsband mehr für die ägyptischen Judäer.

Obwohl sie den Oniastempel als ihren religiösen Mittelpunkt ansahen, dorthin zur Festzeit wallfahrteten und daselbst ihren Opferbedürfnissen genügten, so dachten sie doch nicht daran, etwa wie die Samariter, dem jerusalemischen Heiligtum die Verehrung aufzukündigen und ihm das ihrige nebenbuhlerisch gleichzustellen oder gar überzuordnen.
[…]
In Judäa würde man unter Umständen in ruhigen, der Empfindlichkeit und Peinlichkeit günstigeren Zeiten den Oniastempel gleich dem Garizimtempel mit dem Banne belegt und dessen Angehörige gleich den Samaritanern aus der judäischen Gemein schaft ausgeschlossen haben. Aber als die erste Kunde von dem Bau des ägyptisch-judäischen Tempels in Judäa einlief, war die Zerrüttung in Staat und Tempel noch derart, dass man keine Ursache hatte, einen Akt zu verdammen, der doch in der besten Absicht geschehen war. Betrachtete man den Gründer des Onias-Tempels, der ein Abkömmling einer langen Reihe von rechtmäßigen Hohenpriestern war, dessen Geschlecht seinen Anfang aus der Davidischen und Salomonischen Zeit datierte, und dem man die Wiederherstellung des Tempels nach der Rückkehr aus dem Exile verdankte, der Simon den Gerechten zu seinen Ahnen zählte, und dessen Vater der fromme Onias III. war, so konnte man ihm umso weniger grollen. Später, als die hasmonäischen Hohenpriester den Kultus in seiner Lauterkeit wieder hergestellt hatten, sah man allerdings mit Bedauern auf einen im Auslande bestehenden Tempel, welcher die religiöse Einheit und die Heiligkeit des judäischen Bodens gefährdete; aber dann hatte der Oniastempel durch die Reihe von Jahren seines Bestehens und die Dienste, welche Onias durch Einwirkung auf den König Philometor dem judäischen Staate geleistet, in den Gemütern soweit Wurzel gefasst, dass es nicht mehr an der Zeit war, ihn zu verdammen.

Heinrich Graetz. Geschichte der Juden Bd 3.1, 5. Aufl. 1905 Leipzig, S. 31ff.
MfG B.
Zitieren
#5
(30-10-2019, 15:30)Ulan schrieb:
(30-10-2019, 14:29)Geobacter schrieb: Wie kann die Anwesenheit von Juden an einem Ort belegt sein, für dessen Existenz es keinerlei Belege gibt?


Ueber die Bedeutung kann man nicht viel sagen. Jedenfalls hat er fuer mehrere Jahrhunderte existiert und hat den in Jerusalem, wenn auch kurz, ueberdauert. Anlass der Gruendung war wohl urspruenglich die Umwidmung des Tempels in Jerusalem in einen heidnischen Tempel, also die Episode, die im Buch Daniel thematisiert wird, die zur Gruendung des neuen Tempels durch einen nach Aegypten geflohenen Nachkommen des letzten "gesalbten" Hohepriesters Onias III. (dem "Christus" des Daniel-Buches) fuehrte.
Interessant.
Und wenn ich der Erklärung richtig gefolgt bin, dann  hat also auch der Josephus  selber nur von einem Enkel des Herrn von "Von Höhernsagen" etwas über diesen Tempel erfahren.

Ich bin zwar dessen was die Historik Jüdischer wie Christlicher Geschichte angeht, ein "Vollhorst"" unter den Ungebildeten, aber, wenn sich in einer Erzählung etwas nicht reimt, dann werd ich halt schnell mal misstrauisch.

Also nichts für ungut.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
Zitieren
#6
Nun, das mit den "Hoehrensagen" ist bei alten Historikern so eine Sache. Wo sollen die sonst ihre Informationen hergehabt haben? Gerade in solch einem Fall, der sich mit dem frommen Narrativ beisst, dass der Tempel in Jerusalem der einzige gewesen sein sollte, ist das eher ein Hinweis auf die generelle Glaubwuerdigkeit der Geschichte, auch wenn einzelne Details nicht stimmen. Was stimmig ist, sind die Motive der Beteiligten. Die theologische Rechtfertigung findet sich uebrigens in Jesaja, wo die Gruendung eines Tempels in Aegypten prophezeit wird, und das reichte in dem Fall wohl.
Zitieren
#7
(30-10-2019, 16:40)Ulan schrieb: Nun, das mit den "Hoehrensagen" ist bei alten Historikern so eine Sache. Wo sollen die sonst ihre Informationen hergehabt haben? Gerade in solch einem Fall, der sich mit dem frommen Narrativ beisst, dass der Tempel in Jerusalem der einzige gewesen sein sollte, ist das eher ein Hinweis auf die generelle Glaubwuerdigkeit der Geschichte, auch wenn einzelne Details nicht stimmen. Was stimmig ist, sind die Motive der Beteiligten. Die theologische Rechtfertigung findet sich uebrigens in Jesaja, wo die Gruendung eines Tempels in Aegypten prophezeit wird, und das reichte in dem Fall wohl.

Ich bin überzeugt, dass es überall dort wo Israeliten/Juden lebten, auch einen Tempel oder eine Kultstätte gegeben hat.
Wahrscheinlich auch im babylonischen Exil - vielen Juden hat es ja dort in Babylonien so gut gefallen, dass sie nach dem Exil gar nicht mehr heim wollten... Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass wohl auch der Pharao in Ägypten all-- seinen Gastarbeitern "ein Garage" für ihre Kulthandlungen zur Verfügung stellte...

Nichts desto trotz weis ich als besonders Interessierter für Archäologie, dass die Mauern der kleinen Hofstätte Jericho so morsch waren, dass schon ein einziger "Furz" sie zum Einsturz brachte. Und keine großen, so überaus "wichtigen" Posaunen.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
Zitieren
#8
Sicherlich. Vom Tempel in Jerusalem ist aber auch nichts mehr da (die Klagemauer ist eine Seite des Fundamentplateaus, das eine ebene Flaeche bot, um darauf irgendwo den Tempel zu bauen), und den gab's mit Sicherheit. Die Roemer wollten halt sichergehen, dass da nichts mehr bleibt. Wenn alte Historiker so etwas schreiben, bedeutet das in den meisten Faellen nichts, aber im 1. Juedischen Krieg wurde das wohl tatsaechlich durchgefuehrt.
Zitieren
#9
(30-10-2019, 18:46)Ulan schrieb: Sicherlich. Vom Tempel in Jerusalem ist aber auch nichts mehr da (die Klagemauer ist eine Seite des Fundamentplateaus, das eine ebene Flaeche bot, um darauf irgendwo den Tempel zu bauen),

Aber diese Klagemauer ist zumindest schon mal.. etwas, wo man sagen kann: " ja , das ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine der Grundmauern jenes Tempels gewesen, den die Römer laut eigener Geschichtsschreibung damals um 70 herum.. platt gemacht haben.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
Zitieren
#10
Eine Grundmauer des Tempels ist die Klagemauer eben gerade nicht.
Zitieren
#11
(30-10-2019, 20:51)oUlan schrieb: Eine Grundmauer des Tempels ist die Klagemauer eben gerade nicht.
Stimmt auch wieder.. 

Bei der Größe der Steinquadern, die für diese Mauer verwendet worden sind.. und das, für eine damals fast bedeutungslose Westmauer...

Aber Archäologen dürfen den Tempelberg ohnehin nur ohne Spitzhacke betreten.  Das Mitbringen von Bodenradar und ähnlichem technischen "Firlefanz" ist auch verboten. Manchmal hat man fast den Eindruck, als wenn  sich diese Ängste vor den Archäologen vor allem darauf gründen, dass da möglicherweise gar nicht viel zu finden ist, oder auch ganz etwas anderes.
Der Mensch erschuf sich Gott nach seinem "Bilde" und hat noch immer schwer daran zu schaffen. 
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste