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Der Zen-Weg Aspekt: Keine Belohnung im Zen
#31
Samu - [absichtslose] Arbeit als Meditation ist von Alters her üblich, und nicht auf
Novizen beschränkt - bekannt z.B. die Geschichte von P'ai-chang, dem die Mönche
die Arbeitsgeräte versteckten, weil sie wegen seines hohen Alters Sorge um ihn hatten
(und der daraufhin das Essen verweigerte, bis er wieder arbeiten konnte), auch Kobun
Chino Roshi hat sich selbstverständlich an Samu immer beteiligt. In modernen Klöstern
sind allerdings meist 'Funktionsmönche' (Roshi, Tenzo, Verwalter, Novizenmeister o.ä.)
vom Samu befreit.
Samu anstatt [formaler] Meditation ist möglich, aber bei uns im Westen eher wenig
gebräuchlich - die schon mal erwähnte chinesische Zen-Lehrerin sagte oft, sie sei
noch nie formal 'gesessen', sie hätte 'ihr Zen' immer beim Kochen und Putzen geübt.
Diese Methode hier bei uns weiterzugeben war ihr allerdings nicht möglich.
Wo und in welcher Form der Palikanon sagt, dass Erleuchtung der Grundzustand des
Menschen wäre, dazu hätte ich gern eine konkrete Quelle.
() qilin
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#32
Nun ist das aber genau der "Zen" den ich tagtäglich praktiziere; (@theodora: damit wäre die Frage beantwortet ;) ),..Zazen betreibe ich äußerst selten, ich versuche lieber Samu in meinen Alltag einzubinden; sei es bei der Hausarbeit, bei der Wartung meiner Ausrüstung, beim Schießtraining (modernes "Kyudo" mit der Glock ;)),...

Ich bezeichne mich auch nicht als Buddhist im klassischen Sinne, da ich zB der Verehrung Buddhas ablehnend gegenüber stehe; ich bin der Meinung, er war ein Lehrer; einen Lehrer respektiere, verehre ihn aber nicht; Anrufungen buddhas sind aus meiner persönlichen Sicht genauso Sinnvoll wie wenn ich zu meinem früheren Mathelehrer "bete",..

sehr wohl aber folge ich der Philosophie, dass alles eins ist, alles miteinander verbunden; mein Ich und mein Körper sind nur eine Projektion dieser universellen Macht,..diese Einheit erfahre ich eben durch Satori,..
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben
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#33
Hallo d.n.,
Kyudo finde ich toll. Im Alltag ergeben sich immer Gelegenheiten "den Bogen zu spannen und absichtlos zu schiessen".
Der Bogen ist für mich Symbol - aber nicht nur -, für diese geistige Konzentration und innerer Sammlung. Kendo und Kyudo würde ich gerne erlernen, was in ländlichen Räumen eher schwierig ist. Ich vermute, dass Dich diese innere, geistige Haltung des Zen, insbesondere auch in Deinen beruflichen Aufgaben, unterstützt.
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#34
Hallo d.n.,

was Du beschreibst ist ein möglicher - mir persönlich recht sympathischer
(im anderen thread habe ich ja ganz Ähnliches geschrieben) - aber eher
untypischer Zugang zum Zen und zum Buddhismus überhaupt... :icon_cheesygrin:
() qilin
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#35
Hallo Theodora,

wie kommst Du eigentlich immer wieder auf's Pferd "Absichtslos".
Auch im Kyudo gibt es eine Absicht, denn es ist keine reine
Meditationsübung und, gerade wenn man diesen Sport per
Wettkampf betreibt, so ist das Ziel, die Absicht, den Mato zu
treffen und damit einen Platz zu gewinnen.
Zen einfach nur banal mit "alles ist ja soooo absichtslos" zu
verallgemeinern ist auch hier nicht gerade richtig. Man kann, wenn
man will - müssen muss man aber nicht. Du verstehst?

Hallo d. n.

hm, eigentlich bist Du ebenso kein klassischer Buddhist wie tausend
andere Leutz auch. Buddha sollten wir ja auch nicht verehren. Bei
den Zeremonien geht es ja auch eigentlich nicht ums verehren von
Buddha.
Ich will es Dir an einem Beispiel verdeutlichen.

Wenn ich in eine Kirche gehe (ich mag die Architektur usw.),
dann verbeuge ich mich vor dem Altar und dem Kreuz. Das
tu ich aber nicht, weil ich an Gott glauben würde oder beten
wollte oder so. Ich tu es, weil ich meinen Respekt bezeugen will.
So ist es auch mit der Buddhastatue. Du sollst Dich nicht vor
der Statue verbeugen, um sie anzubeten oder Buddha anzubeten.
Es geht hierbei um den Respekt den Du zollst. Ist wie bei der
Verbeugung vor Deinem Zafu, wenn Du mal meditierst. Das
tust Du ja auch nur, weil Du dankbar bist einen Platz des Friedens
und der Ruhe zur Meditation zu haben - und nicht weil dieser
Platz "heilig" ist.

Dass du nur Samu machst in Deiner Praxis ist doch O. K., wenn
auch etwas seltsam im Westen. Hauptsache ist doch Du fühlst
Dich in Deiner Übung gut.

() Tao-Ho
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#36
ja, insbesondere die Haltung der Gelassenheit, der "positiven Passivität",..die Verinnerlichung verschiedener Prinzipien ermöglicht es mir, meinen Dienst ohne unnötige Emotionen, sondern rein sachlich zu verichten, d.h. ih reagiere nicht agressiv auf Beleidigungen, oder behandle Straftäter aufgrund ihres Verbrechens unterschiedlich (kommt ja bekanntlich vor, das manche Beamte, zB nen Kinderschänder gröber anfassen, als nen Einbrecher; sollte aber nicht sein),..was Kyudo betrifft, so sind mir die Prinzipien bekannt, ich setze sie eben mit der Schußwaffe um,..da habe ich die Erfahrung gemacht, dass dies mit der Zeit zu "instinktivem Schießen" führt, d.h. Zielen über Kimme und Korn fällt weg, bei gleicher Trefferanzahl
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#37
Zur Verehrung des Buddha gibt's eine schöne Erzählung -

Ein amerikanischer Zennie kam in eine japanisches Kloster, und der Roshi
führte ihn herum - als sie zu einer Buddastatue kamen, verbeugte sich
der alte Japaner, und der Amerikaner meinte verblüfft: "Warum verbeugen
Sie ich vor der Statue - die Zenmeister der alten Zeit haben auf Statuen
gespuckt!" Der Roshi lächelte milde: "OK - ich beugen, Du spucken..."
() qilin
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#38
Jeder solls halten, wie ihm beliebt :icon_cheesygrin:
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben
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#39
Die Liebesgeschichte zwischen Zen und mir, ist eine alte und verinnerlichte. Absichtslos bedeutet auf dieser Ebene: loslassen, geschehen-lassen im Moment.
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#40
das in shin den shin prinzip gilt ja nicht nur zwischen Roshi und schüler ;), es kann auch "einseitig" durch eine "natürlich gewordene Handlung" bzw Verhalten zu bzw auf gewisse Dinge, Einstellungen oder ähnlichem ausgedrückt werden,..Ich glaube, im Westen kann man dies am ehesten mit "heilige Momente" ausdrücken, wobei hier eher das Prinzip gelten sollte, das dieser Zustand automatisch eintritt, sobald man in der Richtung Handlungen setzt (ist schwer zu erklähren was ich meine ;) )

ich vergleiche das mit einem "schalter" im inneren,..am anfang braucht es Rituale um in einen Zustand der "wahrhaftigen Ausübung" zu gelangen, später sind die Rituale nur noch Krücken, und irgendwann kann man zwischen den "Bewußtseinszuständen" hin und herschalten, wie Licht an- Licht ab,..Je "einfacher man sich in diesen meditativen Zustand des loslassens versetzen kann, desto einfacher ist auch satori,..;)
Die gefährlichste Meinung ist die Meinung der Leute, die gar keine eigene Meinung haben
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#41
...erinnert ein wenig an die Art und Weise der Sufi sich in Trance zu versetzen.... Erst kommt das Ritual des Tanzes nach dem Takt der Trommeln, dazu das Ritual den Namen Gottes immer und immer wieder anzurufen - und dann folgt fliessend die "Versenkung", die Stunden andauern kann.
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#42
(11-10-2010, 11:34)Theodora schrieb: Die Liebesgeschichte zwischen Zen und mir, ist eine alte und verinnerlichte. Absichtslos bedeutet auf dieser Ebene: loslassen, geschehen-lassen im Moment.

Wenn Du Zen wirklich verinnerlicht hättest würdest Du das
loslassen loslassen.

() Tao-Ho
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#43
(11-10-2010, 13:20)d.n. schrieb: ich vergleiche das mit einem "schalter" im inneren,..am anfang braucht es Rituale um in einen Zustand der "wahrhaftigen Ausübung" zu gelangen, später sind die Rituale nur noch Krücken, und irgendwann kann man zwischen den "Bewußtseinszuständen" hin und herschalten, wie Licht an- Licht ab,..Je "einfacher man sich in diesen meditativen Zustand des loslassens versetzen kann, desto einfacher ist auch satori,..;)

Hmniain... Wer dem Satori hinterherjagt, der verjagt es eher, als
das er es erreicht. Was man evtl. so erjagen kann ist ein Makyo.
Sicher kann man Satori leichter erreichen, wenn man loslässt.
ABER: wie schon oben geschrieben musst Du, um einen Satori
erreichen zu können auch das loslassen loslassen.

Ist nicht einfach mit dem Satori. Darum ist er ja auch so schwer
zu erreichen und nicht zu erklären...

() Tao-Ho
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#44
... kommen wir ohne Sprache aus? Tao-Ho, ich kann nur bei mir und meinen Erfahrungen und Sprache bleiben. Auch Meister gebrauchen Sprache, sei es, ein Koan dem Schüler zu geben. Wir sind Menschen und daher auch erdenschwer.
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#45
Liebe Tao-Ho,

Hmmm - "Satori jagen".... etwa so: "Wenn Du einem Schmetterling hinterher jagst - wirst Du ihn nie erreichen. Wenn Du Dich aber still hinsetzt und nicht mehr an den Schmetterling denkst - fliegt er vielleicht zurück und setzt sich auf Deine Schulter..."...?
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