13-01-2026, 23:49
Das Metaphysische?
Manchmal ist es ganz lehrreich, ins Lexikon zu schauen, was da über Metaphysik steht. Die Brockhaus Enzyklopädie, Wiesbaden 1971, 12. Band, S.470 oben rechts schreibt (Abschrift): "Die Metaphysik ist philosophische Grundlagenwissenschaft insofern sie auf die Gründe des Seins, des Seienden auf dessen Wesen und Sinn zielt; sie beschreibt die allgemeinen Gesetzlichkeiten der möglichen Wirklichkeitsbereiche und erklärt den Zusammenhang im Wechsel der Erscheinungen. Als ihre Gegenstände, die nach einer phänomenologischen Deskription der Wirklichkeit erschließbar werden, jedoch prinzipiell unerfahrbar bleiben, gelten die Grundthemen von Sein und Nichts, Werden und Vergehen, Kraft und Materie, Wesen und Wirklichkeit, Wahrheit und Wert, Natur, Seele, Geist, Gott, Freiheit, Unsterblichkeit. Die großen philosophischen Systeme der Vergangenheit sind in diesem Sinne immer auch metaphysische Systeme mit wechselnder Akzentführung dieser Themen. Je nach dem Gesamtschema des einzelnen Systems wird dabei die
Metaphysik als die Wissenschaft von allem Unerfahrbaren behandelt und die Beschäftigung mit den Grundlagen der erfahrbaren Wirklichkeit als Naturphilosophie oder spezielle Metaphysik der naturwissenschaftlichen Gegenstände bezeichnet (in diesem Fall ist Metaphysik gleichbedeutend mit Ontologie). Oder es wird die Gesamtbehandlung des unerfahrbaren Seins als Ontologie bezeichnet und dann der Begriff Metaphysik auf die Ontologie der naturwissenschaftlichen Gegenstände eingeschränkt."
Also muss man zunächst feststellen, dass es "das Metaphysische" nicht gibt oder mit der Lehre von den möglichen Wirklichkeitsbereichen übereinstimmt. Die Rede vom Unerfahrbaren klingt hier so, als könne man sich Beliebiges ausdenken, und dann versuchen, daraus etwas herzuleiten.
Das ist aber offenbar nicht gemeint. Der Kontext zeigt, dass eher die menschlichen Denkstrukturen gemeint sind, die ihrerseits bestimmen, wie wir die oben aufgezählten Themenbereiche angehen wollen (oder, wenn man der Philosophie folgt: sollen). Natürlich kann man solche Strukturen nicht erfahren, aber sie werden antrainiert und sind Bestandteil unserer Kultur.
Es ist deshalb auch nicht sinnvoll von einem "Glauben an das Metaphysische" zu reden - jedenfalls nicht so, wie @Subdil und andere das tun. Natürlich gehören Themen wie Wahrheit, Wert, Seele, Geist, Gott, Unsterblichkeit durchaus hierhin.
Aber welchen Wert hat die Rede von Gott oder dessen vehementer Verehrung? Wie wird dadurch unsere Art zu leben für uns und andere verbessert, erträglicher? Das sind doch die metaphysischen Fragen! Es muss schließlich alles herunter gebrochen werden auf unsere (Lebens-) Wirklichkeit! Übrigens gehört die Kontroverse ebenfalls zu den Denkstrukturen, auch wenn wir sie vielleicht nicht übermäßig schätzen.
Manchmal ist es ganz lehrreich, ins Lexikon zu schauen, was da über Metaphysik steht. Die Brockhaus Enzyklopädie, Wiesbaden 1971, 12. Band, S.470 oben rechts schreibt (Abschrift): "Die Metaphysik ist philosophische Grundlagenwissenschaft insofern sie auf die Gründe des Seins, des Seienden auf dessen Wesen und Sinn zielt; sie beschreibt die allgemeinen Gesetzlichkeiten der möglichen Wirklichkeitsbereiche und erklärt den Zusammenhang im Wechsel der Erscheinungen. Als ihre Gegenstände, die nach einer phänomenologischen Deskription der Wirklichkeit erschließbar werden, jedoch prinzipiell unerfahrbar bleiben, gelten die Grundthemen von Sein und Nichts, Werden und Vergehen, Kraft und Materie, Wesen und Wirklichkeit, Wahrheit und Wert, Natur, Seele, Geist, Gott, Freiheit, Unsterblichkeit. Die großen philosophischen Systeme der Vergangenheit sind in diesem Sinne immer auch metaphysische Systeme mit wechselnder Akzentführung dieser Themen. Je nach dem Gesamtschema des einzelnen Systems wird dabei die
Metaphysik als die Wissenschaft von allem Unerfahrbaren behandelt und die Beschäftigung mit den Grundlagen der erfahrbaren Wirklichkeit als Naturphilosophie oder spezielle Metaphysik der naturwissenschaftlichen Gegenstände bezeichnet (in diesem Fall ist Metaphysik gleichbedeutend mit Ontologie). Oder es wird die Gesamtbehandlung des unerfahrbaren Seins als Ontologie bezeichnet und dann der Begriff Metaphysik auf die Ontologie der naturwissenschaftlichen Gegenstände eingeschränkt."
Also muss man zunächst feststellen, dass es "das Metaphysische" nicht gibt oder mit der Lehre von den möglichen Wirklichkeitsbereichen übereinstimmt. Die Rede vom Unerfahrbaren klingt hier so, als könne man sich Beliebiges ausdenken, und dann versuchen, daraus etwas herzuleiten.
Das ist aber offenbar nicht gemeint. Der Kontext zeigt, dass eher die menschlichen Denkstrukturen gemeint sind, die ihrerseits bestimmen, wie wir die oben aufgezählten Themenbereiche angehen wollen (oder, wenn man der Philosophie folgt: sollen). Natürlich kann man solche Strukturen nicht erfahren, aber sie werden antrainiert und sind Bestandteil unserer Kultur.
Es ist deshalb auch nicht sinnvoll von einem "Glauben an das Metaphysische" zu reden - jedenfalls nicht so, wie @Subdil und andere das tun. Natürlich gehören Themen wie Wahrheit, Wert, Seele, Geist, Gott, Unsterblichkeit durchaus hierhin.
Aber welchen Wert hat die Rede von Gott oder dessen vehementer Verehrung? Wie wird dadurch unsere Art zu leben für uns und andere verbessert, erträglicher? Das sind doch die metaphysischen Fragen! Es muss schließlich alles herunter gebrochen werden auf unsere (Lebens-) Wirklichkeit! Übrigens gehört die Kontroverse ebenfalls zu den Denkstrukturen, auch wenn wir sie vielleicht nicht übermäßig schätzen.
Mit freundlichen Grüßen
Ekkard
Ekkard


