14-07-2011, 13:32
(13-07-2011, 14:09)Gundi schrieb: Hallo Karla,
bei Platon scheint das Problem zu sein, dass er die Begriffe "Idee" bzw. "Form" an keiner Stelle wirklich definiert hat.
Philosphieren beginnt auch nicht mit Definieren. Philosphieren hat damit zu tun, die "Wirklichkeit" zu verstehen. Wenn von vornherein definiert wird, bewegt man sich nur innerhalb des eigenen Konsruktes und erforscht nichts Neues.
(13-07-2011, 14:09)Gundi schrieb: Aber auch hier gilt: Platon wollte etwas ganz konkretes ausdrücken und keinen frei interpretierbare Möglichkeit in den Raum stellen.
Wir drehen uns leider im Kreis. Ich habe nie abgestritten, dass ein Autor eventuell etwas ganz Konkretes ausdrücken will.
Ich habe nur - inzwischen wortreich - versucht zu erläutern, dass dies die Leser nicht daran hindert, zu interpretieren. Sie tun es, weil sie Mensch sind. Das ist in der Rezeptiosnforschung längst bewiesen, Du willst das aber abstreiten, und das macht mich ratlos.
Insofern muss ich Dich einfach in Deinem Glauben lassen.
(13-07-2011, 14:09)Gundi schrieb: Die heutige Philosophie ist sich, meiner Kenntnis nach, jedoch relativ einig über das eigentliche Motiv Platons. Dafür gibt es dann eben doch zu viele Hinweise.
Nein. Plato wird nach wie vor unterschiedlich gelesen. Was soll denn "das eigentliche" Motiv sein? Kein Wissenschaftler würde so reden.
(13-07-2011, 14:09)Gundi schrieb: Was du konkret mit folgendem Satz meinst verstehe ich leider nicht so ganz:
"Ich schrieb sinngemäß, dass die eine philosphische Richtung "Idee" mehr im Sinne von Allgemeinbegriff - rationalistischen Sinn - gedeutet hat, eine andere in Richtung Mystik."
Meinst du, dass der Begriff Idee einmal mit Verstand und ein andernmal mit mystischer Eingebung oder ähnlichem erklärt werden kann?
So weit mir bekannt ist, hat Platon darüber keine Aussage getroffen.
Ich spreche nicht von "kann" - wer soll das denn auch erlauben oder verbieten -, sondern von dem, wie Platon de facto durch die Jahrhunderte unterschiedlich verstanden wurde. Ich sprach von der Wirkungsgeschichte.
Da er sehr unterschiedlich verstanden wurde, "kann" man ihn also unterschiedlich verstehen.
Ich hatte ja bereits zitiert, wie Cicero zum Beispiel eine bestimmte Interpretationsrichtung gefördert hat.
Es ist - unter anderem - der jeweilige Epochengeist, der philosophische Texte unter immer neuem Licht betrachten lässt.
