24-08-2011, 09:26
(18-08-2011, 08:26)Theodora schrieb: Beide Positionen, die des Atheismus und Theismus - in ihrer herkömmlichen, normativ-starren Form - erscheinen mir wie leere Gebäude, in dem Nichts und Niemand zu Hause ist. Diese Zuordnungen und rein ideologischen Grabenkämpfe, haben mit der Wirklichkeit des Menschen wenig zu tun. Die ist nämlich "mannigfaltig" und läßt sich mit Definitionen nicht einsperren. Das wäre eine feine Sache, zu behaupten, es gäbe sowas wie: da ist der Atheismus und der Atheist und dort der Theismus und der dazugehörige Gläubige. Wie einfach man sich die Welt stricken kann. Den Strich durch die Rechnung macht dann jeder Mensch mit seinem Ohr, Auge, seinen menschlichen Sinnen, Beziehungen und Erfahrungen im Leben in der Welt. Schon ist jeder Mystiker und das Konstrukt "Ismus", das muß scheitern. Irgendwann.
Das ist auch nur eine Meinung, die durchaus scheitern kann. "Ismus" ist ein Klassifizierungsversuch des menschen für bestimmte Hauptrichtungen. Nur weil "Religion" nicht diese Endung hat, ist sie lange noch nicht vertrauenswürdiger oder beständiger. Daher bezeichne ich diese Angelegenheit auch gern als "Religionismus", weil Religion auch ein starres Dogma zur Grundlage hat, nämlich die Annahme einer Gottesexistenz.
Der religiöse Mensch mit seinem Auge und Ohr, mit seinen menschlichen Sinnen und Erfahrungen müsste eigentlich merken, dass nichts, aber auch gar nichts seine religiösen Annahmen und seine unerfüllbaren Hoffnungen auf eine grlückselige, gerechte Ewigkeit ihrer Seele stützt. Gerade diese Sinne und die Fähigkeit, "irgendwas" und "irgendwie" zu denken (auch jeden Blödsinn), ist es aber, die Religionismus überhaupt hat entstehen lassen.
Zitat:In einer Zeitenwende - und wir befinden uns in einer sehr heftigen -, nimmt das Zufluchtsuchen in eine Gemeinschaft, die Suche nach Sinn und Geborgenheit, nach Welterklärung zu.
Uns Ossis wurde nach der Wende 1989 sehr bald klargemacht, dass es falsch und blind war, sich auf irgendeine Geborgenheit zu stützen. Die gäbe es nicht, sagte man, und ich neige dazu, dies für wahr zu nehmen. Noch dazu sich auf eine Geborgenheit durch eine imaginäre Kraft, die niemals existiert, zu verlassen, das hat noch viel weniger Realitätsbezug als auf das Verständnis, auf die Hilfe und Unterstützung (=Geborgenheit) eines Staates zu bauen.
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„Die Kunst weise zu sein ist die Kunst zu wissen, was man übersehen hat.“ (William James)

