24-10-2011, 23:27
Bezogen auf Matthäus 10, 34-39 (Fettungen von mir):
Ekkard, ich habe jetzt noch einmal öfter diese Bibelstelle gelesen und denke auch, dass sie von einem Prediger in einer extremen Notsituation geschrieben wurde.
Hier noch einmal die Stelle, auf die petronius Bezug genommen hatte und worauf Du eingegangen bist:
Und vorausgegangen ist die Beschreibung dieser Notsituation:
Ich lese aus diesem Text heraus, dass die hier angesprochenen Christen praktisch permanent "abgeholt" und gefoltert oder ermordet werden konnten, dass sie furchtbare Angst hatten.
Weiter lese ich heraus, dass eventuell Familienmitglieder untereinander uneins waren, vielleicht die einen sogar die anderen anzeigten.
Ich lese den Text so, dass ein Ist-Zustand beschrieben wurde. Denn der Text wurde ja zwischen 60 und 100 nach Christus geschrieben, also zu einem Zeitpunkt, wo die Ermordung der Christen im vollen Gange war.
Und der Prediger legt nun Jesus etwas in den Mund, was die Gemeindemitglieder in ihrer Verzweiflung aufrichten sollte. Jesus hat also nicht wirklich gefordert, dass die Familien zerstört werden sollten, sondern der Prediger hat denen, deren Familien bereits zerstört waren, einen Trost bieten wollen.
Jetzt kommt aber das Entscheidende, was ich sagen wollte:
Falls meine - und eventuell auch Deine - Lesart stimmt, dann war dieser Text nur für die bestimmt, die in dieser Notsituation waren. Nur für sie machte der Text Sinn.
Unglücklicherweise aber wurde dieser Text nicht nur in eine Schriftensammlung übernommen - später als "Neues Testament" tituliert -, sondern sogar noch in ganz andere Kulturkreise transportiert und dann - das Schlimmste von allem - für heilig erklärt, als gültig für alle. Es wurde zur Heiligen Schrift.
Ich weiß nicht, ob Du Dich erinnerst, Ekkard, dass wir vor Jahren hier einmal den Thread hatten, von mir eröffnet, wo ich genau dies den Kirchen vorwarf: dass sie noch immer die Bibel als Heilige Schrift titulieren, obwohl sie durch historisch-kritische Forschungen längst wissen, dass da Momentaufnahmen enthalten sind, die ein Verfallsdatum tragen.
Damals war ich noch der Meinung, dass die Kirchen es in der Hand hätten, den Nimbus des Heiligen von den Heiligen Schriften zu nehmen, um weiteres Unheil zu verhindern.
Heute kenne ich die Evangelikalen und Fundis um einiges genauer und vermute, dass sie die Bibel um so heiliger sehen wollen, je mehr sich die Kirchen davor distanzieren würden. Das Bedürfnis nach unantastbarer Wahrheit scheint grenzenlos zu sein.
Was ist da zu tun?
(19-10-2011, 20:39)Ekkard schrieb: Petronius, du hast vollkommen Recht: Familien trennen, Gemeinden auseinander reißen, Kinder den Eltern und angeheiratete Leute entfremden belastet die menschlichen Beziehungen. Deshalb gehören diese Vorgänge zu den Sünden. Wenn ich nicht davon ausginge, dass diese Behauptungen von einem nachfolgenden Prediger in einer Extremsituation stammten, so müsste ich verzweifeln.
Auf jeden Fall stimmen sie nicht mit der Bergpredigt und dem Liebesgebot überein.
Ekkard, ich habe jetzt noch einmal öfter diese Bibelstelle gelesen und denke auch, dass sie von einem Prediger in einer extremen Notsituation geschrieben wurde.
Hier noch einmal die Stelle, auf die petronius Bezug genommen hatte und worauf Du eingegangen bist:
Zitat:34 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
35 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.
36 Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.
37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.
38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert.
39 Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden.
Und vorausgegangen ist die Beschreibung dieser Notsituation:
Zitat:27 Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern.
28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.
29 Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater.
30 Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt alle gezählt.
31 Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge.
32 Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.
33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.
Ich lese aus diesem Text heraus, dass die hier angesprochenen Christen praktisch permanent "abgeholt" und gefoltert oder ermordet werden konnten, dass sie furchtbare Angst hatten.
Weiter lese ich heraus, dass eventuell Familienmitglieder untereinander uneins waren, vielleicht die einen sogar die anderen anzeigten.
Ich lese den Text so, dass ein Ist-Zustand beschrieben wurde. Denn der Text wurde ja zwischen 60 und 100 nach Christus geschrieben, also zu einem Zeitpunkt, wo die Ermordung der Christen im vollen Gange war.
Und der Prediger legt nun Jesus etwas in den Mund, was die Gemeindemitglieder in ihrer Verzweiflung aufrichten sollte. Jesus hat also nicht wirklich gefordert, dass die Familien zerstört werden sollten, sondern der Prediger hat denen, deren Familien bereits zerstört waren, einen Trost bieten wollen.
Jetzt kommt aber das Entscheidende, was ich sagen wollte:
Falls meine - und eventuell auch Deine - Lesart stimmt, dann war dieser Text nur für die bestimmt, die in dieser Notsituation waren. Nur für sie machte der Text Sinn.
Unglücklicherweise aber wurde dieser Text nicht nur in eine Schriftensammlung übernommen - später als "Neues Testament" tituliert -, sondern sogar noch in ganz andere Kulturkreise transportiert und dann - das Schlimmste von allem - für heilig erklärt, als gültig für alle. Es wurde zur Heiligen Schrift.
Ich weiß nicht, ob Du Dich erinnerst, Ekkard, dass wir vor Jahren hier einmal den Thread hatten, von mir eröffnet, wo ich genau dies den Kirchen vorwarf: dass sie noch immer die Bibel als Heilige Schrift titulieren, obwohl sie durch historisch-kritische Forschungen längst wissen, dass da Momentaufnahmen enthalten sind, die ein Verfallsdatum tragen.
Damals war ich noch der Meinung, dass die Kirchen es in der Hand hätten, den Nimbus des Heiligen von den Heiligen Schriften zu nehmen, um weiteres Unheil zu verhindern.
Heute kenne ich die Evangelikalen und Fundis um einiges genauer und vermute, dass sie die Bibel um so heiliger sehen wollen, je mehr sich die Kirchen davor distanzieren würden. Das Bedürfnis nach unantastbarer Wahrheit scheint grenzenlos zu sein.
Was ist da zu tun?
