13-01-2012, 18:06
(13-01-2012, 11:26)Schmettermotte schrieb: Außerdem sind die Gnostiker in jeder Form doch untrennbar mit dem Christentum verbunden, auch wenn es verschiedene Ströhmungen gibt und jene glauben an einen Schöpfergott, an Jesus usw. Oder bin ich da total falsch informiert?
Du hast insofern Recht, als dass, wenn von Gnosis gesprochen wird, allem voran die christliche Gnosis gemeint ist. Ob es zB auch eine jüdische Gnosis gegeben hat, darüber ist sich die Wissenschaft nicht einig. Reste jüdisch-gnostischen Denkens sind möglicherweise mit etwas Phantasie in der Kabbala aufzufinden. Die Beurteilung wird dadurch erschwert, weil die Rabbiner erkannt haben, dass Verschweigen die wirksamste Maßnahme ist, gegen Häresien aufzutreten.
Was die christliche Gnosis betrifft, ist man recht gut informiert. Quellen zu dieser sind neben den antihäretischen Texten spätantiker christlicher Schriftsteller, neuere Funde koptisch-gnostischer Texte (zB die Nag-Hammadi-Texte). Als Quelle nichtchristlicher Herkunft wäre ein Text von Plotin "Gegen die Gnostiker, oder gegen diejenigen, die sagen, dass der Weltschöpfer böse und die Welt schlecht sei" (Enneaden II, 9) zu nennen.
Als nichtchristliche – oder besser gesagt antichristliche – Gnosis (weil die Texte offensichtlich ebenfalls im Umfeld des frühesten Christentums entstanden aber gegen das Christentum gerichtet sind) wären die heiligen Texte der Mandäer zu nennen, die ihre Lehren auf Johannes d. Täufer (Jahja), den "Gesandten des Lichtkönigs", zurückführen und in Christus (mshiha) einen "Propheten der Lüge" sehen.
Als religiöse Minderheit sind die Mandäer heute noch im Gebiet des unteren Euphrats anzutreffen.
MfG B.

