27-08-2012, 08:08
(27-08-2012, 00:36)Richard Bastian schrieb:Nein, es geht nicht um Probleme im Dorf wie z.B. die Aufteilung der Felder, sondern um Grundsätzliches im Umgang mit Mitmenschen. Dass niemand ohne Sünde ist, vor allem man selbst nicht, weiß jeder, und das wusste sicher auch damals jeder. Mit der Bezeichnung „Gerechter“ waren nicht Sündenlose gemeint, sondern Leute, die in damaliger Sicht so fromm lebten, wie es möglich war. Was „fromm“, also „gerecht“ war, stand in den Gesetzen. Mit „Sünder“ waren diejenigen gemeint, deren Verhalten als verwerflich galt. Was Jesus mit richtigen Verbrechern gemacht hätte, weiß ich natürlich auch nicht; die Ehebrecherin hatte schließlich niemanden umgebracht.(26-08-2012, 23:10)Lelinda schrieb: Du scheinst den Spruch mit den Sündern und den Gerechten nicht verstanden zu haben.Es geht doch nicht um die Leute dort, ist Jesus hier gewesen um Probleme im Dorf zu regeln?
"Ich bin gekommen, um die Sünder zur Umkehr zu rufen und nicht die Gerechten"
Es gibt hier keinen einzigen der vollkommen Gerecht ist, keinen einen. Und deshalb sagte ich auch "Heimtückisch", denn wer sagt wer "gerecht" ist, und wer bestimmt den "Sünder"? Was passiert wenn dieses Wort so aufgefasst wird wie sich der Verfasser es vielleicht vorgestellt hat?
Sind die Sünder die vielleicht, die einmal Probleme mit der Polizei hatten und die Gerechten sind die Polizei?
Na dann!
Die anderen Fallbeispiele (die „Huren und Zöllner“) galten zwar als verachtenswert, bewegten sich aber gerade noch an der Grenze des Legalen. Und die sollten einerseits mit ihren „sündhaften“ Tätigkeiten aufhören und andererseits wieder ihren Platz in der Gesellschaft finden. Damit sie psychisch überhaupt dazu in der Lage waren, meinte Jesus, mussten sie Gelegenheit haben, ganz normalen, freundlichen Umgang mit „normalen“ Leuten pflegen zu können, die sich mit ihnen unterhielten, obwohl sie wussten, wie sie waren. Diese Gelegenheit gab er ihnen (und anscheinend mit Erfolg). Man kann Jesus demnach als einen antiken Sozialarbeiter betrachten.
Ähnliches galt für die Aussätzigen, die Jesus nach der Heilung daran erinnert, dass sie sich dem Priester zeigen mussten, der in dieser Angelegenheit als eine Art Amtsarzt fungierte und sie offiziell für (wieder) gesund erklärte. Sie durften dann ganz offiziell wieder am normalen Leben teilnehmen und brauchten sich nicht mehr als Gefahr für die Gesunden zu verstecken. An irgendeiner Stelle bezeichnet Jesus auch die „Sünder“ als Kranke (finde gerade die Stelle nicht).

