26-11-2013, 22:39
(26-11-2013, 22:21)Sinai schrieb:(26-11-2013, 22:05)Ulan schrieb: Ich versuche Dir nahezubringen, was die Vorstellungen zur Zeit der Entstehung des Christentums im hellenistischen Raum waren.
Sadduzäer, Pharisäer, Essener und Christen waren die Feinde der hellenistischen Kultur.
Du kannst doch nicht ernsthaft behaupten, daß der Umstand, daß wir heute eine griechische Ausgabe des Neuen Testaments vorliegen haben ein Hinweis darauf wäre, daß das Christentum hellenistisch angehaucht gewesen wäre.
Wenn man mal davon ausgeht, dass Paul von Tarsus, also jemand aus dem griechischen Kleinasien, die treibende Kraft in der Entstehung des Christentums war, und wenn man ferner davon ausgeht, dass die christliche Urgemeinde in Jerusalem wohl eine fromme Fiktion ist, sollte die Antwort wohl klar sein. Die Gruender des Christentums sprachen Griechisch.
(26-11-2013, 22:21)Sinai schrieb: Das Neue Testament wurde wohl sicher für den Eigengebrauch in aramäisch und hebräisch geschrieben! Was hätte es denn überhaupt vor Beginn der Heidenmission für einen Sinn haben sollen, die Evangelien auf griechisch zu schreiben ?
Sicher? Es gibt fast gar keine Gelehrten, die irgendwelche aramaeischen Vorlaeufer der griechischen Texte annehmen. Paul hat mit Sicherheit auch im Original in Griechisch geschrieben, und fuer die drei synoptischen Evangelien ist das auch anzunehmen, weil alle drei nur mangelhafte Kenntnisse juedischer Gepflogenheiten verraten. Beim Johannes-Evangelium ist das eh gegeben, dass es Griechisch war.
Dein Einwand mit der Heidenmission ist auch irrelevant, weil das wohl der eigentliche Ursprung des Christentums war. Die sogenannte "Jerusalemer Urgemeinde" waren wahrscheinlich nie Christen.
(26-11-2013, 22:21)Sinai schrieb: In den Christenverfolgungen gingen die aramäischen und hebräischen Originale leider unter, die griechische Übersetzung überlebte. Wohl deshalb, weil sie dann in der Heidenmission sehr zahlreich und regional im gesamten imperio romano weit verbreitet war. (Zur Zeit der Christenverfolgungen durch Rom war die Heidenmission bereits voll angelaufen.)
Die Christenverfolgungen sind, bis auf ein einziges, sehr begrenztes Zeitfenster, nach heutigem Stand der Forschung Fiktion und haben nie stattgefunden (siehe 'The Myth of Persecution: How Early Christians Invented a Story of Martyrdom New York: HarperOne, HarperCollins, 2013 ISBN 978-0-06-210452-6).
(26-11-2013, 22:21)Sinai schrieb: Die Septuaginta ist die älteste durchgehende Übersetzung der hebräischen Bibel (Altes Testament) in die griechische Sprache.
Es wäre absurd, zu behaupten, daß die Thora und die Propheten zur hellenistischen Kultur gehört hätten.
Das ist nicht absurd, sondern die Realitaet um die Zeitenwende. Die meisten Juden waren zu einem gewissen Grad hellenisiert. Warum denkst Du denn, haben sich angeblich 70 juedische Schriftgelehrte hingesetzt und eine griechische Uebersetzung der Thora verfasst? Das hatte den einfachen Grund, dass die meisten Juden ausserhalb Judeas nur Griechisch sprachen und kein Aramaeisch (und erst recht kein Hebraeisch) verstanden.

