Zunaechst einmal vorweg: Ueber das hinaus, was in den Evangelien berichtet wird, ist nichts ueber Jesus bekannt. Alle Mutmaßungen darueber, was Jesus gedacht haben koennte, bleiben notwendigerweise immer spekulativ.
Die Kirche hat das immer als Nichtverhaeltnis interpretiert, z.B. den Juenger Simon Zelotes einfach als "Eiferer fuer die Religion" uminterpretiert. Dabei war zu der Zeit, um die es hier geht, ziemlich eindeutig klar, was "Zelot" bedeutet. Vor allem, dass wir beide Namen finden, Simon Zelotes und Judas Iskariot, macht umso wahrscheinlicher, dass diese etwas mit der Aufstandsbewegung zu tun haetten.
Ich wuerde auch die innere Logik der Evangelien anfuehren wollen. Das Markus-Evangelium z.B. macht es die ganze Zeit sehr klar, dass die Juenger ueberhaupt keine Ahnung haben, was fuer ein Ziel Jesus eigentlich hat. Du hast die dreifache Ankuendigung Jesu bezueglich seines Todes, und jedesmal stellen sich die Juenger dagegen. Petrus wird mit Satan gleichgesetzt, die Soehne des Zebedaeus haben falsche Vorstellungen darueber, welchem Reich Jesus vorstehen wird (Mk10):
"35 Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. 36 Er antwortete: Was soll ich für euch tun? 37 Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.5 38 Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet."
Das klingt alles danach, als wuerden die Juenger erwarten, dass Jesus einen weltlichen Herrscher-Titel anstrebt, also ein Fuehrer des Aufstandes ist. Der Einzug nach Jerusalem ist ein weiterer Hinweis.* Als klar wird, dass daraus nichts wird, verlassen alle Juenger Jesus. Und trotzdem wird Jesus als "Koenig der Juden", als Aufstaendischer also, hingerichtet.
Zumindest bei Markus ist Jesus ein tragischer Held. Die ganze Umgebung um ihn herum will den gewaltsamen Umsturz, nur er selbst hat ein anderes Ziel; das so gut wie niemand erkennt. Und doch wird er dann fuer ein Ziel hingerichtet, das dem Text nach nicht seins war.
*Der Anfuehrer einer der Zeloten-Fraktionen im Juedischen Krieg, Simeon bar Giora, hatte uebrigens einen aehnlichen Einzug in Jerusalem waehrend des Krieges.
(13-04-2016, 12:24)Kreutzberg schrieb: a) War Jesu denn bewußt dass einige Gruppierungen eine blutige Revolution anstrebten und somit die Römer vertreiben wollten ? Davon ist doch wohl auszugehen.Ja sicher. Der Zelotenanfuehrer Judas der Galiläer wurde ja zwischen 6 und 9 nach Christus erstmals auffaellig, und seine Soehne, Simon und Jakobus, wurden 46-48 n.Chr. gekreuzigt. Das heisst, die Taetigkeit der zelotischen Attentaeter (mit den Sikariern als besonders radikaler Arm) umspannen das ganze Leben Jesu, von der Kindheit bis zum Tode.
(13-04-2016, 12:24)Kreutzberg schrieb: Die mir bekannten Ausführungen zeigen ja dann doch eher ein Nichtverhältnis von Jesus zu den Zeloten. Allerdings ist dann immer noch unklar ob JUDAS ISKARIOT auch zur zelotischen Widerstandsbewegung zählte.
a) Kann es überdies sein, dass Jesus die Zeloten gemieden hat, weil sie seinem Ruf schadeten ?!
Die Kirche hat das immer als Nichtverhaeltnis interpretiert, z.B. den Juenger Simon Zelotes einfach als "Eiferer fuer die Religion" uminterpretiert. Dabei war zu der Zeit, um die es hier geht, ziemlich eindeutig klar, was "Zelot" bedeutet. Vor allem, dass wir beide Namen finden, Simon Zelotes und Judas Iskariot, macht umso wahrscheinlicher, dass diese etwas mit der Aufstandsbewegung zu tun haetten.
Ich wuerde auch die innere Logik der Evangelien anfuehren wollen. Das Markus-Evangelium z.B. macht es die ganze Zeit sehr klar, dass die Juenger ueberhaupt keine Ahnung haben, was fuer ein Ziel Jesus eigentlich hat. Du hast die dreifache Ankuendigung Jesu bezueglich seines Todes, und jedesmal stellen sich die Juenger dagegen. Petrus wird mit Satan gleichgesetzt, die Soehne des Zebedaeus haben falsche Vorstellungen darueber, welchem Reich Jesus vorstehen wird (Mk10):
"35 Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. 36 Er antwortete: Was soll ich für euch tun? 37 Sie sagten zu ihm: Lass in deinem Reich einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen.5 38 Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet."
Das klingt alles danach, als wuerden die Juenger erwarten, dass Jesus einen weltlichen Herrscher-Titel anstrebt, also ein Fuehrer des Aufstandes ist. Der Einzug nach Jerusalem ist ein weiterer Hinweis.* Als klar wird, dass daraus nichts wird, verlassen alle Juenger Jesus. Und trotzdem wird Jesus als "Koenig der Juden", als Aufstaendischer also, hingerichtet.
Zumindest bei Markus ist Jesus ein tragischer Held. Die ganze Umgebung um ihn herum will den gewaltsamen Umsturz, nur er selbst hat ein anderes Ziel; das so gut wie niemand erkennt. Und doch wird er dann fuer ein Ziel hingerichtet, das dem Text nach nicht seins war.
*Der Anfuehrer einer der Zeloten-Fraktionen im Juedischen Krieg, Simeon bar Giora, hatte uebrigens einen aehnlichen Einzug in Jerusalem waehrend des Krieges.

