07-09-2017, 19:21
(07-09-2017, 09:35)Holmes schrieb:(07-09-2017, 00:47)Mustafa schrieb: Deine Aussage zu den allgemeinen heutigen naturwissenschaftlichen Grundlagen und dem mathematischen Verständnis teile ich nicht.
Es gibt sicher viele von den Leuten, die du ansprichst, aber auch enorm viele hochintelligente junge Leute, die durchaus das Verständnis aufbringen.
Ansonsten bereitet mir in Sachen Verschwörungstheorien sowas wie 'Die Muslime wollen Europa islamisieren, und die Regierung hilft dabei' deutlich mehr Sorgen.
Dazu habe ich einen Artikel gelesen und muss sagen, dass die Zahlen meine Vermutung stärken.
https://www.welt.de/politik/deutschland/...scher.html
»Besonders hoch ist die Abbrecherquote in den Fächern Mathematik und den Naturwissenschaften, wo fast jeder Dritte aufgibt. In den Ingenieurwissenschaften bleibt immerhin ein Viertel der Studenten auf der Strecke. Für die Wirtschaft, die vor allem über Personalmangel in den sogenannten MINT-Fächern klagt (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), sind die hohen Abbruchquoten gerade auf diesen Feldern alarmierend.«
Man sollte generell vorsichtig mit solch einseitigen Artikeln sein. Aber es wird wohl nicht ganz aus der Luft gegriffen sein, beklagen doch auch Professoren ein zunehmend sinkendes Niveau der Erstsemester.
Generell scheint vieles verschoben zu sein. Als Lehrer rücken dir heute sofort die Eltern auf den Hals, wenn du ihrem "Hochbegabten" eine schlechte Note gibst. Und die Schüler sind sicherlich auch nicht mehr so leicht zu händeln, wie in anderen Zeiten mal.
Dann ist Abitur heute angeblich der allein seelig machende Schulabschluss. Real- und Hauptschule werden degradiert und die Schüler solcher Schulen müssen sich doch zwangsläufig bereits als minderwertig und zweite Wahl vorkommen. Imho ein Unding und eine völlig falsche Richtung, in welche die Politik mit ihrem Akademisierungswahn gesteuert ist. Abitur war früher die Hochschulzugagsberechtigung, heute brauchst du es für eine gute Ausbildungsstelle.
Und weil es immer mehr Akademiker gibt, nimmt natürlich auch die Konkurrenz zu. Da werden Diplomer/Master auf Stellen besetzt, für die sie rein von ihrer Ausbildung her überqualifiziert sind. Aber es gibt halt genug und irgendjemand macht es eben für noch weniger Geld. Am Ende hat davon niemand etwas, außer der Wirtschaft. Die fertigen Bachelor und Master merken dann recht schnell, dass ihnen ihr Weg doch nicht das goldene Leben bringt.
Und dann beschwert sich die Wirtschaft doch tatsächlich darüber, der Bachelor sei ja zu wenig Praxisnah und die Leute seien nicht ausreichend ausgebildet. Offenbar scheint es mitllerweile die vorherrschende Meinung zu sein, dass die Unis nur noch Ausbildungsbetriebe für die Unternehmen sind. Die sparen mal wieder Geld und sorgen mit ihren Unmutsbekundungen für eine weitere Entwicklung hin zum Schmalspurstudium.
Aber es stimmt wohl auch, dass gute Noten zu leichtfertig vergeben werden. Eine Unterscheidung zwischen den Abgängern ist da häufig kaum noch möglich. Zu viele werden auch mit schlechten Leistungen durchgewunken. Mal ein Beispiel: Den einen Tag hatte ich eine Bachelorarbeit in der Hand, die in keinster Weise den wissenschaftlichen Kriterien genügt. Nicht nur, dass vieles nicht oder unzureichend bzw. konfus und auch falsch erklärt wurde. Besonders erschreckend war, dass dieser Student kein einziges (!!) Zitat gekennzeichnet hat. Zwar gab es im hinteren Teil eine Literaturliste, nur ist diese wertlos, wenn der eigentliche Text keinen Bezug darauf nimmt. Aber auch diesem Studenten wurde die Arbeit als bestanden bewertet.
Wenn schon nicht mehr die Universitäten auf gute wissenschaftliche Praxis wert legen, wer soll es denn dann machen?
