17-08-2018, 08:25
(16-08-2018, 22:45)Philemon schrieb: 1) Er versucht nicht die Ideologie, sondern Widersprüche und Unklarheiten zu entblößen. Ein allmächtiger Gott kann nicht widersprüchlich sein und ist daher falsch und nicht existent. Das ist die Kausalkette, die hier versucht wird angestoßen zu werden. Wenn dem dann keiner widerspricht, kann man endlich ruhig schlafen...oder?
Da faellst Du Deiner eigenen Ideologie zum Opfer (was jetzt auch Ekkards Stossrichtung wunderbar erklaert). Widersprueche im Bibeltext haben rein gar nichts mit dem Beweis fuer die oder der Widerlegung der Existenz Gottes zu tun. Dieser scheinbare Zusammenhang existiert fuer Dich nur, weil Du die Bibel fuer das direkte Wort Gottes haeltst. Ich glaube, den meisten Atheisten geht es in solchen Diskussionen nur darum, Glaeubigen klar zu machen, dass sie ein Buch voller Fehler und Widersprueche vor sich haben, wie alle Werke von Menschen es sind. Ob Du an Gott glaubst oder nicht tangiert diese Frage gar nicht. Die Zielrichtung ist eher, ein wenig bedachter mit dogmatischen Aussagen zu sein, denn der Text kann auch mal irren (bzw. muss es zwangslaeufig).
(16-08-2018, 22:45)Philemon schrieb: 2) Doch Argumente gibt es. Beweise hingegen gibt es vielerlei Ansicht nach nicht. Doch ich bin der Meinung die Komplexität und Schönheit der Natur und die Empfindungen des Menschen über Natur, Musik und Kunst sind Beweise für Gott. Wer oder was sonst kann so etwas erschaffen? Nicht umsonst haben Dichter wie Göthe dieses empfinden des göttlichen in ihre Poesie miteingebaut. Auch wenn die sich eher auf griechische Götter bezogen. Sie wussten es nicht besser.
Du weisst es ja auch nicht besser. Dass wir Gefuehle haben, ist doch kein Beweis fuer einen Gott. Gefuehle sind uns angeborene Trieberfahrungen, die uns in gewisse Verhaltensmuster steuern sollen (waere das nicht der Fall, waeren wir ausgestorben). Betaetigungen, die wir als "schoen" empfinden, bedienen unser Belohnungssystem. Dass wir dazu neigen, bestimmte Ideale auf ein Podest zu stellen, ist gemeinschaftsstiftend. Natuerlich hat auch das zwei Seiten, da eine Gemeinschaft auch gegen andere Menschen gerichtet sein kann. Das ist unser biologisches Erbe.
(16-08-2018, 22:45)Philemon schrieb: 3) Ich verstehe diese Aussage nicht ganz. Wenn es einen Gott gibt, dann enthält ja wohl die Bibel wissen darüber.
Nein, das ist kein zwingender Zusammenhang. Die Kombination "es gibt einen Gott" und "die Bibel erzaehlt uns gar nichts ueber den wirklichen Gott" ist auch moeglich. Die Bibel kann also als Aussage zur Natur Gottes vollkommen wertlos sein, auch wenn es (einen) Gott gibt.
(16-08-2018, 22:45)Philemon schrieb: Und wenn es keinen gibt, dann natürlich nicht. Aber dir ist ja klar, dass wir hier vom Christentum reden und für Christen enthält sie eindeutig Wissen über Gott. Vielmehr ist sie die einzig legitime und vertrauenswürdige Quelle für uns. Ohne sie kann ja jeder behaupten, wozu er Lust hat.
Das ist trotzdem nur eine Glaubensaussage. Du glaubst zu wissen. Belegen kannst Du das natuerlicherweise nicht, da wir ja von Glauben reden. Insofern muss auch kein Gespraechspartner dies als "Wissen" akzeptieren. Dies nur zur Klarstellung.
(16-08-2018, 22:45)Philemon schrieb: 4) Das glaube ich auch! Niemand kann über Gott komplett bescheidwissen, vielleicht bin ich da manchmal auch zu überheblich. Die weisen Sprüche Salomos handeln an vielen Stellen davon, dass ein Mensch der meint über Gott bescheid zu wissen, ein Narr ist. Und trotzdem kann man einige Dinge verstehen. Man kann ja keine Beziehung zu jemandem führen, den man überhaupt nicht versteht.
Nur weil eine Aussage als Ausrede benutzt wird, heißt es nicht, dass sie weniger wahr ist.
Im Prinzip ist das alles kein Problem, solange es nur um Dich geht. Was Du persoenlich glaubst, ist ja vollkommen Dir ueberlassen und stoert im Normalfall niemanden. Wenn das Deine Beziehung zu anderen Menschen foerdert, umso besser. Ekkard sprach sich gegen Fanatismus aus, der in unseligen Folgen fuer andere Menschen fuehrt. Das gilt natuerlich so fuer jede Ideologie, ob Religionen oder andere.
(16-08-2018, 22:45)Philemon schrieb: Also ja: Ein Atheist kann auch versuchen Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Einem Christen geht es aber gar nicht drum. Ein Christ versucht aus Dankbarkeit und Liebe zu Gott sein Bestes zu geben, für das was Jesus für uns getan hat. Denn wir Christen wissen ja bereits, dass wir niemals gut sein können. Atheisten hingegen halten sich oft für ganz gut. Vielleicht nicht gut genug für den Himmel, aber auch nicht schlecht genug für die Hölle. So funktioniert das aber nicht. Keiner ist gut.
Kein Wunder, dass einem gewisse Formen des Christentums so freudlos vorkommen. Sich seiner eigenen Grenzen bewusst zu sein, ist natuerlich loeblich (und im Prinzip fordern Punkte 1-4 da oben gar nichts anderes). Nur, wenn man alle Menschen fuer schlecht haelt, ist natuerlich manchmal die Hemmschwelle nicht besonders gross, das Schlechte aus der Welt zu befoerdern. Im Prinzip ist auch Religion eine Ideologie, die sich zur Rechtfertigung von Graeueln eignet.
Die Grenze zwischen Demut und Stolz ist oft hauchduenn. Das sieht man ja schon in den Paulus-Briefen. Dieser Mechanismus ist es uebrigens, der die Missionare bei Mormonen und Zeugen Jehovas die Demuetigungen waehrend ihrer Missionsarbeit ertragen laesst.

