(09-02-2019, 15:48)Sinai schrieb:(09-02-2019, 13:38)Ulan schrieb: . . . da ist in den Evangelien mit Sicherheit leibliche Geschwisterschaft gemeint.
"mit Sicherheit" ?
Der Gedanke von leiblichen Geschwistern ist der protestantische Standpunkt
Die Probleme hier entstehen nur daraus, dass aus vier verschiedenen Evangelien mit jeweils verschiedenen Christologien versucht wurde, einen einheitlichen Glauben zu basteln. Die kirchliche Auslegung ist dabei hauptsaechlich den Selbstaussagen, wie sie im Johannes-Evangelium zu finden sind, gefolgt. Aus inhaltlichen Gruenden wird das Johannes-Evangelium aber von den meisten Neutestamentlern als spaetestes der Evangelien angesehen (fuer einige ist das die Endfassung des Lukas-Evangeliums, aber das ist hier jetzt nicht von Belang).
Da Neutestamentler aber das Markus-Evangelium als das frueheste ansehen, folgen sie natuerlicherweise eher den dort zu findenden Gegebenheiten, um eine solche Frage zu entscheiden. Und im Markus-Evangelium haben wir es, der Formulierung entsprechend, mit Nennung von Jesu Mutter, Bruedern und Schwestern logischerweise mit leiblichen Geschwistern zu tun. Auch bei Matthaeus ist das noch so erkennbar. Das betrifft also diese Stellen:
Mk 3: "Und es kam seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder draußen fragen nach dir."
Mk 6: "Ist er nicht der Zimmermann, Marias Sohn, und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? Sind nicht auch seine Schwestern allhier bei uns?"
Durch die Nennung seiner leiblichen Geschwister in Mk6 soll hier die niedrige Position Jeus aufgezeigt werden. Die Leute, die das sagen, kannten ihn halt von vor seiner Predigerkarriere. In Mk3 wird die leibliche Familie Jesu seiner durch den Glauben verbundenen Familie gegenuebergestellt. Beide Stellen funktionieren nur ueber direkte leibliche Verwandtschaft. Einen Familienvater kennt das Markus-Evangelium uebrigens nicht, die Verbindung wird nur ueber die Mutter hergestellt.
Uebertragene Familienbande erkennen Neutestamentler natuerlich auch an. Hierbei geht es vor allem um die Gottesvaterschaft. In der katholischen Lehre sind die beiden Positionen in ihr Gegenteil verkehrt.


