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Haskala bei Aschkenasim und Sephardim
#4
(30-03-2019, 15:50)Sinai schrieb: Die Tätigkeit als Optiker (Herstellung von Brillenlinsen) war schon rein chronologisch ohne jeden Belang, da Spinoza im Jahre 1656 aus dem Judentum ausgestoßen wurde (Cherem) und aus Amsterdam verbannt wurde.

Erst danach - in der Verbannung - begann er, seinen Lebensunterhalt mit der Herstellung von Linsen zu verdienen.
"Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich mit dem Drehen und Schleifen optischer Linsen." Baruch de Spinoza - Wikipedia

Abgesehen davon, daß dieser Lebensunterhalt keine wissenschaftliche Forschungstätigkeit war, sondern Handwerk (wenn auch ein relativ neuartiges)

"Um 1300 war die Brillenherstellung in Murano bereits etabliert. So war etwa die Verwendung von unreinem Glas untersagt." Brille - Wikipedia

"Das Galilei-Fernrohr, auch holländisches Fernrohr genannt, wurde vom holländischen Brillenmacher Hans Lipperhey um 1608 erfunden" Fernrohr - Wikipedia

Nun, Du hattest die Wissenschaftsfreundlichkeit der Sephardim an dem Bann gegen Spinoza festgemacht. Der tatsaechliche Beitrag Spinozas zur Loesung des Problems von Aberrationen durch den Wissenschaftler Christiaan Huygens und den Mathematiker Johannes Hudde, mit denen er zusammenarbeitete, ist in der Forschung umstritten, aber gut, wir sind uns eh einig, dass das nicht gemeint sein kann.

Leider hat die Gemeinde Spinozas uns nicht verraten, warum genau sie ihn gebannt hat. Da er aber das juedische Gesetz fuer ungueltig hielt und nicht an einen Gott glaubte, der in die Geschicke der Menschheit eingreift, kann man sich vorstellen, dass die Differenzen zentrale religioese Vorstellungen betrafen. Im Prinzip war der Bann wohl auch aus seiner Sicht eine passende Entscheidung. Wer mit der juedischen Gemeinde keine religioesen Vorstellungen mehr teilt, braucht dort auch kein Mitglied zu sein. Er hat ja auch wohl gesagt, dass alles, was der Bann bewirkte, sowieso in seinem eigenen Interesse sei. Sein Verlassen der Stadt hat wohl eher mit seinen einflussreichen Feinden in calvinistischen Kreisen Amsterdams zu tun.
Falls es um die Autorenschaft des Moses ging, verwies Spinoza ja darauf, dass schon ein mittelalterlicher juedischer Kommentator im 12. Jhdt. die Anachronismen im Pentateuch erwaehnt hatte, er also lediglich schon bekannte Dinge zitierte, die er nicht zuruecknehmen muss.
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RE: Haskala bei Aschkenasim und Sephardim - von Ulan - 30-03-2019, 16:53

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