29-07-2020, 14:39
(28-07-2020, 23:13)Herbert schrieb:(28-07-2020, 22:12)Ulan schrieb: Texte irgendwelchen Leuten zuzuschreiben, die nicht mehr lebten, war damals ueblich. Ist ja mit den kanonischen Texten auch nicht anders.
Nur mal eine grundsätzliche Frage:
Ist deiner Meinung nach an irgendeinem Text in der Bibel bzw im Neuen Testament etwas Wahres dran und gegebenenfalls in welchen Texten und was ist das Wahre?
Ob "an irgendeinem Text im NT etwas Wahres dran " ist?
Natürlich ist es das. Aber "etwas Wahres" ist für eine dogmatische Religionslehre mit Absolutheitsanspruch (wie z.B. beim Christentum) einfach zu wenig. Immer wieder ist der Finger in die Wunde der Unzuverlässigkeit und Widersprüchlichkeit der Bibeltexte zu legen. Das verbleibende "etwas Wahre" kann aber erst bestimmt werden, wenn der Schutt des dogmatischen Überbaus aus Legenden, Fälschungen und Interpolationen komplett abgetragen ist. Dazu sind die Amtskirchen nicht bereit. Sie haben Angst vor einem desillusionierten Publikum, das ihnen bei Gebrauch des eigenen Verstandes für ihre Religionsinterpretation auch noch verloren geht.
Mag enttäuschend für diejenigen sein, die ihren Bienenfleiß beim Bibel"studium" gern (auch hier auf diesem Forum) mit wörtlichen Zitaten unter Aufbietung aller möglichen Fundstellen auf Punkt und Komma belegen. Für mich sind das Sekundärtugenden, die dem unbefangenen Leser eine gewisse Ehrfurcht vor ihrer Gedächtnisleistung abnötigen; der Sache dienlich sind sie nicht. Sie erwecken vielleicht den Eindruck genialer Lernstrategien ihrer (Ab-)Schreiber. Als persönliche Religionsgrundlage dagegen sind sie weiter nur mit größter Vorsicht zu genießen.
Dabei bliebe auch ohne die zahlreich gefälschten, interpolierten Bibeltexte genug von dem Bild jenes Wanderpredigers aus Galiläa und dessen ethischer Größe. Auch wenn er mit Sicherheit keine verwesenden Toten aufweckte, keine 600 Liter Fußwaschwasser in besten kananäischen Wein verwandelte, weder das Brot für Tausende auf Fingerschnipp vermehrte noch sonstige monströse Großtaten vollbrachte. Diese Attribute galten vor 2000 Jahren einem Publikum, das schon in alter Gewohnheit aus "Religionskunststückchen" seinen primitiven Glauben schöpfte. Und auch damit beeindruckt werden wollte.
Man denke nur an den Wettstreit der pharaonischer Zauberer mit Moses und Aaron vor deren Exodus, bei dem der Stab Aarons zu einer Schlange wurde. Solche Zeichen brauchten die Leute, um zu glauben. Und das gilt teilweise noch heute. Schade.
MfG
