(23-01-2022, 16:11)Schmiede schrieb: Sobald alle Menschen das Gesetz befolgen, braucht es gar keinen Erlöser mehr. Das Problem ist, dass die Leute es nicht schaffen, genau deshalb den Erlöser brauchen.
Der feuchte Traum aller Pharisäer: das Heil kommt, wenn alle das Gesetz befolgen. Gott hat sehr gut verstanden, dass mit diesem Maßstab das Heil niemals kommen wird und griff dem voraus, was die Gesetzestreuen erwarteten.
Ja, das sieht man sehr schoen in den Chronik-Buechern, wo so langsam die Idee ausgerollt wird, dass Gott nur dann erloesen wird, wenn jeder Israelit, egal ob aus Juda, aus Israel oder von den Umgesiedelten der Diaspora, zu einem Festtag zum Jerusalemer Tempel kommt, und natuerlich muss er vorher alle Reinigungsvorschriften erfuellt haben (viel Glueck dabei, wenn gerade jemand in der Familie gestorben war). Da menschelt es mir schon zu sehr. Die Bedingung war schon damals nicht erfuellbar, und natuerlich der Eigennutz der Jerusalemer Tempelpriester erkennbar. Aus dieser Sicht ist natuerlich schon verstaendlich, warum ein Ausweg aus diesem Problem gesucht wurde.
Allerdings merkt man an der angebotenen Loesung, dass immer noch der Gedanke vorherrschte, dass ohne das Toeten eines Opfers Gott nicht zur Kooperation zu bewegen war. Es wird immer so schoen hervorgehoben, dass auf irgendeine magische Weise unsere Suenden auf das Opfer uebertragen wurden (das ist die Idee des Tempelopfers, vor allem zu Jom Kippur), aber das waren ja Opfer an Gott. In dem Geflecht christlicher Ideen hat dann schliesslich Gott sich selbst an sich selbst geopfert, weil er irgendwie nicht anders konnte, oder warum auch immer. Oder seinen "geliebten Sohn", der aber, wie uns versichert wird, doch er selbst ist.
Da kann mir niemand ausreden, dass hier nicht einfach eigentlich miteinander vollkommen unvereinbare Geschichten und Begruendungen, ohne Ruecksicht auf innere Konsistenz, miteinander veknuepft wurden.


