12-02-2022, 15:35
(12-02-2022, 10:33)Ulan schrieb: An den Worten kann man sehr schoen sehen, warum die protestantische "sola gratia"-Theologie den Egoismus foerdert. Bei aller Rede von Liebe wird hier gepredigt, dass die Mitmenschen letztlich egal sind. Es ist die ultimative Absage an Eigenverantwortung fuer irgendetwas ausser dieser einen Entscheidung fuer einen selbst. Klar, hier wird jemandem "Schuld" zugeschrieben, der das "Angebot" nicht annehmen wuerde, aber das Angebot ist ja letztlich die Abgabe jeglicher Eigenverantwortung. Die Forderung ist die bedingungslose Anbetung eines anderen Menschen (oder Wesens) als einzigem Lebenszweck und -sinn. An dem Punkt wundert sich niemand mehr, warum Geobacter dauernd von Narzissmus redet. Oder warum christliche Demut, obwohl sie die voellige Unterwerfung unter ein anderes Wesen beinhaltet, so oft wie Hoffart rueberkommt.
diese spezifische fixierung auf die bekehrung und erlösung unabhängig von dem, was in der erfahrbaren realität abläuft, erschwert natürlich auch die verständigung mit allen, die nicht sowieso selber schon derart bekehrt sind. was hier an "argumenten" für diese glaubensweise vorgebracht wird, kann in seiner letztlich begründungslosen zirkelschlüssigkeit ("weil der mensch der erlösung bedarf, bedarf er der erlösung") ohne bezug auf nicht-tranzendentes natürlich keinen rational denkenden überzeugen:
warum sollte man sich auf so etwas einlassen, nur weil jemand sich das mal so ausgedacht hat?
so denke ich auch, daß der nachwuchs für solche gemeinschaften sich nicht aus (frisch) überzeugten rekrutiert, sondern eben aus den bereits in ihrer kindheit so sozialisierten (um nicht zu sagen, indoktrinierten) kindern der gläubigen und menschen, die halt in einer (verschworenen) gemeinschaft suchen
sprich: "christi lehre" ist nicht inhaltlich das ausschlaggebende, wird aber gern zur dekoration des glaubensgebäudes verwendet und auch gern angenommen. das "my best buddy jesus"-narrativ hilft hier natürlich, gerade bei jugendlichen und sonst leicht beeinflußbaren. die letztlich menschenfeindliche und asoziale konsequenz des ganzen wird ja nur von den per se feindlichen ("wir sind die guten, und die welt ist böse") bekehrungsunwilligen herausanalysiert
einen gott, den es gibt, gibt es nicht (bonhoeffer)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)
einen gott, den es nicht gibt, braucht es nicht (petronius)

