13-02-2022, 11:06
(13-02-2022, 03:17)Apollonios schrieb: Aus historischer Sicht betrachte ich Luthers sola gratia, also die Abschaffung der Werkgerechtigkeit, als Fortschritt gegenüber dem vorherigen Zustand. Exegetisch hatte er zwar Unrecht, denn im NT wird durchaus Werkgerechtigkeit propagiert, aber Luther hat hier, gegen die im Bibeltext fundierte Tradition, einen eigenständigen Gedanken vorgebracht, der emanzipatorisch wirkte.
Ich sehe - mit Hinsicht auf den Ablasshandel - Luthers "sola gratia" zwar als historisch erklaerbar an, aber er hat halt das Kind mit dem Bad ausgeschuettet. Dass man sich den Platz im Himmel nicht mit Geld erkaufen will, sollte auch aus den Worten Jesu ueber die Reichen klar geworden sein, wo dieser klar macht, dass Reiche etwas mehr Muehe hineinstecken muessen, um das Himmelreich zu erlangen; einfach Geld zu geben ist nicht genug. Luther liebte halt seine paulinische Theologie, und sein "sola gratia" hat er dann ja sogar in einen Paulusbrief hineingeflunkert. Dass Religion verhaltensnormierend wirken soll, halte ich fuer ihren Hauptzweck, so dass ich das jetzt nicht kritisieren moechte. Und letztlich tut auch der, wer Gutes tut, weil er sich davon etwas verspricht, immer noch Gutes. Von "Werken allein" rede ich jetzt auch nicht; wie Du selbst sagst, das NT propagiert eine Kombination.

