18-07-2022, 15:00
(17-07-2022, 07:37)Geobacter schrieb: ... weswegen sie dann auch ständig mit allem und jeden um eine irgendwelche, besonders schöne Wahrheit raufen müssen, die sie sich in Wirklichkeit nur einbilden.
... um Wahrheit "rauft" man nicht! Man versucht sie, über Rede und Gegenrede, so weit wie möglich zu "erhellen".
Mehr ist nun mal nicht drin! Es gibt auch keine "besonders schöne" Wahrheit!
Wahrheit hat im Denken des Menschen mehrfachen Ursprung: Es gibt z.B. naturwissenschaftliche und philosophische Wahrheit.
Im gegenständlichen Forschen sind z.B. nur Teilwahrheiten zu "entdecken".
Der Mensch verhält sich, als ob es ein bestehendes Reich der Wahrhreit, das eine Gültige, gäbe, dessen er sich nur zu bemächtigen braucht. Wir tun so, als ob die Wahrheit schon da ist, nur zu finden ist und an sich unwandelbar sei. Für uns wird offenbar, was recht sei, was wirklich sei. Wir hören und sprechen Wahrheiten aus, die uns fraglos sind. Wir haben das Vertrauen, die Wahrhreit werde sich in der Welt schon durchsetzen.
Bereits aber mit der ersten Frage nach dem Wesen der Wahrheit beginnt die große Verwunderung, denn die Bewegung des Fragens nach Wahrheit endet(e) nicht selten nur in Verwirrung oder suchte sich daraus weitere Wege zu finden! Bereits die sich bewußt werdende Frage nach dem Sein sucht sich ihre eigene Methode!
Was aber ist SEIN? Diese Frage hat die Philosophie zwar verwirklicht, aber dennoch immer wieder verdorben. Die Methode, mit der wir hier nach eine Lösung suchen, kann nicht eine Modifikation der gewohnten Erkenntnismethode von Gegenständen sein. Sie muss aus der Tiefe des menschlichen Wesens eine radikal andere Denkform finden.
Weder Aristoteles, noch Schelling konnten zu dieser immer wieder aufgeworfenen Frage eine Lösung anbieten, denn zu finden, was das wahrhaft Seiende sei, das sei das Schwerste. Diese Frage darf also nicht in der Menge der vielen anderen Fragen als "lediglich auch nur eine Frage" versinken.
Was auch immer unser Wissen in seine Hand bekommt, zeigt uns: das Sein, das ich weiß, ist nicht das Sein an sich und auch nicht das Sein, das ich selber bin. Für unser Wissen ist also kein Halt in irgendeinem bestimmten Sein. Es ist vielmehr so, als ob das Sein zurückweiche vor dem zugreifenden Wissenwollen und uns in Gestalt von Gegenständen immer nur gleichsam Reste und Spuren von sich in der Hand ließe.
Um dieses Thema jedoch ausführlicher zu bearbeiten, bräuchte es weit mehr Seiten!
Gruß von Reklov

