(22-07-2022, 17:55)Ulan schrieb: Kalligraphie wiederum interessiert mich nicht besonders, auch wenn mir einige Grundlagen von Schriftgestaltung bewusst sind. Z.B., selbst die roemische Antiqua in Grossbuchstaben, wie man sie auf Tempeln findet, folgte schon Regeln wie, dass bestimmte Buchstaben kleiner geschrieben werden muessen als andere, weil uns das Gehirn ansonsten eine ungleiche Groesse vorgaukelt, wenn alle Buchstaben gleich hoch geschrieben werden.
Hallo Ulan,
... die "Geschichte der Schriften" ist den wenigsten Leuten bekannt und nur die beruflich damit verbundenen Personen wissen mehr über Entstehung und Form-Entwicklung der Schriften. Lesen lernen aber alle auf der Schule und das reicht den meisten dann auch aus.
Es ist hier also ähnlich, wie beim Wein. Er wird zwar überall getrunken, ohne dass man deswegen aber gleich auch schon zum Weinkenner wird!
Der beigefügte link gibt einen Einblick in die Vielfalt der Schriften (+ Jahresangaben und Namen der Gestalter) wie sie z.B. bei uns verwendet werden:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Schriftarten
Zur Sprache der Menschen, dem eigentlichen Thema, füge ich weiter hinzu:
>> Die Bedeutungen der Worte sind unsere Vorstellungen und Begriffe, die ihrerseits das Sein der Dinge in der Welt treffen. Aber unsere Vorstellungen und Begriffe und damit das Sein werden für uns zugleich erst mit der Wortbildung klar, unterscheidbar und zum festen Besitz.
Wenn aber die Klarheit des Seinswissens unlösbar ist von der Entwicklung der Sprache, so kann man zweifelnd fragen, ob denn das Bedeuten der Sprache je die Sache selbst zu erfassen gestatte. Die Arbeit des Klarwerdens schafft doch nur eine klare Bilderwelt.
Wie in der Sprache immer nur jedes Gleichnis wieder Gleichnis eines anderen sei und nur durch Vergessen des mataphorischen Charakters der Boden vermeintlicher Eigentlichkeiten entstehe, so sei das Sein für uns - unlösbar von der Sprache, in der wir es denken - immer eines das Gleichnis des andern, nirgends ist das eigentliche Sein, das gleichnislos es selbst wäre.
Diese Auffassung identifiziert den Charakter der Sprache mit dem Charakter des Seins für uns. Das Vergessen des metaphorischen Charakters ist im Sprechen zwar der psychologische Grund für die Möglichkeit, mit Worten durch den Gedanken Eigentliches auch abstrakt meinen zu können. Aber schon im Metaphorischen ist der Mensch auf Eigentliches gerichtet. Zu jedem Gleichnis gehört auch ein Wesen... << (Karl Jaspers , Buchauszug VON DER WAHRHEIT)
Gruß von Reklov

