11-08-2024, 13:58
(10-08-2024, 21:49)petronius schrieb:(10-08-2024, 12:08)Reklov schrieb: die meisten Jazz-Musiker hatten zunächst eine solide klassische Ausbildung erhalten
aber bei weitem nicht alle - natürlich schadet eine solche nicht, ist aber eben nicht voraussetzung für die performance von fesselndem jazz. du redest wieder mal völlig an der sache vorbei, denn natürlich muß man auch als zuhörer keinerlei musikalische ausbildung erhalten haben, um von jazz gefesselt zu sein
jazz ist bauchmusik - du aber willst alles unbedingt nur verkopfen, damit wir deiner theoretisch geschulten fertigkeit als gitarrenlehrer huldigen
du magst ein guter gitarrenlehrer sein, der die technik und harmonielehre drauf hat - ein django reinhardt (autodidakt mit verkrüppelter hand, aber eben genialer und unnachahmlicher jazzer) wirst du trotzdem nie werden
Zitat:Eine der einfacheren Jazz-Formen ist der BLUES. Sein Akkord-Schema wiederholt sich in der Regel nach 12 Takten
wenn du den blues darauf reduzierst, wirst du ihn nie begreifen
@ petronius,
mein damaliger sehr guter Gitarrenlehrer, der mich bereits ab meinem 12. Lebensjahr lange unterrichtete, stellte mir schon seinerzeit Schallplatten von Django Reinhardt vor, dessen linke Hand bei einem Wohnwagen-Brand verletzt worden war. Django spielte diesen speziellen "Zigeuner-Jazz", der noch heute so vorgetragen wird, mit nur 3 Fingern!
Dabei werden auch spezielle Gypsy-Akustik-Gitarren verwendet, welch diesen "weinende/klagenden" Ton erzeugen. Sie kennzeichnet u.a. ein ovales Schall-Loch.
Von Django spielte ich (nach ca. 4 Jahren Unterricht!) sein bekanntes Stück NUAGES:
https://www.youtube.com/watch?v=DY0FF4iR9Cw
Richtig ist, dass man als Zuhörer keine Ausbildung braucht, um vom Jazz "gefesselt" zu sein - nur analytisch verstehen wird man ihn ohne Musik-Theorie eben nicht! (Mehr wollte ich nicht sagen.)
Falls es dich interessiert, wie die jungen heutigen Saiten-Flitzer spielen, hör mal hier rein:
https://www.youtube.com/watch?v=wKnW841XDvc
Tom Quayle gehört mit zu den besten auf den 6 Saiten. Technisch perfekt und voller neuer musikalischer Ideen ...
Jazz wird zwar mit dem "Bauch gespielt" und vom Zuhörer auch damit aufgenommen, aber ohne Theorie kommt ein Musiker damit nur bis zu einer bestimmten Stufe.
Oscar Peterson (Jazz-Pianist) wurde z.B. schon mit 5 J. an die Trompete herangeführt und mit 6 J. wechselte er an das Klavier und ließ sich auf diesem Instrument ausbilden. Ohne dies Schulung hätte er später auch nicht komponieren können, was ja nochmal ganz andere Fähigkeiten abverlangt.
Bereits unter den klass. Pianisten des 19. Jahrh. hat mancher Komponist dermaßen anspruchsvolle Stücke geschrieben, dass er sie lieber von anderen "Virtuosen" vortrage ließ, weil diese die flinkeren Finger hatten - aber kein Talent zum Komponieren.
Ich muss heute meinen E-Gitarrenschülern u.a. vorspielen können, wie z.B. das "berühmte E-Git.-Solo" von HOTEL CALIFORNIA (ein bekanntes Stück der EAGLES) spieltechnisch zu bewältigen ist oder, wie man über den bekannten Jazz-Titel BLUE BOSSA eine kreative Improvisation zustande bringt.-
"Django" hätte bereits mit der schnellen Spieltechnik von Rock-Gitarristen aus den 70er Jahren nicht mithalten können, ungeachtet dessen, dass dafür E-Gitarren und Amps verwendet wurden/werden und somit auch ein ganz anderer Stil entstand, als er im Gypsy-Jazz nach wie vor gepflegt wird.
Auch mancher sehr gute "Country-Gitarrist" könnte nicht in einer Rock-Band überzeugend performen, weil hier nun mal andere Skalen gespielt, auch andere E-Gitarren-Modelle benützt werden!
Umgekehrt ist es aber genau so, denn auch das Travis-Fingerpicking mit der rechten Hand muss erst mal sorgsam kultiviert/geübt werden!
Nicht ohne Grund werden zu bestimmten CD-Produktionen auch stets die "speziellen" Musiker vom Produzenten gebucht. Denn kaum einer kann alle Stilarten der Musik gleich gut vortragen.
Gruß von Reklov

