28-06-2007, 11:25
aAHMADh schrieb:Bezüglich der Unterschiede zu den Menschenrechten und möglichen Lösungen:
http://www.aks-pages.de/islamplattform/t...rechte.pdf
Zitat aus dieser Quelle:
Murad Hoffmann schrieb:Dabei muss klargestellt werden, dass die vielfache Verletzung von Menschenrechten in sogenannten islamischen Staaten - darunter Folter, Staatsterror, Polizeibrutalität, Wahlfälschung und Zensur - weder islamisch motiviert, noch islamisch legitimiert ist.
In Klartext: Der Islam ist in der praktischen Umsetzung gescheitert.
Murad Hoffmann schrieb:Hat es je quantitativ und qualitativ schlimmere massenhafte Verletzungen der Menschenrechte gegeben als während der beiden Weltkriege in Europa, des Einsatzes von chemischen und atomaren Waffen, des stalinistischen Terrors, der industriellen Vernichtung von Juden, Geisteskranken, Homosexuellen, Zigeunern und politischen Gegnern im Holocaust, des Apartheit-Regimes und der ethnischen Säuberungen in Bosnien und Kosovo? Und hat sich irgend eine dieser Scheußlichkeiten außerhalb der westlichen Zivilisation ereignet oder gar in der islamischen Region?
Die beschriebenen Gräuel beziehen sich auf bestimmte Gebiete und Zeiträume, wo die Menschenrechte bewusst außer Kraft gesetzt wurden (Nazi-Deutschland, Sowjetunion). Hier ist die "westliche Gesellschaft" gescheitert, hat aber daraus gelernt: UNO-Menschenrechtscharta von 1948; Beseitigung des Apartheit-Regimes, gesetzlicher Schutz für Geisteskranke, Homosexuelle, Roma und Sinti (der benutzte Begriff "Zigeuner" gilt als Schimpfwort - weiß Herr Hoffmann das nicht? Oder setzt er es bewusst ein?).
Mir persönlich ist nicht bekannt, dass in westlichen Staaten wie die Niederlande, Dänemark, Großbritannien, Frankreich, Schweiz, Schweden usw. eine industrielle Vernichtung von Menschenleben durch deren Behören stattgefunden hat.
Bezeichnenderweise spart Herr Hoffmann den Massenmord der Türken an den Armeniern geflissentlich aus. Ebenso die Massaker an nicht-muslimen Bevölkerungsgruppen (z.B. Griechen) während der Endzeit des Osmanischen Reiches. Völkermord gab es auch in der islamischen Region.
Murad Hoffmann schrieb:Dabei stellt man zunächst fest, dass sich der Begriff »Menschenrechte« weder im Judentum, noch im Christentum oder Islam entwickelt hat - nicht nur, weil dieser Begriff in den islamischen Rechtsquellen nicht auftaucht, sondern weil es einem gläubigen Menschen gegen den Strich geht, ein Individuum als Inhaber von Rechten zu begreifen. Göttliche Rechte für den Menschen, ja, aber Rechte des Menschen, nein. In der Tat ist dieser Begriff unmittelbar mit der Vorstellung der Aufklärer des 18. Jahrhunderts verbunden, dass der Mensch autonomer Maßstab aller Dinge sei.
Das ist der Kern aller Ausführungen. Die Menschenrechte sind religionsunabhängig. Sie gelten für alle Menschen gleichermaßen, egal ob Jude, Christ, Muslim oder Anbeter der Gänseblümchen. Selbst Menschen ohne jeden Religionsbezug, ohne jeden Glauben, erfüllt von der Erkenntnis, dass es keinen Gott gibt, besitzen diese Menschenrechte. Nicht so bei Murat Hoffmann!
Es gibt nur göttliche Rechte für den Menschen, aber keine Rechte des Menschen. Im Klartext: Ohne Gottesbezug keine Menschenrechte. Schlussfolgerung: Atheisten bzw. Nichtreligiöse haben keine Menschenrechte, denn für sie gibt es keine "göttlichen Rechte".
Es gibt noch einiges mehr in dem Artikel von Murat Hoffmann höchst zweifelhaft ist, dessen Kommentierung hier aber den Rahmen sprengen würde:
- aus dem Verbot des Mordes lässt sich m.E. nicht ohne Weiteres die körperliche Unversehrtheit eines jeden Menschen herleiten
- aus der Wahl der ersten drei Kalifen ergibt sich mitnichten eine demokratische Republik, denn Demokratie setzt Opposition voraus und vor allem die Möglichkeit zur Abwahl des bestehenden Herrschers bzw. der Regierung. Demokratie gilt bis heute als die zweitbeste aller Regierungsformen - die beste ist bisher noch nicht gefunden worden.
- die Zeilen zur Nichtbestrafung von Apostasie sind nichts weiter als Blendung, denn Apostasie bedeutet, eine andere Glaubensrichtung besser zu finden als den Islam, und das ist Hochverrat. Hier lügt sich Hoffmann in die eigene Tasche
- die Sklaverei ist fester Bestandteil des Islam, da er im Koran erlaubt ist und, wie Hoffmann selbst sagt, nicht aus dem Koran entfernt werden darf. Konjunktivisch verklausuliert versteigt sich Hoffmann zur Annahme, Allah wollte eigentlich die Sklaverei Schritt für Schritt abschaffen (wenn er das wirklich gewollt hätte, wäre Klartext besser gewesen - Fakt ist jedenfalls, dass Sklaverei im islamischen Gebiet bis heute als akzeptabel gilt und auch praktiziert wird).
- der Schutz religiöser Minderheiten wird nach bekanntem Muster verbrämt. Eine Gleichstellung religiöser Minderheiten (bis hin zum Aufstieg eines Nicht-Muslims in höchste Staatsämter - was aber eine Trennung von Staat und Religion erfordern würde) ist nicht möglich. Für Hoffmann ist diese Frage irrelevant, weil selbst bei demokratischen Wahlen nicht die Qualität des Kandidaten zählt, sondern seine Religionszugehörigkeit (Zitat: "Muslimsein entspricht insofern einer Staatsangehörigkeit" - Schlussfolgerung: Wer nicht Muslim ist, hat nicht die entsprechende Staatsangehörigkeit und folgerichtig eingeschränkte Rechte). Schutz religiöser Minderheiten schließt auch eine ungehinderte Ausübung einer anderen Religion als den Islam ein, öffentlich und mit Repräsentanz.
- die unterschiedliche Behandlung von Frauen und Männern ergeben sich angeblich aus der unterschiedlichen Physiognomie. Unterschiede bestehen beim Erbrecht, der Qualität der Zeugenaussage vor Gericht, der Stellung als Familienoberhaupt, im Eherecht. Alle diese Unterschiede basieren auf einer zutiefst patriarchalischen Gesellschaftsstruktur, die der modernen Welt gegenübersteht (und in meinen Augen jegliche Problemlösungskompetenz fehlt).
- zum Thema Scharia, Strafrecht, Körperverstümmelung usw. erzählt Hoffmann nichts Neues (ich verweise auf eine andere Diskussion hier im Religionsforum). Das Kernproblem klammert Hoffmann in seine Ausführungen wohlweislich aus: Es geht nicht darum, ob einem Dieb wegen seiner Tat die Hand abgehackt wird oder nicht, sondern das diese Strafform per se existiert.
Schlussendlich spricht aus dem Text von Murat Hoffmann genau jene Arroganz und Überheblichkeit, die er ansonsten dem Westen vorwirft:
"Dabei wäre es relativ einfach gewesen, mit etwas Einfallsreichtum zu beweisen, dass der Islam (i) alle klassischen Menschenrechte schon seit 1400 Jahren kennt und (ii) besser verankert hat als der Okzident seinen Kodex."
Blöd nur, dass die klassischen Menschenrechte seit 1400 Jahren in islamischen Staaten nicht funktionieren. Und vor allem: Man benötigt Einfallsreichtum, um sie zu finden.
Grüße
Moski
Ich bin gegen Religion weil sie uns lehrt, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen (Richard Dawkins)

