22-01-2026, 19:11
(21-01-2026, 22:36)Thomas der Ungläubige schrieb:(21-01-2026, 22:17)bellevue schrieb:(21-01-2026, 22:05)Thomas der Ungläubige schrieb: Die katholische Kirche liebt so wie ich ihre Widersprüche. Die schlimmsten Ideologien sind die, die Vollständigkeit und Transparenz versprechen.
1. Das Gegenstück zu "widersprüchlich" ist bekanntlich "nicht widersprüchlich", nicht "vollständig".
2. "Transparenz" betrachte ich hinsichtlich Welt- und Menschenbildern, die auch nur den geringsten ethischen Anspruch erheben, als völlig unverzichtbar.
3. Dass auch die Lehren des Katholizismus fundamental widersprüchlich und intransparent sind, ist nun wirklich keine spektakuläre Neuheit.
Vollständig und transparent im Sinne von...
Du versuchst erneut, den ausschließlich von dir untergeschobenen unsinnigen Kampf-Strohman "vollständig" zu dreschen. Wenn, dann war die Rede von "nicht-widersprüchlich und transparent". Dass dir der Unterschied zwischen beiden Formulierungen nicht klar ist, glaube ich nicht. Deshalb erlaube ich mir, an dieser Stelle einmal anzumerken, dass sich die von dir behauptete "Progessivität" deines Katholischseins jedenfalls definitiv nicht auf die Art und Weise deiner Predigt bzw. deinen argumentativen Umgang mit kritischen Einwänden ersteckt. Alles very old school....
(21-01-2026, 22:36)Thomas der Ungläubige schrieb: Vollständig und transparent im Sinne von: alle Widersprüche werden vollständig aufgelöst, so
dass immer klar ist, was richtig oder falsch ist. Die Wirklichkeit ist jedoch leider ein einziger Dschungel moralischer Dilemmata.
Ideologien, die auf alles eine eindeutige Antwort finden, sind schlicht unmenschlich.
Sorry, aber wenn es Ideologien gibt, die permanent verkünden, im Besitze angeblich sämtlicher allein gültiger "Wahrheiten" über "falsch und richtig" menschlichen Denkens, Urteilens und Handelns zu sein, und zwar bis ins Allerkleinste und Intimste des menschlichen Lebens hinein, dann zählen dazu doch vor allem die abrahahamistischen Glaubens-Ideologien, namentlich auch die von dir verehrte katholische.
Man muss sich doch nur mal den "Katechismus der Katholischen Kirche" zu Gemüte führen. "Moralische Dilemmata" oder irgendwelche Unklarheiten über "richtig und falsch" werden da keine präsentiert, sondern nur "Wahrheiten". Deshalb kann man auch in Vergangenheit und Gegenwart sehr eindrücklich beobachten, wie der Katholizismus, wann immer er in einer Gesellschaft über nennenswerte politische und exekutive Macht verfügt, mit allen zur Verfüghung stehenden Mitteln versucht, diese "Wahrheiten" bei den Menschen durchzudrücken, ob sie nun wollen oder nicht.
"Widersprüche" und "Dilemmata" treten erst bei den Versuchen auf, diese verkündeten "Falsch-und-Richtig-Wahrheiten" nachvollziehbar, "transparent" und "widerspruchsfrei" zu begründen - wie es von jeder "Ethik" zwingend gefordert werden muss, wenn ihr diese Bezeichnung überhaupt zuerkannt werden soll. Und da zeigt sich dann nämlich schnell, dass die Glaubensfantasmen, auf denen jene "Wahrheiten" angeblich beruhen sollen, nicht nur beliebig (weil per definitionem unerweislich) sind, sondern darüber hinaus auch noch weder hinten und vorne in irgendeiner Weise zusammenpassen und es ihnen vor allem an jeglicher ethischen Dimension vollständig ermangelt! Da wird dann auf's Elendste herumgewurschtelt und versucht, sich mit allen Mitteln der Vertuschung, Verleugnung, Unterschlagung, Vernebelung, Verdrehung, Verunklarung, verlogener Strohmanndrescherei und dem endlosen, flutartigen Gebrauch nichtssagender absurder Worthülsen herauszuwinden. Dass diese "Geheimnisse des Glaubens" bei genauer Betrachtung am Ende nur auf anmaßendes Geschwurbel hinaus laufen, ist daher kein Geheimnis!
Alles was sich aussprechen läßt, läßt sich klar aussprechen. (Wittgenstein)

