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Von Hexen und Zauberern
#8
(22-09-2008, 14:09)Casmiel schrieb: Und selbst wenn diese absurde Behauptung der Wahrheit entspräche -

Wenn mir jemand mitteilt, ich würde Unsinn oder Absurdes verbreiten, muss ich abwägen, ob es dafürsteht, auf solche Beiträge zu antworten.

In diesem Falle, denke ich, ist eine Antwort nötig!

Die Meinung, dass der Hexenhammer auf Frauen zielt und das schon in der weiblich gehaltenen Betitelung zum Ausdruck kommt (gewöhnlich wird im Lateinischen, wenn beide Geschlechter angesprochen werden sollen, die männliche Form gewählt), stammt von Hilde Schmölzer (einer in Wien und München wirkenden Kunsthistorikerin und Publizistin), wurde von Adolf Holl (Theologe und Philosoph, Univ.-Doz. für Religionswissenschaft an der Universität Wien, seit 1973 von der Lehrtätigkeit an der kath.-theol. Fakultät suspendiert) aufgenommen und im Rahmen eines Vortrags mit anschließender Diskussion besprochen.

Elemente aus diesem Gespräch habe ich (aus der Mitschrift, bzw. dem besprochenen Aufsatz von Frau Schmölzer entnommen, zum Teil in eigene Worte gefasst) wiedergegeben. Dass das, was ich in meinem Beitrag geschrieben habe, auch meine Meinung ist, brauche ich wohl nicht explizit anmerken.

Also nochmals: Ja, auch männliche Hexerei wird im Hexenhammer beschrieben. Die Betitelung aber ist mit Absicht weiblich gehalten!

Über drei Jahrhunderte haben Hexenverfolgungen in Europa ein trauriges Kapitel der Religions- und Kulturgeschichte geschrieben (die erste Verbrennung fand 1275 in Toulouse, die letzte 1793 in Posen statt). Im Wesentlichen hat sich die Kollektivneurose des Hexenwahns in an Frauen ausgeübter Gewalt offenbart. 90 bis 95 % der Opfer waren Frauen!

1326 wurde die Zauberei mit der Konstitution Super illius specula durch Johannes XXII rechtlich der Häresie zugeordnet und damit der Inquisition unterstellt. Seinen Höhepunkt erlebte der Hexenwahn in der Zeit zwischen 1560 und 1630 in Europa, zwischen 1590 und 1630 in Deutschland. Über die Gesamtzahl der Opfer gibt es verschiedene Meinungen. Dass es sehr, sehr viele Menschen (wie schon angemerkt, in der Regel Frauen) waren, die, wie es im Hexenhammer heißt, eingeäschert wurden, ist die traurige Wahrheit.

Übrigens: Einmal der Hexerei angeklagt, hatte die (der) Beschuldigte unter der römischen Inquisition und selbst unter der berüchtigten spanischen eine größere Chance, mit dem Leben davon zu kommen, als unter der deutschen!

Und was auch nicht unterschlagen werden soll: Auch die protestantische Hexenphobie hat ihren guten Teil beigetragen.

Quellen:

M. A. Murrey, The Witch-Cult in Western Europe, Oxford 1962
H. J. Baroja: Die Hexen und ihre Welt, Stuttgart 1967
Hilde Schmölzer, Phänomen Hexe, Wahn und Wirklichkeit im Laufe der Jahrhunderte, Wien 1986
Hildegard Neumayer, Die Vernichtung der Weisen Frauen. Zur Genese von Hexenbild und Hexenwahn, Salzburg 1989 (Diplomarbeit)

E.
MfG B.
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Von Hexen und Zauberern - von Bion - 15-09-2008, 19:36
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