09-11-2008, 13:55
(09-11-2008, 11:06)Ekkard schrieb: Jüdische Befindlichkeiten korrekt zu verstehen, ist für christliche Vorstellungen nicht leicht bis unmöglich.Schon deswegen, weils DIE eine jüdische Befindlichkeit, möglichst noch über alle Zeiten auf den Status des AT/NT-Zeitpunkts festgeschrieben, nicht gibt, auch damals nie gegeben hat. Das ist dann schon wieder ein zusätzliches kirchlich transportiertes Vorurteil ... ebenso wie das mancher Juden, Christen seien lauter kleine oder etwas größer Pauli/ Shauli oder zumindest alle so geblieben wie der alte, verbitterte, teils doch noch sehr im mittelalterlichen Aberglauben verhaftete Luther. Gegen Unkenntnis hilft nur eins: Mitlesen und Zuhören ... bei der Originalseite ... nicht bei den Deutungen der anderen "Experten" und deren "Einführungsliteratur" ... und viel Demut, manches eben immer als fremd empfinden zu müssen, nie wirklich korrekt zu erfassen.
(09-11-2008, 11:06)Ekkard schrieb: Ein "heiliges Buch" (ich denke, nur der Pentateuch) ist, soweit ich das überhaupt begriffen habe, ein Text für den Gottesdienst, der "übertragen", "interpretiert" und - ja lauthals und heftig - zu diskutieren ist, mehr eine Sprachregelung denn etwas, dem man wörtlich folgt. Auch mit dem Ewigen gerät man in heftige Diskussion, widerspricht, lehnt ab – aber man bleibt im Dialog mit IHM.Bei allem Respekt vor jüdischem Bibelverständnis und was Christen davon lernen (könnten) Die historisch-kritische Exegese gibt mindestens seit Wellhausen und weit mehr als 50 Jahre. Das fundamentalistische buchstabenverhaftete naive Bibel(un)verständnis ist dagegen viel jünger.
Für Christen, Luther eingeschlossen, ist ein "heiliger Text" ein verbindlicher Text, dem "man glauben muss". Die christlichen Mythen gelten absolut(!) und selbst erklärend (Offenbarung)....
Erst in den letzten 50 Jahren ist hier – vielleicht auch gerade im Dialog mit jüdischen Menschen – ein bisher nicht gefestigter Wandel eingetreten: "Heilige Texte" und Überlieferungen verlieren ihre "absolute Stellung", man kann sie interpretieren und ihnen widersprechen. Der Dialog, ja Auseinandersetzung mit dem HErrn gewinnt jene Bedeutung zurück, die im Judentum, soweit ich das verstanden habe, Tradition war.
Letztendlich können wir alle, soweit uns ein Bibeltext des ATs zugänglich ist, nachlesen wie Menschen mit Gott streiten und dabei auch Gott etwas abringen (Jakobs Kampf am Jabok Gen 32,23-33) Und wir können quer durchs AT von vielen Infragestellungen herkömmlicher Theologie, von Theologiewechseln lesen ... NICHTS ist auf alle Zeiten statisch, auch für Christen nicht, wenn sie denn nicht zu faul sind, ihren gottgegebenen Verstand zu gebrauchen und ihre Pfarrer nicht zu feige sind, ihnen die neueren Strömungen zeitgenössischer Theologie zu übermitteln.
(09-11-2008, 11:06)Ekkard schrieb: Zurück zu Luther und der (christlichen) Vergangenheit: Ein "absoluter Text" verpflichtet eine tiefgläubige Person, alle anderen Menschen "das Heil" zu bringen, das für einen Christen (zumindest damals) nun mal im Glauben an den Christus besteht. Luther hat ja nicht aus Jux und Dollerei die damalige Kirche angegriffen. Diese war ihm zu sehr verweltlicht insbesondere dort, wo es um Geld ging (Ablasshandel).Ich denke, dass dies hier Luthers Denken ziemlich verfälscht und ihn als sehr vergeistigt und weltfremd aus seiner Verantwortung nimmt.
1. Luther hat Bibel "übersetzt". Dabei musste er zwangläufig von textlicher und sinngebundener Absolutheit abweichen ... und dies bejahen ... oder auf Übersetzung verzichten.
2. Thesen waren für mich durchaus auch zu einem großen Teil politische Aufmüpfigkeit mit vorgebenen Herrschaftsverhältnissen, bei weitem nicht nur theologischer Purismus.
3. Viele der späteren Lutherentscheidungen waren konkret materieller Existenzsicherung geschuldet oder aber Angst vor der eigenen Civil-Courage, spiegelten mehr die zerrissene, psychisch möglicherweise auffällig problematische Persönlichkeit Luthers wider als theologische Systematik.
4. Das Hin-und-Her zwischen mittelalterlichen und Renaisance-Lebensgefühl prägt auch das handeln Luthers. Mal Standes- und Institutionshörigkeit mal individuelle Eigenständigkeit.
Ich bezweifele, dass Luthers Position zu den Juden theologisch wirklich zwingend logisch und folgerichtig vorgegeben war. Mit dem gleichen Input hätten sich andere Persönlichkeiten und evt. so gar Luther in anderer Tagesverfassung anders entscheiden KÖNNEN. War aber nicht ... Und deswegen müssen wirs heute nicht schönzureden versuchen und damit noch schlimmer machen.
Fritz
Liebet eure Feinde, vielleicht schadet das ihrem Ruf! (Jerci Stanislaw Lec)
Wer will, dass Kirche SO bleibt - will nicht, dass sie bleibt!
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