19-11-2008, 20:42
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 19-11-2008, 20:50 von Alanus ab Insulis.)
Seblatnig, Heidemarie:"Profane Sakralarchitektur in Wien ab 1960 / Profane Sacred Architecture in Vienna since 1960", facultas.wuv, 1. Aufl. 2006.
Mit großem Interesse habe ich die Beiträge in diesem Büchlein gelesen, das aus einem Projekt der Technischen-Universität Wien hervorging.
Es hat mich darin bestätigt, dass moderne Krichenbauten (meine Erfahrung bezieht sich vorallem auf katholische Kirchen) sich durch ein Fehlen eines sakralen Raumgefüges auszeichenen. Vergleicht man heutige Kirchenbauten mit denen vergangener Epochen so wird dies besonders deutlich.
Romanik: Die romanischen Basiliken entstehen aus den kaiserlichen Basiliken. Vom gr. basiliké her kommend heist es soviel wie Königshalle. Sie ist zumeist ein mehrschiffiger Raum mit mehreren Seitenabsiden.
Der christliche Kirchenbau unter Konstantin übernimmt dieses Model und wandelt es ab. Die vielen Seitenabsiden werden zu Gunsten einer einzigen West- oder Ostabside aufgegeben. In ihr steht der Altar und wird theologisch für die Einzigkeit Gottes gedeutet. Sie ist nun nicht mehr Gerichtshalle des Kaisers, sondern Tempel des einzig, wahren Königs Christus.
Gotik: Sie erweitert das Basilika-Model bleibt ihm aber treu. Ohne auf die kunstgeschichtlichen Unterschiede einzugehen, wird dennoch deutlich, dass die Gotik vor allen anderen versucht architektonisch das Himmlische Jerusalem in Form von Symbolen darzustellen. Dies wird z.B. in der Anordnung der tragenden Säulen, der Kreuzform, der Apsisgestaltung, usw. angedeutet.
Renaissance/Barock: Hier wird vor allem mit Kunst versucht ein Gefühl und ein Bild des himmlischen Jerusalems zu entwerfen. Vor allem im Barock ist man daran interessiert die Herrlichkeit der Ewigkeit im Gegensatz zur Vergänglichkeit des Diesseits darzustellen.
Interessant ist, das dies zwar alles epochenbeinflussende Baustile sind, jedoch ihr Einzigartigkeit immer in der jeweiligen Umsetzung liegt. Ein jeder Kirchenbau kann als authentische, architektonische Umsetzung eines ekklesiologischen Kirchenverständnisse verstanden werden. Der Glaube liefert die Grundstruktur und die Voraussetzung für die Anordnung des Bauwerkes.
Während die ersten romanischen Basiliken eine Umdeutung erfahren und auch eine architektonische Abwandlung (nur 1 Apsis) und damit die Grunderfahrung der alten Kirche ausdrücken, der in dem liturgischen Satz ausgedrückt ist: ad Dominum converte - bekehrt euch zum Herrn, so ist es heute gerade umgedreht. Moderne Kirchenbauten nehmen vor allem profane Elemente auf und verlassen klassische oder traditionelle ekklesiale Elemente. Anstatt einer Sakralisierung profaner Räume (wie bei den Basiliken) haben wir heute eine Profanierung sakraler Räume.
Dies ist auch gar nicht verwunderlich. Die immer weiter voranschreitende Säkularisierung der modernen Gesellschaft kennt keine gemeinsamen Formen für den Ausdruck des Spirituellen oder von Kirchlichkeit. Bestehende Gläubige verhaften hingegen in traditionellen Kirchenmodellen (Neogotik, Neobarock, Neoromanik). Das spricht einerseits für die Innovationslosigkeit moderner Kirchenarchitektur (und auch des Glaubens, der offensichtlich keine angemeßenen Formen für seine Entfaltung mehr findet), als auch für den Versuch den Glauben vor der Säkularisierung zu schützen. Moderne Kirchenarchitektur fällt m.E. nach dadurch auf, dass sie sich meist nur einen Teil des Glaubens oder der Liturgie herausgreift und ihn mit zumeist profanen Elementen umzusetzen versucht. Der Mangel liegt hier darin, dass diese Formen nicht geeignet sind die Gesamtheit des kirchlichen Glaubens und der Liturgie darzustellen, wie dies z.B. Gotik und Renaissance tun. Vielfach sind moderne Kirchenbauten Experimente vor allem progressiver Liturgiker oder Umsetzungen glaubensferner Architekten, deren profane Qualifikation nicht zur Debatte steht. Die manchmal spöttischen, vor allem polemischen auftauchenden Begriffe wie Halleluja-Garage oder St. Beton sind zwar ungeeignet, lassen jedoch auch die Formen- und Symbolarmut moderner Sakralarchitektur erkennen, die seit jeher Bestandteil religöser Kunst und Bauweise war.
Mit großem Interesse habe ich die Beiträge in diesem Büchlein gelesen, das aus einem Projekt der Technischen-Universität Wien hervorging.
Es hat mich darin bestätigt, dass moderne Krichenbauten (meine Erfahrung bezieht sich vorallem auf katholische Kirchen) sich durch ein Fehlen eines sakralen Raumgefüges auszeichenen. Vergleicht man heutige Kirchenbauten mit denen vergangener Epochen so wird dies besonders deutlich.
Romanik: Die romanischen Basiliken entstehen aus den kaiserlichen Basiliken. Vom gr. basiliké her kommend heist es soviel wie Königshalle. Sie ist zumeist ein mehrschiffiger Raum mit mehreren Seitenabsiden.
Der christliche Kirchenbau unter Konstantin übernimmt dieses Model und wandelt es ab. Die vielen Seitenabsiden werden zu Gunsten einer einzigen West- oder Ostabside aufgegeben. In ihr steht der Altar und wird theologisch für die Einzigkeit Gottes gedeutet. Sie ist nun nicht mehr Gerichtshalle des Kaisers, sondern Tempel des einzig, wahren Königs Christus.
Gotik: Sie erweitert das Basilika-Model bleibt ihm aber treu. Ohne auf die kunstgeschichtlichen Unterschiede einzugehen, wird dennoch deutlich, dass die Gotik vor allen anderen versucht architektonisch das Himmlische Jerusalem in Form von Symbolen darzustellen. Dies wird z.B. in der Anordnung der tragenden Säulen, der Kreuzform, der Apsisgestaltung, usw. angedeutet.
Renaissance/Barock: Hier wird vor allem mit Kunst versucht ein Gefühl und ein Bild des himmlischen Jerusalems zu entwerfen. Vor allem im Barock ist man daran interessiert die Herrlichkeit der Ewigkeit im Gegensatz zur Vergänglichkeit des Diesseits darzustellen.
Interessant ist, das dies zwar alles epochenbeinflussende Baustile sind, jedoch ihr Einzigartigkeit immer in der jeweiligen Umsetzung liegt. Ein jeder Kirchenbau kann als authentische, architektonische Umsetzung eines ekklesiologischen Kirchenverständnisse verstanden werden. Der Glaube liefert die Grundstruktur und die Voraussetzung für die Anordnung des Bauwerkes.
Während die ersten romanischen Basiliken eine Umdeutung erfahren und auch eine architektonische Abwandlung (nur 1 Apsis) und damit die Grunderfahrung der alten Kirche ausdrücken, der in dem liturgischen Satz ausgedrückt ist: ad Dominum converte - bekehrt euch zum Herrn, so ist es heute gerade umgedreht. Moderne Kirchenbauten nehmen vor allem profane Elemente auf und verlassen klassische oder traditionelle ekklesiale Elemente. Anstatt einer Sakralisierung profaner Räume (wie bei den Basiliken) haben wir heute eine Profanierung sakraler Räume.
Dies ist auch gar nicht verwunderlich. Die immer weiter voranschreitende Säkularisierung der modernen Gesellschaft kennt keine gemeinsamen Formen für den Ausdruck des Spirituellen oder von Kirchlichkeit. Bestehende Gläubige verhaften hingegen in traditionellen Kirchenmodellen (Neogotik, Neobarock, Neoromanik). Das spricht einerseits für die Innovationslosigkeit moderner Kirchenarchitektur (und auch des Glaubens, der offensichtlich keine angemeßenen Formen für seine Entfaltung mehr findet), als auch für den Versuch den Glauben vor der Säkularisierung zu schützen. Moderne Kirchenarchitektur fällt m.E. nach dadurch auf, dass sie sich meist nur einen Teil des Glaubens oder der Liturgie herausgreift und ihn mit zumeist profanen Elementen umzusetzen versucht. Der Mangel liegt hier darin, dass diese Formen nicht geeignet sind die Gesamtheit des kirchlichen Glaubens und der Liturgie darzustellen, wie dies z.B. Gotik und Renaissance tun. Vielfach sind moderne Kirchenbauten Experimente vor allem progressiver Liturgiker oder Umsetzungen glaubensferner Architekten, deren profane Qualifikation nicht zur Debatte steht. Die manchmal spöttischen, vor allem polemischen auftauchenden Begriffe wie Halleluja-Garage oder St. Beton sind zwar ungeeignet, lassen jedoch auch die Formen- und Symbolarmut moderner Sakralarchitektur erkennen, die seit jeher Bestandteil religöser Kunst und Bauweise war.
Omnis mundi creatura quasi liber et pictura nobis est et speculum.
-
Jedes Geschöpf der Welt ist sozusagen ein Buch und Bild und ein Spiegel für uns.
(Alanus ab Insulis, Theologe, Philosoph und Dichter)
-
Jedes Geschöpf der Welt ist sozusagen ein Buch und Bild und ein Spiegel für uns.
(Alanus ab Insulis, Theologe, Philosoph und Dichter)

